Die Musterverträge der KEA-BW sollen dazu beitragen, dass künftig mehr Abwärmelieferverträge zwischen Unternehmen und Wärmenetzbetreibern abgeschlossen werden.

Die Musterverträge der KEA-BW sollen dazu beitragen, dass künftig mehr Abwärmelieferverträge zwischen Unternehmen und Wärmenetzbetreibern abgeschlossen werden.

Bild: © Adobe Stock

"Wir wollen mit den Musterverträgen und unserem Beratungsangebot ‚Abwärme für Wärmenetze‘ dazu beitragen, dass künftig mehr Abwärmelieferverträge zwischen Unternehmen und Wärmenetzbetreibern abgeschlossen werden", erklärte Max Peters, Leiter des Kompetenzzentrums Wärmewende der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW). "Davon profitieren sowohl die Unternehmen als auch die Kommunen. Und die Wärmewende sowieso."

In zahlreichen Produktionsprozessen von Gewerbe und Industrie fällt Abwärme an. In Baden-Württemberg ist die Menge aufgrund der starken Industrie besonders groß. Das theoretische Potenzial der industriellen Abwärme liegt im Land bei rund 5,4 bis 9,3 Terawattstunden pro Jahr. Dies zeigt eine Studie zur Abwärmenutzung in Unternehmen im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg.

Rund zehn Prozent der Haushalte könnten mit Abwärme versorgt werden

Der gesamte Wohngebäudebestand benötigt 70 Terawattstunden. Rund zehn Prozent der 5,3 Millionen Haushalte in Baden-Württemberg könnten also theoretisch klimaschonend mit Raumwärme und Warmwasser aus Abwärme versorgt werden. Doch oft entweicht die Abwärme aus industriellen Prozessen in die Umgebung. Dabei wird die Energie zum Ersatz fossiler Energieträger etwa in Gebäuden dringend benötigt. Der Gebäudesektor wird immer noch zu rund 75 Prozent mit Öl und Erdgas beheizt

Beide Seiten, die Abwärme liefernden Unternehmen und die Abnehmer, etwa Stadtwerke oder Energiedienstleister, können von einer Zusammenarbeit profitieren: Für die Stadtwerke fallen keine zusätzlichen (CO2-)Emissionen sowie nur ein geringer Verbrauch an Ressourcen und Flächen an. Durch die Erweiterung seines Angebots um CO2-freie oder -arme Abwärme kann das Unternehmen sein Image verbessern. Außerdem können die Partner Kühlkosten für das Unternehmen einsparen. Denn in vielen Fällen muss die anfallende Abwärme aktiv weggekühlt werden, eine Abwärmenutzung kann dies zumindest zum Teil unnötig machen. Darüber hinaus besteht in manchen Fällen sogar die Möglichkeit für Unternehmen, sich mit einem Wärmeverkauf eine neue Einnahmequelle zu erschließen – abhängig von Qualität und Verfügbarkeit der Abwärme.

Im badischen Kehl funktioniert es

Die Badischen Stahlwerke in Kehl machen gerade vor, wie zwei Seiten von der Abwärmenutzung profitieren können: Die Wärme, die das Unternehmen in dem Stahlwerk am Rhein erzeugt, soll ab 2026 nicht nur der Stahlproduktion dienen, sondern auch grenzüberschreitend in die Fernwärmenetze von Straßburg eingespeist werden. Die Wärmetrasse über den Rhein wird rund 4,5 Kilometer lang sein. Auch Kehl selbst bekommt Wärme geliefert.

In der ersten Ausbaustufe können bis zu 80 Gigawattstunden Wärme bereitgestellt werden – genug, um rund 7.000 Haushalte zu versorgen. Etwa 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr werden dadurch vermieden. Die Idee für das Projekt kam vom Umweltministerium Baden-Württemberg. Es hatte das Vorhaben gemeinsam mit der KEA-BW und den Partnern vor Ort vorangetrieben.

Hürde für weitere Projekte senken

Doch nicht alle Projekte sind so erfolgreich wie das in Kehl. Immer wieder kommen Vorhaben nicht zur Umsetzung, da die Abstimmung zwischen Lieferant und Abnehmer nicht funktioniert. Diese stellt oftmals ein Hemmnis für beide Parteien dar. Helfen sollen hier nun von der Landesenergieagentur erstellte Musterverträge für die Erschließung von Abwärme aus Gewerbe- und Industriebetrieben in Wärmenetzen. (hcn)

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