Lucas Ronzheimer

Lucas Ronzheimer

Bild: © Buderus

Welche Rolle spielen Hochtemperatur-Wärmepumpen in der industriellen Abwärmenutzung und in der Einspeisung in bestehende Fernwärmenetze?

Hochtemperatur-Wärmepumpen spielen eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung von Industrie und Fernwärme. In der industriellen Abwärmenutzung ermöglichen sie es, Abwärme aus Prozessen – etwa aus Kühlwasser, Abluft oder Abgasen – auf ein höheres Temperaturniveau anzuheben. Dadurch kann diese Wärme, die sonst ungenutzt verloren ginge, zurückgewonnen und wiederverwendet werden. Auch für die Einspeisung in bestehende Fernwärmenetze sind Hochtemperatur-Wärmepumpen bedeutsam. Viele dieser Netze arbeiten mit Vorlauftemperaturen von 80 bis 130 °C. Hochtemperatur-Wärmepumpen können diese Temperaturen bereitstellen und so erneuerbare Wärmequellen wie Umweltwärme, industrielle Abwärme oder Geothermie in die Netze einspeisen.

Gibt es Fortschritte bei der Modularität oder Standardisierung, um Großwärmepumpen schneller und einfacher in bestehende Infrastrukturen zu integrieren?

Ja, es gibt Fortschritte bei Modularität und Standardisierung von Großwärmepumpen, um deren Integration in bestehende Infrastrukturen zu erleichtern. Hersteller und Forschungsinstitute arbeiten daran, Großwärmepumpen als modulare Systeme zu entwickeln, die sich flexibel an unterschiedliche Anforderungen und räumliche Gegebenheiten anpassen lassen. Diese Module können je nach benötigter Leistung kombiniert oder erweitert werden, was die Planung und Installation beschleunigt. Auch bei der Standardisierung gibt es Entwicklungen: Schnittstellen für Steuerung, Hydraulik und Elektrik werden zunehmend vereinheitlicht, sodass Großwärmepumpen leichter in bestehende Fernwärmenetze oder industrielle Systeme eingebunden werden können.

Welche langfristigen Innovationen erwarten Sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren, die den Wärmepumpenmarkt grundlegend verändern könnten?

Parallel zur Weiterentwicklung der Wärmepumpen wird die Digitalisierung eine immer größere Rolle spielen: Intelligente Steuerungen, Sensorik und die Vernetzung von Wärmepumpen ermöglichen eine optimale Anpassung an den tatsächlichen Wärmebedarf. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, den Betrieb zu optimieren, Wartungsbedarf frühzeitig zu erkennen und die Integration in intelligente Stromnetze zu erleichtern. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende Sektorkopplung. Wärmepumpen werden künftig verstärkt als flexible Bausteine im Energiesystem genutzt, indem sie beispielsweise Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien aufnehmen und als thermische Speicher zur Netzstabilität beitragen.

Welche neuen Leistungsbereiche werden derzeit bei Großwärmepumpen entwickelt, um die Fernwärmeversorgung zu dekarbonisieren?

Ganz aktuell hat Buderus mit der Logatherm WLW376 eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entwickelt, die einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung im größeren Bereich leistet. Die Wärmepumpe erzeugt bei Bedarf Vorlauftemperaturen von bis zu 75 °C und ist damit eine optimale Lösung auch für den Bestand. Sie ist in sieben verschiedenen Leistungsgrößen von 30 bis 61 kW erhältlich. Darüber hinaus lassen sich in Kaskadenschaltung besonders große Anforderungen abdecken: Bis zu sechs Logatherm WLW376 bilden eine kompakte Kaskade mit bis zu 366 kW. Maximal ist sogar eine 16er-Kaskade möglich, um Energiebedarfe von bis zu 1 MW abzudecken.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen
Die Fragen stellte

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper