"Das Solarkraftwerk hat unsere Erwartungen übertroffen und integriert sich ausgezeichnet in unser Wärmenetz. Wir freuen uns, damit auch Mieterinnen und Mieter mit bezahlbarer und klimafreundlicher Sonnenenergie versorgen zu können“, erklärte Eckhard Veil, Geschäftsführer von der Energie und Wasser Potsdam (EWP) am Donnerstag. "Wir werden Solarwärme, Solarstrom und andere erneuerbare Energien künftig verstärkt für die Wärme- und Stromversorgung nutzen", sagte er.
Seit Dezember 2019 betreiben die EWP auf dem Gelände eines ehemaligen, kohlegestützten Heizkraftwerks eine der größten Solarthermieanlagen Deutschlands. Die Bruttokollektorfläche der 1.044 Vakuumröhren beträgt 5.157 Quadratmeter. Damit liegt die Leistung der Anlage bei 3,1 Megawatt, jährlich werden circa 2,3 Gigawattstunden Wärme erzeugt und ins städtische Netz eingespeist.
1,5 Prozent des Potsdamer Fernwärmebedarfs solarthermisch gedeckt
Bundesweit liegen die Erzeugungskosten von solarthermischen Kraftwerken bei rund fünf Eurocent/kWh, eine spezifisch örtliche Angabe wurde nicht gemacht. 488 Tonnen spart die solarthermische Großanlage am Potsdamer Stadtrand jährlich an CO2 ein. Allerdings deckt sie im Jahresschnitt nur 1,5 Prozent des Fernwärmebedarfs der rund 180.000 Einwohner zählenden Kommune. Die EWP betreiben ein Wärmenetz mit rund 200 Kilometer, rund 65 Prozent der Einwohner Potsdams sind angeschlossen.
Eine Hürde für den geplanten weiteren Ausbau der Solarthermie für die Nahwärmeversorgung sind geeignete Flächen, betonte Veil. Entsprechende Freiflächen, die für einen Netzanschluss geeignet sind, seien rar und Dachflächenanlagen seien nicht so einfach in der nötigen Größe zu realisieren. Vor allem auf Bestandsgebäuden stellten sich hier u.a. statische Probleme.
Wichtige Stütze weiterhin KWK-Anlagen - mit grünem Gas
Ein hohes Potenzial für eine dekarbonisierte Nahwärmeversorgung in Potsdam sieht Veil auch in der Geothermie sowie in der thermischen Nutzung der Umweltwärme von Wasser. Allerdings sind bisher keine Anlagen realisiert. Im Bereich Biomasse bestehe kein wesentliches zusätzliches Nutzungspotenzial, sagte René Elgert, Projektleiter der Stadtwerke Potsdam, im Gespräch mit der ZfK. Auch sieht er die netzgebundene Wärmeerzeugung via Photovoltaik (Power2Heat) u.a. aus Kostengründen eher kritisch.
Jedenfalls brach Veil bei dem Pressetermin eine Lanze für die Notwendigkeit weiterer KWK-Anlagen, die jedoch künftig mit grünen Gasen betrieben werden müssten. Derzeit liefen in Potsdam Vorplanungen für den Ersatz eines GuD-Kraftwerks aus dem Jahr 1994 durch eine entsprechende fossilfreie KWK-Anlage. Ein kohlebefeuertes Heizkraftwerk, das seit Mitte der 1990er Jahre in Reserve steht, wird derzeit vollends abgerissen.
Schutzschirm für Stadtwerke - Lockerungen im BauGB
Jedoch seien nötige Investitionen – verschärft durch die aktuelle Gaskrise sowie verschärfte Klimaziele – nicht einfach zu stemmen, betonte Veil. Auch der Potsdamer Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) betonte die prekäre finanzielle Situation der Stadtwerke und mahnte einen Schutzschirm an.
Eine Privilegerung des Baus - auch von solarthermischen Freiflächenanlagen - in der anstehenden Novelle §35 Baugesetzbuch (BauGB), kündigte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SDP) an. Dies hatte zuvor Moritz Ritter, zweiter Vorsitzender des Bundesverband Solarwirtschaft (BSW), gefordert. Die Ritter Energie- und Umwelttechnik ist auch Lieferant und Errichter des Solarwärmekraftwerks in Potsdam. (hcn)



