Weniger Wohnungseigentümer planen eine energetische Sanierung. Von 23 Prozent in 2021 sank die Investitionsbereitschaft in 2022 auf 14 Prozent. Inflationssorgen und die damit verbundenen Unsicherheit bezüglich der Preisentwicklung, sowie der Handwerkermangel werden als Gründe angegeben.
Das sind die Ergebnisse einer Marktuntersuchung der Beratung Sirius Campus „Monitor zur Klimawende 2022“, mit etwa 2.000 Interviews einer repräsentativen Haushaltsstichprobe unter Wohneigentümern, privaten Vermietern und Mietern im September 2022.
Eigentümer planen Photovoltaikanlagen und Dämmung
Dennoch: Rund 5,4 Millionen Haushalte in Deutschland haben konkrete Pläne für eine oder mehrere Maßnahmen zur energetischen Sanierung in den nächsten fünf Jahren. Dies sind vor allem Hauseigentümer und Hausmieter, von denen etwa ein Viertel eine zusätzliche Dämmung, eine effizientere Heizung oder eine Photovoltaikanlage planen. Bei Wohnungsmietern bleibt die Investitionsbereitschaft mit zwei Prozent weiterhin auf einem niedrigen Niveau.
Vier Fünftel aller Haushalte sehen sich stark von der Inflation betroffen. Mehr als die Hälfte der Planer will deswegen warten oder ihre Pläne überdenken. Jedoch sind rund ein Drittel der Haushalte gewillt, mit baulichen Maßnahmen zum Energieeinsparen auf die Energiekrise zu reagieren. Somit kann die weit verbreitete Zurückhaltung durch die Inflation etwas abgefedert werden.
Besonders junge Familien wollen sanieren
Das größte Interesse für energetisches Sanieren haben Eigentümer und junge Familien in noch relativ jungen Immobilien (ab Baujahr 1994). Auch Haushalte mit Umzugsplänen in ein Wohneigentum zeigen sich vergleichsweise investitionsfreudig. Besonders Haushalte, die auf ihren hohen Energieverbrauch aufmerksam werden, haben eine erhöhte Bereitschaft Planungen energetischer Sanierungen anzugehen.
Von den Interessenten an einer energetischen Sanierung sind es letztlich 43 Prozent, die tatsächlich auch in eine Maßnahme investieren. Besonders hoch ist die Investorenquote, wenn die dahinterliegenden Motive Energiesparen oder ein verbesserter Wohnkomfort sind.
Energiesparen und Komfort sind Top-Motiv
Auch wenn es vielfach noch vermutet wird: Allein Geldsparen zu wollen ist laut der Studie kein förderliches Motiv für eine Investitionsentscheidung. „Werbliche Angebote für energetische Sanierungen sollten daher die psychologisch wirksamen Motive Energiesparen und soweit passend Wohnkomfort aktivieren, um das Interesse der Haushalte zu steigern“, erklärt Oliver Gaedeke, Geschäftsführer der Sirius Campus. Die aktive Ansprache von Haushalten auch durch Energieanbieter sei wichtig, betont der Berater.
Klimaziele unter Druck
Gaedeke sieht die Klimaziele im Gebäudesektor gefährdet.„Die Energiesparanstrengungen auf der Verhaltensebene haben zwar etwas zugenommen, werden aber niemals ausreichen. Ohne massive energetische Sanierungen in den privaten Haushalten und Unternehmen diese Ziele unerreichbar bleiben“, sagt Oliver Gaedeke. Die Bundesregierung hat 2021 mit dem Bundes-Klimaschutzgesetz das Ziel ausgegeben, bis 2030 ein Minus von 65 Prozent beim CO2-Ausstoß gegenüber 1990 zu erreichen. Dabei machen die Emissionen von Gebäuden, mit einem Anteil von 40 Prozent am gesamten Energieverbrauch Deutschlands, einen Großteil aus. (pfa)



