Das Heizen könnte teurer werden – sollte die Politik nicht gegensteuern.

Das Heizen könnte teurer werden – sollte die Politik nicht gegensteuern.

Bild: © Adobe Stock/Xaver Klaussner

Von Daniel Zugehör

Für die Mehrheit der Stadtwerke ist eine bezahlbare Wärmeversorgung in Deutschland langfristig nicht gesichert. Zumindest nicht unter den aktuellen Bedingungen, geht aus einer Branchenumfrage des VKU hervor. Auf die Frage antworteten 51 Prozent der Stadtwerke und kommunalen Energieversorger mit "nein". Rund ein Drittel (31 %) gaben an, dass Wärme auch in Zukunft bezahlbar bleibt, während 18 Prozent keine Angabe machten ("weiß nicht").

Aus Verbandssicht ein Weckruf: "Die Wärmepläne, mit denen Kommunen den Weg zum klimaneutralen Heizen skizzieren, nehmen Form an", erklärt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing in einer Mitteilung. "Wenn nun die Mehrheit der Stadtwerke zweifelt, dass Heizen für Bürger und Wirtschaft langfristig bezahlbar ist, ist das eine Warnung an Berlin." Die Politik müsse jetzt handeln, "damit Wärme nicht nur klimaneutral wird, sondern sicher und bezahlbar für alle bleibt", appelliert Liebing.

Nächste GEG-Debatte

Um das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das sogenannte Heizungsgesetz, ist eine neue Debatte in der Regierungskoalition aus Union und SPD entbrannt. Im Kern dreht sich die Diskussion um das liebe Geld, also etwa staatliche Zuschüsse für klimafreundliche Heizungen. Während CDU und CSU das Gesetz "in der jetzigen Form" abschaffen möchten, wie etwa CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann in der "F.A.Z." sagte, hält die SPD daran fest. Das GEG werde "im Grundsatz so bleiben", unterstrich der sozialdemokratische Bundesumweltminister Carsten Schneider kürzlich in der ARD.

Ein Vorschlag des Bundeswirtschaftsministeriums liegt offenbar vor, allerdings ist dieser noch nicht mit den anderen Ressorts abgestimmt – das heißt, es existiert noch kein Referentenentwurf zum neuen GEG. Auch im Kabinett wird das Gesetz absehbar nicht diskutiert werden. Auf den Tagesordnungen bis einschließlich zum 17. Dezember ist der Punkt nicht aufgeführt. Dass eine Reform noch dieses Jahr verabschiedet werden könnte, ist also unwahrscheinlich.

3,5 Milliarden Euro für Wärmenetze

Welche Lösungen die Branche selbst sieht, damit Heizen bezahlbar bleibt, zeigt die VKU-Umfrage: Mit 72 Prozent wird als größter Hebel hier eine Ausweitung der Förderkulisse genannt. Für Fernwärme, Gebäudehülle und Co. sollte demnach künftig mehr statt weniger Geld bereitstehen. Der Verband schlägt allein für die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) vor, die Fördermittel "auf mindestens 3,5 Milliarden Euro pro Jahr" anzuheben.

Direkt dahinter folgt das Thema Kosteneffizienz (68 %). Als Beispiel nennt der VKU, dass keine Wärmepumpen in Gebieten gefördert werden sollten, für die Fernwärme vorgesehen ist. Über 50 Prozent erzielten noch zwei weitere Forderungen: So sollte die Stromsteuer auf das europarechtliche Minimum sinken (58 %). Außerdem sollten die Netzentgelte für Strom und Gas reformiert werden, Stichworte verursachergerechte Stromnetzentgelte oder Kompensationskonto für Gas (57 %). Mehrfachnennungen waren möglich.

Darüber hinaus erzielten alternative Finanzierungsformen wie ein vom Verband vorgeschlagener "Energiewendefonds" 46 Prozent. Zustimmung in der gleichen Höhe kam auch dafür, das auslaufende Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz zu verlängern und zu reformieren. Noch 19 Prozent entfielen auf den Vorschlag, den geplanten Bundeszuschuss zu den Netzentgelten je zur Hälfte zwischen Übertragungsnetzen und netzbezogenen Umlagen der Verteilnetze aufzuteilen. Und 18 Prozent entfielen schließlich auf "kluge Kompromisse im Mietrecht", etwa Mieterhöhungen auch bei Fernwärme und Contracting auf 50 Cent pro Quadratmeter zu deckeln.

Neue Projekte gefährdet

Der VKU warnt vor einem Abriss der Wärmewende: "Wenn jetzt nicht die Grundlagen gelegt werden, sehen wir vermutlich in dieser Legislaturperiode keinen einzigen neuen zusätzlichen Projektstart mehr." Der Bundestag müsse mit dem Haushalt 2026 erste Weichen stellen, damit Heizen auch künftig für alle bezahlbar bleibt. "Jeder Fördereuro hilft, Meter zu machen und die Kosten für alle zu senken." Zusätzlich sollte die Basis für den Energiewendefonds sowie weitere Finanzierungsinstrumente der KfW gelegt werden, fordert der Verband.

Die jetzt veröffentlichten Umfrageergebnisse sind Teil einer Branchenumfrage des Verbands unter 609 Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern. 164 von ihnen haben demnach geantwortet. Die entspreche einer guten Rücklaufquote von 26,9 Prozent. Erste Ergebnisse daraus präsentierte der VKU zum Stadtwerkekongress am 30. September und 1. Oktober 2025 in Mainz.

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