Noch immer sind viele Altbauten in Deutschland nicht energetisch saniert.

Noch immer sind viele Altbauten in Deutschland nicht energetisch saniert.

Bild: © Fotomek/Adobe Stock

Bau- und Immobilienwirtschaft können viel zum Erreichen der Klimaziele beitragen. Mehr als ein Drittel der CO2-Emissionen werden durch den Betrieb von Gebäuden verursacht. Um mindestens 66 Prozent möchte die Bundesregierung die Emissionen der Gebäude im Vergleich zu 1990 bis 2030 senken.

Bis 2050 soll der Gebäudebestand von derzeit 22 Millionen Gebäuden, davon 19 Mio. Wohnhäuser, nahezu klimaneutral sein. Dazu müssten jährlich mindestens 2 bis 3 Prozent der Gebäude energetisch auf Vordermann gebracht werden. Doch die jährliche Sanierungsrate stagniert seit Jahren bei etwa 1 Prozent.

Sanierungsrate um das Vierfache steigern

Angesichts dieses "katastrophal langsamen" Sanierungstempos drohe die Lücke beim Klimaschutz im Gebäudebereich so groß zu werden, dass sie nicht mehr geschlossen werden könne, warnen die Bundesarchitektenkammer (BAK), die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH). In einem Positionspapier skizzieren sie ein Sofortprogramm für die künftige Bundesregierung.

Ziel müsse sein, den richtigen Rahmen zu schaffen, um ab 2025 mindestens 1 Million Bestandsgebäude klimaneutral zu sanieren und damit die Sanierungsrate um das Vierfache zu steigern. Unter klimaneutral versteht das Aktionsbündnis, dass die sanierten Gebäude übers Jahr gerechnet Null Treibhausgase emittieren.

1 Million Sanierungsfahrpläne – Novelle des GEG

1 Million individuelle Sanierungsfahrpläne soll die Bundesregierung bis 2025 an Gebäudeeigentümer verschenken, um ihnen konkrete Handlungsschritte aufzuzeigen, fordern BAK, DGNB und DUH. Nötig sei auch, 100 Prozent Transparenz zu schaffen. Hierzu müsse die Bundesregierung den energetischen Zustand des gesamten Gebäudebereichs in vergleichbaren Bedarfsausweisen erfassen.

Direkt nach der Bundestagswahl soll die künftige Regierung innerhalb von 100 Tagen die Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sowie der Bundesförderung Effiziente Gebäude (BEG) starten, um den Klimaschutz im Gebäudebereich zeitnah nach vorne zu bringen, mahnt das Aktionsbündnis an.

150 bis 250 Mrd. Euro jährliche Investitionen

150 bis 250 Milliarden Euro jährlich seien an Investitionen nötig, um entsprechende Maßnahmen auf den Weg zu bringen, so die Autoren des Positionspapiers. Um Eigentümer nicht zu überlasten, sei eine deutliche Erhöhung der staatlichen Zuschüsse und Förderkredite nötig. Hierdurch würden sich auch zusätzliche Impulse für die Konjunkturbelebung ergeben, konstatieren BAK, DGNB und DUH.

"Wir bewerten die Maßnahmen alle als zielführend", sagt Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer Bauwirtschaft Baden-Württemberg gegenüber der ZfK. So begrüße man ausdrücklich eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes mit dem Ziel der Klimaneutralität bzw. klimapositiven Gebäuden. Möller verweist auch darauf, dass sich die Bauwirtschaft über die Netzwerk-Initiative Solid Unit aktiv für die CO2-Reduktion im Bausektor in Baden-Württemberg engagiere.

Breite Unterstützung – doch Kosten fair verteilen

"Die Vorschläge gehen in die richtige Richtung“, sagt auch Franz Pöter, Geschäftsführer der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg. Wichtig sei jedoch, dass die Umsetzung durch finanzielle staatliche Anreize unterstützt werde und Regeln getroffen würden, um bei Mieterhöhungen soziale Verwerfungen zu verhindern.

Unterstützung signalisiert auch Ralf Heineken, Sprecher des baden-württembergischen Umweltministeriums gegenüber der ZfK. Doch seien die Forderungen nicht so einfach umzusetzen, beispielsweise eine grundlegende Neuausrichtung des Ordnungsrechts innerhalb der ersten 100 Tage der neuen Legislaturperiode. Entscheidend sei auch eine kluge und faire Verteilung der zusätzlichen Kosten auf Eigentümer, Mieter und den Fiskus.

Dena: Auch serielles Sanieren voranbringen

Den Ansatz des Aktionsprogramms begrüßt auch Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Allerdings hält er eine energetische Sanierungsrate von fünf Prozent des Gebäudebestands schon ab 2025 für unrealistisch. Wichtig sei auch, flankierend Innovationen wie das serielle Sanieren zu fördern. (hcn)

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