"Kleckern reicht eigentlich nicht mehr aus, um die Wärmewende und zunehmend erneuerbar gespeiste Wärmenetze voranzubringen", sagte Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen am Montagabend in Berlin. Doch den Königsweg dorthin konnte sie wie auch Vertreter anderer Bundestagsfraktionen bei einer Podiumsdiskussion nicht aufzeigen.
Den Ball, den ihnen VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche und Norman Gerhardt vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE zuspielten, nämlich Kunden, durch eine sektorengreifende CO2-Preisreform sowie eine Reform der Umlagen, von zu hohen Strompreisen zu entlasten und damit Flexibilisierung und Sektorenkopplung zu fördern, griffen die Parlamentarier nicht auf.
Hohe Strompreise behindern Großwärmepumpen
Die zu hohen Strompreise behindern beispielsweise den Einsatz von Großwärmepumpen, die laut Einschätzung eines aktuellen Gutachtens des Fraunhofer IEE eine zentrale Rolle beim klimapolitisch sinnvollen Ausbau zunehmend erneuerbar gespeister Wärmenetze spielen. Nötig sind 85.000 km neue Wärmenetze und 5,7 Mio. Hausanschlüsse, um bis in 12 Jahren den Anteil der Wärmenetze am Endenergieverbrauch im Bereich der Gebäudewärme von derzeit 11 Prozent auf 36,5 Prozent zu erhöhen.
"Wir bekommen im Moment eine Vielzahl von Debattenbeiträgen, inwieweit eine CO2-Bepreisung einen Beitrag für die Wärmewende leisten kann, wofür ich dankbar bin", sagte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Andreas Feicht. Man werde nun in einem nächsten Schritt prüfen, welche Maßnahmen am besten dabei helfen würden, eine Lenkungswirkung pro mehr Klimaschutz zu entfalten. "Unsere Aufgabe ist es, hierfür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen", sagte Feicht. In puncto Technologien glaubt er, dass Hybridlösungen hierbei eine zentrale Rolle spielen, wie beispielsweise Solarthermie plus Gas.
Wärmenetze und KWK flexibilisieren
Wärmenetze spielten vor allem in dichtbesiedelten Räumen eine wichtige Rolle, doch sollten diese sehr flexibel sein und durch verschiedene Wärmequellen, beispielsweise auch durch die oftmals nicht genutzte Abwärme, gespeist werden, so Feicht. Auch die Digitalisierung biete viele Möglichkeiten, beispielsweise mittels Funktechnik, die Netze noch effizienter zu machen und Wärmeverluste zu vermeiden. Um die Wärmenetzinfrastruktur zu stärken, bereite man ein Basisförderprogramm vor, zu dessen Ausgestaltung die Branchenakteure einbezogen werden sollten, so Feicht.
"Die Kraft-Wärme-Kopplung und deren Weiterentwicklung spielt bei unseren Überlegungen auch eine tragende Rolle", sagte Feicht. Doch müsse sie modularer und flexibler werden. Die großen erdgas-geführten Anlagen seien ein Stück weit von gestern, dies sehe man auch international, so Feicht.
Feicht: Kompromisslösung bei Carnot-Methode
Zu der vom VKU kritisierten Änderung der Berechnungsmethode der Primärenergiefaktoren bei durch KWK gestützten Wärmenetzen, der sogenannten Carnot-Methode, signalisierte der Staatssekretär seine Präferenz für eine Kompromisslösung. "Wir wollen ja auch Anreize geben, dass Fernwärme in puncto ihres Beitrags zur Dekarbonisierung noch besser wird, deshalb glaube ich, dass wir uns hier irgendwo in der Mitte treffen", so Feicht. (hcn)



