Trotz einer Kältewelle bis Mitte Februar ist die Gasnachfrage in Europa deutlich gesunken. Mildere Temperaturen setzten sich zum Monatsende durch, entlasteten die Speicher und reduzierten die Ausspeicherungen. Gleichzeitig erreichten die LNG-Importe mit 154 Tankerlieferungen ein neues Allzeithoch, sagt unser Kolumnist Joachim Endress.
Das Wetter im Februar zeigte sich zweigeteilt. In den ersten 20 Tagen des Monats lag die durchschnittliche Tagestemperatur in Deutschland bei knapp über 1° C, in den letzten 8 Tagen stieg der Durchschnittswert dann auf 10° C. Im Mittel lag die Temperatur damit bei 3,5° C, rund 1 Grad über der saisonalen Norm und knapp 1 Grad über dem Wert vom Februar 2024.
Dadurch sank im letzten Monatsdrittel der Speicherbedarf signifikant und die Netto-Ausspeicherungen lagen auf Monatssicht damit deutlich unter den Vorjahresmonatswerten. In der EU insgesamt wurden nur 126 Terawattstunden (TWh) ausgespeichert (Feb-25: 174 TWh), in Deutschland 30 TWh (Feb-25: 56 TWh).
Der aggregierte Füllstand der Gasspeicher der EU-Länder hielt sich damit bis zum Monatsende an der 30-Prozent-Marke, in Deutschland wurden die 20 Prozent nicht unterschritten.
Sorgen um Füllstände sind vom Tisch
Seit 20 Tagen liegen die Temperaturen nun deutlich über der Norm und haben ein weiteres Absinken der Füllstände verhindert. Hätte die Kältewelle seit Februar bis in den März hinein angehalten, wäre die Situation insbesondere vor dem Hintergrund des Nahost-Krieges heute eine andere.
Für diesen Winter sollten Sorgen um die Füllstände vom Tisch sein, die Befüllung der Speicher bis zum nächsten Winter könnte jedoch schwierig und vielleicht sehr teuer werden.
Gasverbrauch auf 3-Monats-Tief
Der Gasverbrauch der EU-Länder sank im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 5 Prozent auf 475 TWh, rund 17 TWh pro Tag. In Deutschland lag der durchschnittliche Gasverbrauch bei rund 3,7 TWh pro Tag, insgesamt bei 105 TWh (Feb-25: 109 TWh).
Neben der im letzten Monatsdrittel deutlich rückläufigen Heizgasnachfrage zeigte sich auch die Gasnachfrage im Strombereich schwächer als im Vorjahresmonat.
Damals zeigte die Stromerzeugung der Gaskraftwerke insbesondere durch die Dunkelflauten deutliche Spitzenwerte. Im vergangenen Monat lag nun die Stromerzeugung der Gaskraftwerke EU-weit bei durchschnittlich 52 GW, im Vorjahr bei über 63 GW.
Robustes Angebot sichert Nachfrage
Die Gasversorgung per Pipelines zeigte sich im Februar stabil und ohne größere Ausfälle. Die Lieferungen aus Norwegen, Algerien, Russland und Aserbaidschan lagen mit insgesamt 156 TWh (5,6 TWh/Tag) exakt auf dem Niveau des Vorjahresmonats.
Die LNG-Aussendungen lagen mit insgesamt 160 TWh rund 20 TWh höher als noch im Februar 2024. Damit wurden im Tagesdurchschnitt rund 5,7 TWh Erdgas an den europäischen LNG-Terminals regasifiziert. LNG machte damit im Februar 33 Prozent des Gesamtangebots aus.
LNG-Importe auf Allzeithoch
Im Februar wurden an den europäischen Terminals insgesamt 154 LNG-Tankerlieferungen importiert. Nach dem Spitzenwert des Vormonates Januar (150) ein neues Allzeithoch.
Die USA stellten mit insgesamt 86 LNG-Tankerlieferungen rund 56 Prozent des europäischen LNG-Angebots. 21 Lieferungen kamen aus Russland, 14 aus Nigeria, 10 aus Katar, acht Tanker kamen aus Norwegen und vier Lieferungen aus Algerien.
Grund für das starke Angebot war auch die schwache Nachfrage in Asien. Die fünf größten asiatischen LNG-Importländer (China, Japan, Südkorea, Taiwan, Indien) importierten zusammen nur 266 LNG-Lieferungen (Jan-26: 302 Lieferungen). China verzeichnete mit nur 51 importierten Ladungen den niedrigsten Wert seit Februar 2024.


