Der Umstieg auf Erneuerbare für die Wärmeversorgung und der Ausbau von Fernwärmenetzen geht nur stockend voran – und das, obwohl der vorzeitige Ausstieg aus der Kohleversorgung und die Gaskrise den Druck auf alle Beteiligten erhöht. Ariadne-Forscher vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart zeigen in einer neuen Analyse auf, wie die Transformation und der Ausbau der Fernwärme dennoch weiter vorangebracht werden können.
Ein zentrales Problem aus Sicht der Studien-Autoren ist der notwendige Ersatz von Kohle-KWK durch andere Energiequellen. Durch den Ukraine-Krieg sowie die Einstellung der Erdgaslieferungen aus Russland und die daraus resultierenden erhöhten Erdgaspreise stehe die Option, auf Gas-KWK auszuweichen, nun in Frage. Sollte in den kommenden Jahren nicht ausreichend Ersatzkapazität für die ausscheidenden Kohle-KWK-Anlagen zugebaut werden, bestehe die Gefahr, dass der Umbau und Ausbau der Fernwärme stockt, warnen die Ariadne-Forscher.
Energiekrise als Katalysator
Von entscheidender Bedeutung ist laut der Analyse ein beschleunigter Umbau der Fernwärmenetze zu Niedertemperaturnetzen, der zum Erreichen vollständiger klimaneutraler Fernwärme ohnehin immens wichtig sei. Die aktuelle Situation und das Wegfallen der Übergangslösung Gas könnten hier sogar zu einem Katalysator werden, so die Wissenschaftler. Allerdings sei dieser Umbau kostspielig und müsse durch Förderung sowie passende politische Rahmenbedingungen realisiert werden – und zwar schneller als gedacht.
Die Experten schlagen vor, die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) mit der kommunalen Wärmeplanung und ordnungsrechtliche Optionen zu verzahnen – wie zum Beispiel die Anpassung von CO2-Grenzwerten für die Wärmeversorgung und Abgabenbefreiung des Wärmepumpenstroms. Dazu kommen technische Maßnahmen wie eine fortschreitende Digitalisierung der Fernwärmenetze oder ein hydraulischer Abgleich der Hausanschlussstationen, welche die Effizienz bestehender Strukturen stärken können.
Kosten für die Umstellung senken
In den Blick nehmen die Studienautoren auch die enormen Kosten, die beim Umbau der Wärmenetze anfallen. Eine kluge, koordinierte Herangehensweise könnte die Kosten der Umstellung auf Niedertemperaturnetze von ca. 10 Mrd. Euro reduzieren bzw. die Kosten des Ausbaus der Fernwärme von ca. 32 Mrd. Euro um bis zu 30 Prozent verringern, heißt es aus Stuttgart.
Das Ausmaß und die Dauer der Gaskrise seien noch nicht abschließend abzusehen, machen die Wissenschaftler klar. Sollten sich die bisherigen Transformationsszenarien unter den neuen Rahmenbedingungen als unrealistisch erweisen, müsste geprüft werden, ob sich die Wärmewende dadurch insbesondere in urbanen Zentren verzögert.
Detaillierte Analysen folgen
Die in der Studie empfohlene Festlegung des kommunalen Wärmeplans auf Fokusgebiete trage dazu bei, dass die Transformation des Wärmemarktes schneller und effizienter vorankommt. Im Rahmen des Ariadne-Projekts soll bald eine detaillierte Analyse der Transformation der Wärmenetze, inklusive Potential und Kostenabschätzungen erscheinen, kündigen die Wissenschaftler an. (amo)



