Klar wurde bei der Diskussionsrunde, dass es die "One Size Fits All" Lösung nicht geben wird, wie Uwe Lauber, Chef von MAN Energy Solutions, unterstrich. So böten zwar Großwärmepumpen ein enormes Potenzial für eine dekarbonisierte Fernwärmeversorgung, wie könnten jedoch nicht überall zum Einsatz kommen.
Auf einen Mix von Maßnahmen setzt das kommunale Unternehmen Wien Energie, das als einer der europaweiten Vorreiter bei der Wärmewende gilt. Bereits vor fünf Jahren wurde gemeinsam mit der Stadt ein Plan zur Dekarbonisierung des bereits gut ausgebauten Wärmenetzes aufgestellt, der nun schrittweise umgesetzt wird, wie Geschäftsführer Karl Gruber erläuterte.
110 MW Großwärmepumpe - 15 Prozent Wasserstoffbeimischung für Gasturbine
Derzeit wird eine zweite 110 Megawatt starke Großwärmepumpe, welche die Abwärme der städtischen Kläranlage für Fernwärmenetz nutzt, realisiert. Im Endausbau werden hiermit bis zu 150.000 bis 180.000 Haushalt mit Wärme versorgt. Als nächster Schritt wird nun das Geothermiepotenzial erschlossen mit dem Ziel Wasserwärmespeicher auch saisonal zu nutzen.
Ein weiterer zentraler Baustein, ist die Umstellung der KWK-Gaskraftwerke auf grünen Wasserstoff. Derzeit wird gemeinsam mit Partnern wie Siemens Energy eine große Gasturbine im Kraftwerk Donaustadt auf eine Beimischung von derzeit fünf auf 15 Prozent Wasserstoff hochgerüstet. „Doch soviel grünen Wasserstoff bekomme ich momentan gar nicht“, räumte Gruber ein, und meldete schon mal seinen Bedarf bei der angekündigten Wasserstoff-Lieferung aus der Ukraine an.
Nötiger politischer Gesprächsbedarf für Ausstiegsszenario für Gasverteilnetze
Zusätzlicher Handlungsdruck ergäbe sich durch die besonders starken Auswirkungen des Klimawandels in der Alpenrepublik, was auch jüngst zu einer Verschärfung der Klimaschutzziele für Wien geführt habe (80-prozentige Dekarbonsierung bis 2040). Unabdingbar sei bei allen Maßnahmen zur Wärmewende, darunter der nötigen Forcierung der energetischen Gebäudesanierung, eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt sowie der Politik, betonte Gruber.
Ganz besonders gelte der Gesprächsbedarf mit der Politik für die Zukunft der Gasverteilnetze, so der Chef von Wien Energie. Denn die bisherige Regulierung gehe ja davon aus, dass das Gasnetz da ist und wachse. Doch nun laufe ja die Diskussion über die teilweise oder gänzliche Abschaltung der Gasverteilnetze. "Da muss man ein Ausstiegsszenario bauen, das geht nicht anders“", betonte Gruber. "Ansonsten zahlt der letzte Kunde die Kosten des Gasnetzbetreibers" und das könne nicht aufgehen.
Skepsis gegenüber Wasserstoff-Beimischung für dezentrale Wärmeversorgung
Skeptisch gegenüber einer Beimischung von grünem Wasserstoff in die Gasverteilnetze zeigte sich Verena Graichen, stellvertretende Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Denn zumindest für die Versorgung einzelner Haushalte sei dies wenig effizient und konterkariere den Bedarf der Industrie, welche Erdgas als Grundstoff nutzen.
Wenn dann sei die Nutzung der Beimischung von Wasserstoff für Gasanlagen für die Fernwärmeversorgung sinnvoller, so Graichen. Auch MAN-Chef Lauber sieht die Nutzung von Wasserstoff für die Wärmeversorgung einzelner Haushalte angesichts des Dekarbonisierungsbedarfs in der Schifffahrt und im Flugverkehr nicht als "top Priorität", doch möchte diese Möglichkeit auch nicht ganz ausklammern.
Nötige Ausbildungsoffensive - Chance serielles Sanieren
Einig war sich das Podium darüber, dass alles für eine Ausbildungsoffensive für Fachkräfte und fürs Handwerk getan werden müssen, um die die Wärmewende praktisch vor Ort umzusetzen. Wien Energie verdreifacht deshalb derzeit die Zahl der Azubis – mit einem angestrebten höheren weiblichen Anteil - und baut ein neues Ausbildungszentrum.
Als eine wichtige Maßnahme den Fachkräftemangel abzumildern, sieht Graichen auch die Reduzierung der Bauzeiten durch serielle Vorfertigung von Dämmplatten und serielles Sanieren sowie die Digitalisierung, beispielsweise durch Vorkalibrierung von Heizungssystemen und Fernwartung. (hcn)



