Nicht nur wegen des kühleren Wetters haben die Heizkosten in Deutschland im Abrechnungsjahr 2019 angezogen.

Nicht nur wegen des kühleren Wetters haben die Heizkosten in Deutschland im Abrechnungsjahr 2019 angezogen.

Bild: © Sina Schuldt/dpa

Eine im Auftrag des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) von Frontier Economics durchgeführte Studie belegt, dass die Nutzung von Wasserstoff insbesondere im Wärmesektor entscheidend dazu beitragen kann, CO2 zu reduzieren. „Auch im Wärmemarkt sind neben sogenannten ‘grünen Elektronen’ die ‘grünen Moleküle’ zwingend erforderlich, um die anstehenden Klimaschutzziele realistisch und zu vertretbaren Kosten zu erreichen“, erläutert Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW, in einer Presseaussendung.

Vergleich der Vermeidungskosten

Die Studie vergleicht die sogenannten CO2-Vermeidungskosten in den Bereichen Verkehr, Wärme und Industrie – also die Kosten, die jeweils für die Vermeidung einer Tonne CO2 anfallen. Die Berechnungen zeigen: Würde die in der Nationalen Wasserstoffstrategie vorgesehen Menge von Wasserstoff (14 Terawattstunden bis 2030) ausschließlich in einem Sektor zum Einsatz kommen, lägen die CO2-Vermeidungskosten zwischen 0,4 Milliarden Euro (Fallbeispiel Ammoniakerzeugung) und 4,9 Mrd. Euro (Fallbeispiel Verkehr). Der Wärmesektor befindet sich im mittleren Bereich, vergleichbar mit der Stahlproduktion, und bietet laut der Analyse somit reelle Chancen für einen kosteneffizienten Klimaschutz.  Durch perspektivisch sinkende Wasserstoffpreise können die Vermeidungskosten im Wärmesektor zudem schnell sinken, so die Verfasser. 

Insbesondere im Hinblick auf die saisonal bedingten Schwankungen des Energiebedarfs können Wasserstofftechnologien demnach entscheidend zur Wärmewende beitragen. Denn setzt man nur auf strombasierte Lösungen, wie Wärmepumpen, werde es zu einer Überlastung des Stromsystems kommen. Über das Jahr gesehen, sei die Wärmepumpe zwar insgesamt effizienter, verursache aber deutlich höhere Gesamtsystemkosten.

Niederigere Kosten durch Wasserstoff

Denn eine signifikante Elektrifizierung des Wärmesektors würde schon im Jahr 2030 zu einem zusätzlichen Bedarf an gesicherter Leistung im Umfang von 7 bis 40 Gigawatt (GW) führen. Unter Berücksichtigung des Kohleausstiegs müssten zusätzliche Back-up-Kapazitäten von 25 bis 58 Gigawatt (GW) aufgebaut und die Kosten verursachergerecht umgelegt werden. DVGW-Chef Linke: „Der gleiche Klimaschutz zu niedrigeren Kosten wäre mit der direkten Nutzung von Wasserstoff erreichbar. Deshalb muss klar sein: Wasserstoff darf nicht vom Wärmesektor ausgeschlossen werden.“

Ziel der Studie war es laut Linke, die mögliche Rolle von erneuerbarem, grünem Wasserstoff im Wärmesektor vor dem Hintergrund einer nicht hinreichenden Berücksichtigung des Potenzials grüner Gase – und insbesondere von Wasserstoff im Wärmesektor – in der politischen Debatte zu untersuchen. Dies sei notwendig, da das Potenzial grüner Gase sektorenübergreifend dazu beitragen werde, globale Treibhausgasemissionen, wie im internationalen Klimaabkommen von Paris vereinbart, zu senken. (amo)

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