EnBW möchte grünen Wasserstoff aus Saudi-Arabien importieren. Kern des Vorhabens ist eine Lieferkette für grünes Ammoniak aus Saudi-Arabien, das in Rostock zu Wasserstoff umgewandelt und ins deutsche Kernnetz eingespeist werden soll. Partner sind der saudische Energiekonzern Acwa, der Hafenbetreiber Rostock Port und die EnBW-Tochter VNG.
Erste Importe 2030 möglich
Die vier Unternehmen beabsichtigten, entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenzuarbeiten – von der Produktion im Königreich Saudi-Arabien über den Transport bis zur Umwandlung in Deutschland, erklärte ein EnBW-Sprecher auf Nachfrage.
Der Hafen Rostock spielt dabei eine Schlüsselrolle: Dort entwickelt VNG einen sogenannten Cracker, der grünes Ammoniak wieder in Wasserstoff aufspaltet. Dieser soll anschließend in das deutsche Wasserstoff-Kernnetz geleitet werden und frühestens ab 2030 betriebsbereit sein.
Ziel sei es, wettbewerbsfähig produziertes grünes Ammoniak als "wichtigen Einstiegspunkt" für die deutsche Wasserstoffwirtschaft zu nutzen, teilten die Partner in einer gemeinsamen Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MOU) mit.
Internationale Partnerschaften sind entscheidend, um die Transformation des Energiesystems wirksam voranzubringen, sie bezahlbar zu gestalten und innovative Lösungen erfolgreich in den Markt zu bringen.
Der EnBW-Vorstandsvorsitzende Georg Stamatelopoulos spricht gegenüber der ZFK von einem wichtigen Meilenstein: "Solche internationalen Partnerschaften sind entscheidend, um die Transformation des Energiesystems wirksam voranzubringen, sie bezahlbar zu gestalten und innovative Lösungen erfolgreich in den Markt zu bringen."
Dabei würden sich die Partner mit ihren Stärken ergänzen und könnten Herausforderungen gemeinsam wirksamer angehen, so Stamatelopoulos.
Ministerin Reiche vor Ort
Rückenwind erhält das Projekt auch auf politischer Ebene. Ebenfalls unterzeichnet wurde die Absichtserklärung unter anderem von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die vor Ort ihren saudischen Amtskollegen Prinz Abdulaziz Bin Salman Bin Abdulaziz traf.
Die Erklärung umfasst laut Ministerium eine engere Zusammenarbeit auf allen Energiesektoren sowie im Chemiekalienbereich. Zu den thematischen Schwerpunkten zählen demnach etwa Carbon-Management-Technologien, Energieeffizienzlösungen oder die digitale Transformation des Energiesektors. Die beiden Länder unterhalten seit 2019 einen bilateralen Energiedialog.
Vom Roten Meer in die Ostsee
Das Ammoniak soll künftig vom Produktionsstandort Yanbu, einer Hafenstadt am Roten Meer im westlichen Saudi-Arabien, an die Ostsee geliefert werden. EnBW übernimmt dabei die Rolle des Abnehmers sowie die kommerzielle und logistische Anlieferung nach Rostock.
Rostock Port fungiert als Hafenbetreiber, während VNG den Cracker in Hafennähe plant, um das importierte Ammoniak für deutsche Kunden in grünen Wasserstoff umzuwandeln.
Saudische Beteiligung an Infrastruktur
Die technische Planung läuft bereits und soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein. Die kommerzielle Inbetriebnahme des Gesamtprojekts ist für 2030 vorgesehen. Acwa möchte sich darüber hinaus an der deutschen Ammoniakinfrastruktur beteiligen.
In dem MOU heißt es dazu: Acwa prüfe derzeit die Möglichkeiten einer Beteiligung an der gemeinsamen Entwicklung und möglichen gemeinsamen Investition in die Ammoniakinfrastruktur in Deutschland.
Durch diese Kooperation schaffen wir einen strategischen, effizienteren und zukunftsorientierten Rahmen, um die langfristige Versorgung mit grüner Energie und weitere Investitionen in Deutschland zu sichern.
Rostock-Port-Geschäftsführer Jens Scharner sieht in der Kooperation einen strategischen und zukunftsorientierten Rahmen, um die langfristige Versorgung mit grüner Energie zu sichern und weitere Investitionen nach Deutschland zu holen.
Wenn alles nach Plan läuft, könnte in wenigen Jahren grünes Ammoniak aus Saudi-Arabien einen spürbaren Beitrag zur deutschen Energiewende leisten – mit Rostock als Tor für klimaneutrale Moleküle.


