Im August 2024 hatten die Stadtwerke Wittenberge eine iKWK-Anlage in Betrieb genommen, die aus einem BHKW, einem Elektroheizkessel und einer Flusswärmepumpe besteht. Alle drei Komponenten sind, wie vom iKWK-Förderreglement vorgeschrieben, über eine zentrale Steuerung miteinander verbunden. Die Wärmepumpe bringt das Flusswasser auf ein höheres, für die Einspeisung ausreichendes Temperaturniveau. Das Gewässer, dem Wärme entzogen wird, ist nicht etwa die große Elbe, die südlich an Wittenberge vorbeifließt, sondern der kleine Fluss Stepenitz, der aus Nordosten kommend beim Hafen in den großen Strom mündet.
Das am Stepenitz-Ufer installierte Ein- und Auslaufbauwerk für die Entnahme und Rückgabe des Flusswassers befindet sich am südöstlichen Stadtrand. "Ein günstig gelegener Standort", so Geschäftsführer Lutz Kähler. Das große Heizkraftwerk, über das die Flusswärme dann ins Wärmenetz gespeist wird, liegt nur wenige Hundert Meter entfernt. Es mussten also nur Leitungen über eine kurze Strecke gelegt werden.
Zudem brauchte es keinen Neubau für die Unterbringung von Wärmepumpe und Flusswasserwärmetauscher, beide passten in das bestehende Heizkraftwerk hinein. "Aufgrund der Traglasten mussten wir nur einige statische Anpassungen im Gebäudeinneren vornehmen. Das war günstiger, als es ein Neubau gewesen wäre." Insgesamt hat die iKWK-Anlage 6,2 Millionen Euro gekostet.
Grundlast im Sommerhalbjahr
Die Flusswärmepumpe arbeitet von April bis Oktober und pausiert im Winterhalbjahr. Diese Betriebsweise entspricht dem Konzept und ist Bestandteil der erteilten wasserrechtlichen Genehmigung, die die Entnahme des Wassers aus der Stepenitz auf zehn Grad Celsius begrenzt. Für die Entnahme mit einer niedrigeren Temperatur wäre der Einsatz von Kältemittel nötig gewesen. "Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, da ein Betrieb nur für das Sommerhalbjahr geplant ist, um dort die Grundlast abzudecken", erklärt Kähler.
Ihr erstes komplettes Betriebshalbjahr hat die Anlage jetzt hinter sich. Von April bis Oktober 2025 wurden der Stepenitz Energie aus 650.000 Kubikmetern Wasser entzogen. Damit erzeugte die Wärmepumpe 3,3 Gigawattstunden Wärme, gut zehn Prozent des jährlichen Gesamtwärmeabsatzes der Stadt. Mit der Flusswärme lässt sich der komplette Warmwasserbedarf im Sommer abdecken.
Die für die Effizienz entscheidende Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe, die das Verhältnis von eingesetzter elektrischer Energie zu gewonnener Wärmeenergie anzeigt, beträgt 2,1. Ein im Vergleich zu anderen Wärmepumpen eher niedriger Wert, ordnet Kähler ein. Aber durch die Förderbedingungen, den Gebotspreis und die Erlöse durch den mit dem BHKW erzeugten Strom werde es in Summe wirtschaftlich.
Nicht mehr als fünf Millimeter
Die Anlage ist so etwas wie ein Versuchsballon. "Wir wollten die Technologie erstmal im kleineren Rahmen testen und Erfahrungen damit sammeln." Mit der zweistufigen Wärmepumpe etwa, die die im Sommer notwendigen 85 Grad Vorlauftemperatur für das Heizwasser erzeugt. Weiterhin war es wichtig, die umwelt- und wasserschutzrechtlichen Vorgaben einzuhalten. So durfte zum Beispiel, um das Einschwimmen von Fischen und anderen Kleintieren zu verhindern, die Stabweite des Zulaufrechens am Einlaufbauwerk fünf Millimeter nicht überschreiten.
Zudem war der Rohrauslauf, abweichend von der ursprünglichen Planung, in Fließrichtung um rund 45 Grad zu verschwenken, um die Anströmung und damit die hydraulische Belastung des gegenüberliegenden Ufers zu minimieren. "Solch eine Anlage ist ja immer eine individuelle Lösung, wie dem System Fluss am besten Wasser entzogen und wieder zurückgegeben wird. Für uns war das technisches Neuland."
Der Betrieb läuft stabil. Die Technik eignet sich grundsätzlich als Baustein für die Wärmewende in Wittenberge, weswegen Flusswärme nun auch im größeren Maßstab zum Einsatz kommen soll: an der Elbe, genauer im Hafenareal, in das die Elbe ihr Wasser hineindrückt. Dort ist eine doppelt so große Anlage von rund 2,4 Megawatt Leistung geplant; gefördert über die BEW. Die Stadtwerke prüfen derzeit die Genehmigungsfähigkeit; 2028/29 könnte gebaut werden.
Ganzjährige Nutzung denkbar
Die Transformationsplanung sieht die komplette Dekarbonisierung bis 2045 vor. Die gesetzliche Vorgabe legt einen Anteil erneuerbarer Wärme von 30 Prozent bis 2030 fest. "Wir brauchen also weitere Erzeugungseinheiten", so Kähler. Die künftige Wärmepumpe ist auch für den Betrieb im Frühjahr und Herbst geplant.
Da sich die Wärmepumpentechnologie allgemein weiterentwickle und die Pumpen effizienter werden, könnte sich Kähler in Zukunft auch eine ganzjährige Flusswärmenutzung gut vorstellen. Zumal die Technologie grundsätzliche Vorteile hat: den vergleichsweise geringen Flächenverbrauch und das überschaubare Erschließungsrisiko.



