Das Abwasser der Kläranlage soll das Neubauten und Bestandsbauten umfassende Quartier mit klimaschonender Wärme versorgen: Eine geförderte Studie soll nun die Machbarkeit prüfen. (Symbolbild)

Das Abwasser der Kläranlage soll das Neubauten und Bestandsbauten umfassende Quartier mit klimaschonender Wärme versorgen: Eine geförderte Studie soll nun die Machbarkeit prüfen. (Symbolbild)

Bild: © Daniel Jędzura/AdobeStock

Von Jürgen Walk

Die Wärmepumpe liegt wieder voll im Trend – nicht nur als dezentrale Lösung für die Heizung einzelner Häuser und Wohnungen, sondern auch in größerem Maßstab: Projekte mit Großwärmepumpen schießen mittlerweile wie Pilze aus dem Boden. Ob in Triptis, Schwedt, Jena oder Nürnberg, ob mit Sonnenenergie oder der Wärme aus Abwasser: Viele Projekte werden gerade konkret oder stehen schon in den Startlöchern.

So soll die Stadt Triptis im thüringischen Saale-Orla-Kreis ein neues Fernwärmenetz erhalten. Es wird gemeinsam von der Grundstücks- und Wohnungsgesellschaft Pößneck/Triptis sowie TWS Thüringer Wärme Service errichtet. Bis 2027 sollen mehrere Wohnanlagen in Triptis mit insgesamt 800 Wohnungen angeschlossen werden. Die Lieferung der Wärme ist ab 2028 vorgesehen.

In Triptis sollen 800 Wohnungen ans das künftige Fernwärmenetz angeschlossen werden.Bild: © TEAG Thüringer Energie AG

Solarstrom oder Wärme aus Abwasser

Geplant ist ein hocheffiziente Großwärmepumpe, die großteils von regional erzeugtem Solarstrom angetrieben wird. Dafür werden mehr als 7 Millionen Euro investiert. Fossile Brennstoffe werden nur noch zur Deckung des absoluten Spitzenbedarfs benötigt; der Anteil des regenerativ erzeugten Stroms am Verbrauch der Großwärmepumpe soll bei mehr als  90 Prozent liegen.

Und eine Erweiterung ist durchaus möglich: Das neue Fernwärmenetz sei leistungsstark genug, um in Zukunft weitere Wohnanlagen und öffentliche Einrichtungen in Triptis mit nachhaltiger Wärme zu versorgen. So überlegt auch die Wohnungsgenossenschaft Pößneck, bei entsprechenden Rahmenbedingungen Teil dieses Projekts zu werden. 

Auch in Schwedt sind alle bereit für den Start: Dem Projekt zur Errichtung einer Großwärmepumpe steht nichts mehr im Wege. Dazu soll künftig die bislang ungenutzte Wärme aus dem gereinigten Abwasser nutzbar gemacht werden. Durch das gleichbleibende Temperaturniveau des Abwassers nach dem Klärprozess lässt sich mit der Wärmepumpe auf effiziente Weise Energie zurückgewinnen. 

Die geplante Anlage der Stadtwerke Schwedt sowie des Zweckverbands Ostuckermärkische Wasserversorgung und Abwasserbehandlung (Zowa) verfügt über eine Leistung von 1 Megawatt. Sie kann jährlich rund 8 Gigawattstunden Wärme erzeugen – genug, um bis zu 1000 Haushalte zu versorgen.

Die Raffinerie bleibt Wärmelieferant

Derzeit wird für die Fernwärme in Schwedt industrielle Abwärme vom Kraftwerk der PCK Raffinerie genutzt. Ziel des neuen Projekts sei aber nicht, die bestehende Fernwärmeversorgung durch das PCK zu ersetzen, sondern diese durch eine zusätzliche, umweltfreundliche Wärmequelle zu ergänzen, erläutert Reiner Buchholz von den Stadtwerken Schwedt als Leiter des Projektes.

Die Investitionssumme beläuft sich auf rund 3 Millionen Euro. Davon werden 1,1 Millionen Euro über das BEW-Förderprogramm des Bundes finanziert.  Der Projektabschluss wird für das Jahr 2028 erwartet. Die so erzeugte Wärme wird in das bestehende Fernwärmenetz der Stadtwerke Schwedt eingespeist, das über 90 Prozent der Haushalte im Kerngebiet versorgt.

Abwärmenutzung in Jena

Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgen auch die Stadtwerke Jena-Pößneck. Sie nenne ihr Projekt "Anika - Abwärmenutzung mittels integrierter Kläranlage". Dabei wollen sie die Abwärme des Abwassers der zentralen Kläranlage Jena-Zwätzen für die Unternehmen im Gewerbegebiet Jena-Nord nutzbar machen. Auch eine Erweiterung auf weitere Stadtteile ist – abhängig von der kommunalen Wärmeplanung – mittelfristig denkbar.

Ob und wie sich das Vorhaben umsetzen lässt, haben die Stadtwerke in einer Studie untersuchen lassen. Deren Fazit: Anika ist technisch, wirtschaftlich und rechtlich umsetzbar – und ein Anschluss für die Unternehmen vor Ort mit überschaubarem Aufwand verbunden. 

Das gereinigte und ganzjährig mindestens 12 Grad Celsius warme Abwasser der zentralen Kläranlage soll über Großwärmepumpen in nutzbare Heizenergie verwandelt werden. Ein ergänzender Wärmespeicher und eine Power-to-Heat-Anlage sorgen bei schwankendem Bedarf für Versorgungssicherheit. 

Das wirtschaftlich nutzbare Wärmepotenzial gibt die Studie mit rund 120 Gigawattstunden pro Jahr an – das entspricht dem durchschnittlichen Jahreswärmebedarf von etwa 10.000 Haushalten. Mit der Studie im Rücken bereiten die Stadtwerke die Entwurfs- und Genehmigungsplanung vor und führen Gespräche mit Unternehmen und Behörden. In den kommenden Monaten folgen Ausschreibung und Vergabe. Baustart soll im Jahr 2028 sein. Die Inbetriebnahme von Anika ist für 2030 geplant.

Großwärmepumpe in Nürnberger Klärwerk

Und schließlich kommen auch die Nürnberger mit ihrem Projekt einer Großwärmepumpe in einem Klärwerk voran: Ab Mitte 2028 soll die Anlage dem Klarwasser vor der Einleitung in die Pegnitz die Wärmeenergie entziehen und ins Fernwärmenetz einspeisen. Am Projekt arbeiten Stadtentwässerung Nürnberg, Umweltanalytik Nürnberg (SUN) und der Energieversorger N-Ergie gemeinsam.

Laut Planung hat die Anlage eine thermische Leistung von 15 bis 20 Megawatt (MW) bei einem Stromeinsatz von rund sieben MW. Hiermit lassen sich pro Jahr bis zu 150 Gigawattstunden Wärme in das Fernwärmenetz einspeisen. Die Großwärmepumpe kann künftig – abhängig von Betriebsstunden und Wärmenachfrage – durchschnittlich rund 5000 Haushalte mit Wärme versorgen.

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