In Pforzheim werden Wärmerohre verpresst.

In Pforzheim werden Wärmerohre verpresst.

Bild: © SWP

Die Stadtwerke Pforzheim (SWP) setzen beim Ausbau ihres Fernwärmenetzes nicht mehr nur aufs Schweißen. Sie nutzen immer stärker ein metallisch dichtendes Pressverfahren zur Verbindung von Stahlrohren. Während das Verschweißen von Rohren bislang als Standardtechnik gilt, gewinnt das neue Pressverbindungsverfahren nun auch in der Fernwärme an Bedeutung. In der Schiffsindustrie sei diese Technik bereits seit Jahren etabliert, im Fernwärmebereich gilt sie jedoch noch als vergleichsweise neu.

In Pforzheim wurden bislang bereits rund 1,7 Kilometer Fernwärmeleitungen sowie etwa 3000 Pressformteile auf diese Weise verbaut. Die eingesetzten Formteile bestehen aus einer Hülse mit Dichtflächen und vormontierten konischen Pressringen. Abhängig vom Hersteller kommen zusätzlich Innenhülsen zum Einsatz, die während des Fügevorgangs zusätzliche Haltekräfte erzeugen. Durch das maschinelle Verpressen der Ringe wird eine dauerhaft metallische Dichtung zwischen den verbundenen Rohren hergestellt.

Hohe Temperaturdifferenzen erfordern gute Planung

Der praktische Ablauf unterscheidet sich deutlich vom Schweißprozess, ist jedoch keineswegs trivial. Voraussetzung für eine dauerhaft dichte Verbindung sind eine sorgfältige Planung, eine fachgerechte Oberflächenvorbereitung der Rohre sowie eine spannungsarme Verlegung. Insbesondere bei Fernwärmeanwendungen mit Temperaturdifferenzen von mehr als 100 Grad Celsius zwischen Montage und Betrieb müssen thermische Längenausdehnungen und die daraus resultierenden Zug- und Druckkräfte rechnerisch berücksichtigt werden. Eine rohrstatische Berechnung ist daher zwingend erforderlich.

Die größten Vorteile der Technik liegen nach Angaben eines Sprechers der Stadtwerke im Bauablauf. Mit dem Pressverfahren lasse sich die Bauzeit im Vergleich zum Schweißen um bis zu zwei Drittel reduzieren. Besonders bei zeitkritischen Baumaßnahmen oder bei Innenleitungen in brandgefährdeten Bereichen spiele das Verfahren seine Stärken aus, da offenes Feuer entfalle und die Montage deutlich schneller erfolgen könne.

Eine vollständige Ablösung des Schweißens sehen die Stadtwerke jedoch nicht. Das Pressverfahren könne das Schweißen sinnvoll ergänzen, es aber nicht vollständig verdrängen, so der Sprecher. Technisch sei das Verfahren derzeit in der Regel bis zu einer Nennweite von DN 100 einsetzbar. Bei größeren Leitungsdurchmessern müsse weiterhin geschweißt werden.

Auch bei Gas oder Wasser möglich

Eingesetzt wird das Pressverfahren bei den SWP aktuell ausschließlich in der Fernwärme, grundsätzlich sei es aber auch in den Sparten Gas und Wasser möglich. Im Trinkwasserbereich seien hierfür allerdings Pressfittinge aus Edelstahl erforderlich.

Auch wirtschaftlich bewerten die Stadtwerke die Technik positiv. Zwar lägen die Materialkosten für Pressverbindungen höher als beim Schweißen, die eigentliche Herstellung der Verbindung sei jedoch deutlich günstiger. In der Gesamtkalkulation erweise sich das Pressverfahren damit als kostengünstiger als das herkömmliche Schweißverfahren.

Externe Rohrleitungsbauunternehmen reagieren ebenfalls auf diese Entwicklung und investieren zunehmend in die erforderliche Presstechnik. Der Schulungsaufwand dafür wird von den Stadtwerken als gering eingeschätzt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Erfahrung im Rohrbau benötigten nach Angaben des Stadtwerke-Sprechers in der Regel nur etwa einen Tag Schulung, um das Verfahren sicher anwenden zu können.

Eine anfänglich unter einem Prozent liegende Schadensquote, die überwiegend auf Montagefehler zurückgeführt wurde, sei durch Feldversuche und gezielte Schulungen weiter reduziert worden. Die Pressverbindungstechnik habe sich damit in Pforzheim als praxistaugliche Ergänzung zum konventionellen Schweißverfahren etabliert.

Sämtliche Einbauten werden bei den Stadtwerken Pforzheim georeferenziert im internen Geoinformationssystem dokumentiert und zusätzlich über integrierte Leckortungssysteme in den Fernwärmerohren überwacht. Maßgeblich vorangetrieben wurde die Umsetzung durch Mitarbeitende aus Betrieb und Planung, die abteilungsübergreifend zusammenarbeiteten.

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