Von Jürgen Walk
Die Erdgasnetze noch ein paar Jahre nutzen und danach mit Wasserstoff weiter betreiben: Der Einsatz von Wasserstoff zum Heizen von Gebäuden wird in Deutschland intensiv diskutiert. Doch was so einfach scheint, bleibt auch in Zukunft mit erheblichen Hürden verbunden. Eine Fraunhofer-Studie im Auftrag des Vereins Gaswende und von Greenpeace beleuchtet die Kosten einer Wasserstoffheizung aus der Perspektive der Endkunden. Sie wendet sich auch gegen "einige kommunale Akteure und Vertreter der Gaswirtschaft, die Wasserstoff als wichtige Option zur Erreichung der Wärmewende ansehen".
Zwar gilt grüner Wasserstoff grundsätzlich als CO₂-freier Energieträger und könnte fossile Brennstoffe ersetzen. Doch die praktische Umsetzung erfordert einen langen Vorlauf und hohe Investitionen. Entscheidend ist nicht nur die technische Machbarkeit, sondern vor allem die Frage, ob Heizen mit Wasserstoff für Haushalte wirtschaftlich ist.
Umstellung muss immer komplette Zonen umfassen
Ein flächendeckender Einsatz setzt voraus, dass bestehende Gasnetze in Umstellzonen auf reinen Wasserstoffbetrieb umgerüstet werden. Einzelne Gebäudeverbindungen können nicht isoliert versorgt werden, heißt es in der Studie. Dafür müssen alle Heizungen in einer Zone entweder neu installiert oder aufrüstbar für 100 Prozent Wasserstoff sein.
Die dafür nötigen H2-ready-Geräte sind am Markt aber bislang kaum verfügbar. Die angekündigten Umrüst-Bausätze werden frühestens ab 2026 erwartet. Zusätzlich müssen Gaszähler, Hausanschlüsse und gegebenenfalls Leitungen geprüft und angepasst werden, insbesondere in älteren Gebäuden.
Neben dem technischen Aufwand sind aber vor allem die wirtschaftlichen Perspektiven entscheidend. Aktuelle Prognosen – so heißt es in der Studie – beziffern die Wasserstoffbezugskosten für Haushalte im Jahr 2035 auf 21,4 bis 33,3 Cent pro Kilowattstunde ohne Steuern und Abgaben. Für 2045 sinkt die prognostizierte Bandbreite auf 16,3 bis 28,2 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Die Gaspreisbremse von 2022 sah eine Deckelung bei 12 Cent pro Kilowattstunde vor. Die hohen Kosten resultieren nicht allein aus der aufwendigen Erzeugung, sondern auch aus Transport, saisonaler Speicherung und der Verteilung über wenig ausgelastete Netze.
Die größten Preisanteile liegen in der Wasserstoffproduktion, doch auch Speicher- und Verteilnetzentgelte fallen stark ins Gewicht. Für Heizungen müssen rund 80 Prozent des Wasserstoffs saisonal gespeichert werden, was zusätzliche Kosten zwischen 2,7 und 7,1 Cent pro Kilowattstunde verursacht. Die Transportkosten im Fernleitungsnetz liegen bei etwa 2,9 Cent pro Kilowattstunde, während die Verteilnetze je nach Region zwischen 3,9 und 7,6 Cent pro Kilowattstunde erfordern.
Für Verbraucher und Verbraucherinnen bedeutet dies deutliche Mehrbelastungen, heißt es in der Studie. Ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt mit 16.800 Kilowattstunden Jahresverbrauch müsste 2035 mit Heizkosten von 3587 bis 5596 Euro rechnen – bislang liegen vergleichbare Erdgasrechnungen bei rund 2056 Euro. Zudem sind diese Werte ohne potenzielle Steuern oder Umlagen kalkuliert.
Fördermodelle wären notwendig, um Wasserstoffheizungen finanziell tragbar zu machen, doch die erforderlichen Subventionsvolumina liegen nach Berechnungen bei 9,4 bis 21,3 Milliarden Euro pro Jahr für 100 Terawattstunden Wasserstoff. Politische Bereitschaft für eine dauerhafte Unterstützung dieser Größenordnung sei derzeit aber nicht erkennbar.
Kostenrisiko ist nicht nur temporär hoch
Die Analyse zeigt auch, dass die hohen Kosten nicht nur ein temporäres Risiko darstellen. Selbst bei günstigeren Erzeugungskosten bleibe die Kombination aus Speicherung, Transport und begrenzter Netzauslastung ein Preistreiber. Langfristig wäre Wasserstoffheizen damit kontinuierlich teurer als Alternativen wie Wärmepumpen oder Fernwärme. Studien erwarten daher nur einen sehr geringen Anteil von Wasserstoff im Gebäudesektor bis 2045.
Für Eigentümer und Kommunen entstehe damit ein strategisches Risiko: Wer heute auf H2-ready-Heizungen setzt, könnte später gezwungen sein, erneut zu investieren, falls der Wasserstoffhochlauf ausbleibt oder die Preise für Haushalte nicht tragbar werden. Der Einsatz von Wasserstoff im Wärmesektor bleibt damit eine technisch denkbare, aus heutiger Sicht jedoch wirtschaftlich hochriskante Option.
Der Link zur Studie



