Von Frank Urbansky
Die kommunale Wärmeplanung (KWP) ist ein zentrales Instrument der Wärmewende in Deutschland. Ihr Ziel: eine langfristig klimaneutrale, wirtschaftlich tragfähige und sozialverträgliche Wärmeversorgung auf kommunaler Ebene zu entwickeln. Doch wie wird ein solcher Plan erstellt – und vor allem: Was macht ihn umsetzbar?
Wer führt den Prozess
Die rechtliche Verantwortung für die kommunale Wärmeplanung liegt in der Regel bei Städten und Gemeinden – teils in Eigenregie, teils über Gemeindeverbände. Allerdings: Das WPG beschreibt nur allgemein eine planungsverantwortliche Stelle. Letztlich muss durch Landesgesetze geregelt werden, wer die Aufgaben dieser planverantwortlichen Stelle übernehmen soll.
Das Bundesgesetz WPG darf also die Aufgabe nicht direkt an die Gemeinden oder Städte delegieren. In der bisherigen Praxis werden aber in aller Regel die Kommunen damit beauftragt. Ein Gesetzentwurf aus Rheinland-Pfalz etwa sieht vor, dass Kommunen die Planung übernehmen, die Umsetzung jedoch vorrangig durch kommunale Versorgungsunternehmen erfolgt.
Das empfiehlt auch die Deutsche Energieagentur (Dena). Denn eine Kommune agiert gemeinwohlorientiert, verfügt über lokale Steuerungshoheit und kann zwischen den Interessen der verschiedenen Akteure vermitteln. Doch auch andere Modelle sind möglich, etwa mit Stadtwerken oder externen Dienstleistern in leitender Funktion.
Wie das ideale Set-up aussieht, hängt stark von den lokalen Gegebenheiten ab. Entscheidend sei die enge Zusammenarbeit zwischen Kommune und lokalem Energieversorger. Die Kommune bringe ihre neutrale, übergreifende Perspektive ein, während der Versorger Fachwissen und Netzdaten liefere – sofern vorhanden, so Gerhard Stryi-Hipp vom Fraunhofer ISE.
Was ist Inhalt und Ziel?
Ziel des kommunalen Wärmeplanes ist eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Investitionen in die künftige Wärmeversorgung. Er zeigt auf, wo Wärmenetze wirtschaftlich betrieben werden können, wo dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen sinnvoll sind oder wie industrielle Abwärme genutzt werden kann. Damit ist die KWP kein verbindlicher Bauplan, sondern eine strategische Potenzialanalyse. Und diese dient eher dazu, Investitionen zu koordinieren.
Wichtig ist dabei, dass technische Lösungen mit planerischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten zusammengedacht werden – Stichwort integrierte Stadtentwicklung. Deshalb muss die Wärmeplanung verschiedene Verwaltungsbereiche einbinden: Klimaschutz, Bauwesen, Stadtentwicklung, Liegenschaften und oft auch das Sozialwesen. In kleineren Gemeinden übernehmen meist Bauämter die Federführung, größere Kommunen setzen häufiger auf Umweltdezernate oder eigens gegründete Stabsstellen.
Wer macht die Planung?
Die operative Planung wird häufig an externe Planungsbüros vergeben – aus gutem Grund. Sie können unabhängig analysieren, innovative Ideen einbringen und die Vielzahl an technischen Optionen objektiv bewerten. Der Energieversorger bleibt dennoch ein zentraler Daten- und Impulsgeber. Er liefert Informationen zu Netzen, Lastprofilen, Einspeisern und möglichen Ausbauszenarien. Nur durch diese Kooperation entsteht ein tragfähiger Plan.
Lokale Kooperation und wissenschaftliche Begleitung – etwa im Rahmen von Forschungsprojekten – könnten die Umsetzung entscheidend beschleunigen, erklärt Carsten Beier vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT). Gerade kleinere Kommunen profitierten stark von externer Expertise.
Wie werden weitere Akteure einbezogen?
Ein kommunaler Wärmeplan ist nur so gut wie seine Akzeptanz. Deshalb ist die frühzeitige Einbindung wichtiger Stakeholder essenziell. Dazu zählen neben Versorgern und Wohnungswirtschaft auch Großverbraucher wie Krankenhäuser, Schulen oder Industrieunternehmen – und letztlich auch die kleinen Kunden, die Endverbraucher. In Informationsveranstaltungen oder Runder-Tisch-Gesprächen können Perspektiven gesammelt, Bedenken diskutiert und gemeinsame Strategien entwickelt werden. Das Ziel: eine Planung, die nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich akzeptiert ist.
Was kann die KWP leisten – und was nicht?
Ein kommunaler Wärmeplan schafft Orientierung, ersetzt aber keine konkrete Umsetzungsplanung. Er weist Gebiete mit hoher Wärmenetz-Potenzialdichte aus – ob dort aber tatsächlich gebaut wird, hängt von Investoren, Fördermitteln und Genehmigungen ab. Umso wichtiger ist die Kommunikation: Kommunen sollten klarstellen, was ein Wärmeplan leisten kann – und wo Gebäudeeigentümer schon heute unabhängig handeln können. Etwa bei Dämmmaßnahmen, PV-Anlagen oder der Nutzung von Wärmepumpen.
Im nächsten Teil der Serie zeigen wir ein Praxisbeispiel, in dem ein KWP von einem Stadtwerk erstellt wurde.
Dieser Artikel erscheint auch in der Print-/E-Paper-Ausgabe Juli.



