Von Daniel Zugehör
Durch zunehmende Anforderungen an den Klimaschutz und steigende Energiekosten rückt das serielle Sanieren verstärkt in den Fokus der Wohnungswirtschaft. Der Markt ist zuletzt massiv gewachsen: Lag der Anteil serieller Sanierungen im Jahr 2022 bei nur zwei Prozent, sind es laut Deutscher Energieagentur (Dena) inzwischen rund 23 Prozent.
Als Grund für die Entwicklung nennt der bundeseigene Thinktank den 2021 eingeführten Bonus "Serielles Sanieren" im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) in Höhe von 15 Prozent der Kosten. Seitdem habe dieser ein Bauvolumen von rund zwei Milliarden Euro ausgelöst. Das Potenzial bis 2045 liege sogar bei 500 Milliarden Euro – vor allem für Gebäude aus den 1950er- bis 1970er-Jahren.
Fabian Viehrig, Leiter Bauen und Technik beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW, sieht in der seriellen Sanierung großes Potenzial für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Der GdW verwaltet nach eigenen Angaben sechs Millionen Wohnungen, das entspreche rund 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland.
"Die neuen Fenster kommen mit der Fassade"
"Generell stellt das Sanieren von Gebäuden für Immobilieneigentümer, aber auch für die Mieter eine große Herausforderung dar", sagt Viehrig auf Nachfrage. Das serielle Sanieren oder das Sanieren mit vorgefertigten Großelementen sei schnell und verringere zumindest teilweise die Eingriffstiefe. "Die neuen Fenster kommen mit der Fassade und die alten werden erst ausgebaut, wenn die neue Fassade hängt."
Das Problem: Noch sei das serielle Sanieren nicht günstiger als herkömmliche Verfahren – im Gegenteil. Vor allem ohne Fördermittel sei es schlichtweg zu kostspielig, betont Viehrig weiter. Dazu kommt: Die Inanspruchnahme der Förderung, die nur für Effizienzhäuser (EH) der Energiestandards 40 und 55 möglich sei, "macht das neue Verfahren des seriellen Sanierens wiederum unnötig teuer". Dennoch würden viele Unternehmen den Ansatz als vielversprechend bewerten und zum Teil ausprobieren. Weil die Voraussetzungen jedoch unterschiedlich seien, lasse sich diese Art der Sanierung noch nicht flächendenkend darstellen, so seine Einschätzung.
Trend hin zu größeren Vorhaben
Aus Sicht von Christian Stolte, Bereichsleiter Klimaneutrale Gebäude bei der Dena, schließt der Bonus "die anfängliche, innovationstypische Wirtschaftlichkeitslücke" und beschleunige so den Markthochlauf. Dabei gehe der Trend weg von der Sanierung einzelner Gebäuden hin zu größeren Vorhaben und ganzen Quartieren.
Das wirke wie ein "Innovationsmotor", betont der Dena-Experte. Bereits jetzt ließen sich serielle Fassadensanierungen auf der Baustelle fünf- bis zehnmal schneller als konventionelle umsetzen. "Gleichzeitig zeigen sich durch die höheren Stückzahlen erste Skaleneffekte, so dass die Kosten schrittweise sinken können."
Gemäß aktueller Zahlen würden besonders Wohnungsunternehmen die Entwicklung vorantreiben, schreibt der Thinktank. Doch auch bei Ein- und Zweifamilienhäusern wachse der Anteil, während erste Pilotprojekte für Nichtwohngebäude anliefen. Die meisten Anträge auf eine entsprechende Förderung kamen zuletzt aus Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Vertrauen wächst mit Erfahrung
Dass die Technologie trotz der genannten Herausforderungen häufiger zum Einsatz kommt, bestätigt der GdW. "Erst vor wenigen Jahren startete das serielle Sanieren bei null – heute beobachten wir ein leichtes Wachstum", so Viehrig weiter. Die Angebote am Markt hätten sich verbessert, die Preise seien leicht gesunken, und mit zunehmender Erfahrung der Unternehmen wachse auch das Vertrauen in die bauliche Umsetzung.
Ein entscheidender Faktor für den weiteren Erfolg bleibt die Förderpolitik. "Mit Blick auf den Praxispfad für eine CO₂-Reduktion im Gebäudesektor benötigen wir ein Produkt, welches ungefähr einen EH-85-Standard erreicht, bei deutlich niedrigeren Kosten beziehungsweise Preisen."
Kritik am Förderdesign
Ein solches Niveau sei für eine flächendeckende CO₂-Reduktion ausreichend und wirtschaftlich tragfähig. "Leider wurden die Weichen in der Vergangenheit schlecht gestellt. Nicht zuletzt durch das Förderdesign sind zum Beispiel auch die Wärmepumpen heute so teuer", kritisiert Viehrig. Er fordert daher eine breite Förderung statt eines "High-Level-Leuchtturmansatzes" zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors.
Diesen Artikel finden Sie in einer gekürzten Version auch in der jetzt erscheinenden Juni-Ausgabe (E-Paper & Print).



