Die Finanzierung der Wärmewende steht auf wackligen Füßen. Investoren und Stadtwerke müssen sich bei dem Thema erst noch annähern. So lautete der Tenor einer Diskussionsrunde im Rahmen der "Klimakonferenz" der Kanzlei BBH am 17. September.
Die nötigen Geldgeber für die oft kostenintensiven Projekte wie den Fernwärmeausbau zu gewinnen, werde "kein Selbstläufer" sein, sagte etwa Tobias Brosze, Geschäftsführer des auf Infrastruktur spezialisierten Investors Palladio Kommunal und bis März dieses Jahres Vorstand der Mainzer Stadtwerke.
Wärmewende noch nicht finanziert
"Am Ende wird es auch darum gehen, die Finanzbranche für die Stadtwerke zu gewinnen", betont Brosze. Aber: Bei einer Rendite von sechs Prozent für Stromnetzen "wird man die großen Investoren nicht sofort bekommen". In Frankreich beispielsweise sei die Rendite höher.
Mit seiner Einschätzung ist der Palladio-Chef nicht alleine. Stefan Tessin, Senior Banker Öffentliche Kunden Deutschland bei der Unicredit Bank, sieht "dunkle Wolken" heraufziehen. Denn die mit der Wärmewende aufkommenden "riesigen Themen" seien mehrheitlich noch gar nicht finanziert, warnt Tessin.
Transparenz als Schlüssel
Als entscheidenden Punkt für Kreditinstitute, Stadtwerke mit Fremdkapital auszustatten, nennt er vor allem "Informationen". "Wir brauchen mehr Transparenz darüber, was finanziert werden soll". Die Zeiten der vergleichsweise knapp gehaltenen Ausschreibungen sei vorüber. Sowohl "Stadtwerke als auch wir müssen ein bisschen umparken im Kopf", ist der Banker überzeugt.
Auch Götz Brühl, Vorstandsmitglied der Interessenvertretung für die Netzwirtschaft Geode Deutschland und Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim, beunruhigt die Finanzierungsfrage. Er prognostiziert: "Energie wird teurer."
25 Cent pro kWh
Anders als in Neubaugebieten werde die Transformation insbesondere in Bestandsgebäuden nicht einfach, so Brühl. Ein neues grünes Fernwärmenetz könne Preise von 25 Cent pro Kilowattstunde (kWh) mit sich bringen. Verkauft werden könne jedoch lediglich bis 20 Cent/kWh – Mehrwertsteuer inklusive.
Er fordert daher, die Finanzierung auf "gesamtgesellschaftliche" Füße zu stellen. "Da gibt es verschiedene Wege". Andernfalls werde die Wärmewende ausgebremst. Von Verboten bestimmter Technologien hält er dagegen nichts. "Wir müssen eine Situation schaffen, in der die Alternative besser ist."
Studie: Fünf Milliarden Euro jährlich
Der Thinktank Agora Energiewende geht in einer am 18. September veröffentlichten Studie zum Thema davon aus, dass sich die insgesamt notwendigen Investitionen in die Wärmenetze schon ab diesem Jahr auf fünf Milliarden Euro verdoppeln werden.
Dafür könnten bis zum Jahr 2045 ein Drittel aller Wohnungen in Deutschland mit Fernwärme versorgt werden. Allerdings seien diese Investitionen für Fernwärmeversorger "aktuell betriebswirtschaftlich häufig nicht leistbar", lautet ein Fazit der beauftragten Studienautoren, das Beratungsunternehmen Prognos.
Schwieriger Business Case
Um einen wirtschaftlichen Rahmen zu ermöglichen und zugleich den Preisanstieg für Endkundinnen und -kunden zu dämpfen, seien unter anderem niedrigere Stromkosten und stetigere Fördermittel vonnöten. Die rund 80-seitige Studie "Wärmenetze: klimaneutral, wirtschaftlich und bezahlbar – Wie kann ein zukunftssicherer Business Case aussehen?" ist online als PDF verfügbar.
Dass es noch viele Baustellen gibt, wurde bereits zum Auftakt der BBH-Veranstaltung deutlich. Zwar gebe es einige innovative Wärmelösungen mit Potenzial, sagte etwa der Gasag-Vorstandsvorsitzende Georg Friedrichs. "Aber als Business Case ist das schwierig." (dz)
