Amager-CEO Jacob Hartvig Simonsen.

Amager-CEO Jacob Hartvig Simonsen.

Bild: © ARC

Dänemarks futuristischstes Heizkraftwerk hat eine Skipiste und steht mitten in Kopenhagen. Das Amager Resource Centre soll nicht nur architektonisch Maßstäbe setzten, sondern auch bei der Energieeffizienz. Bis 2025 soll mithilfe von CO2-Abscheidung der CO2-Fußabdruck um 95 Prozent sinken. Laut Amager-CEO Jacob Hartvig Simonsen wird das Ziel wohl nicht eingehalten werden, denn auch im Energiewende-Vorreiterland Dänemark gibt es noch einiges zu tun. Das erklärt der CEO im Interview.

Herr Simonsen, Kopenhagen will bis 2025 klimaneutral sein. Das ist auch für die Fernwärme relevant, die sie hier produzieren. In Dänemark gilt die Müllverbrennung jedoch nicht als neutrale Energiequelle. Wann können Sie vollständig CO2-neutral sein?

Das Ziel 2025 schaffen wir nicht, dafür sind wir noch nicht weit genug. Wenn man Abfall verbrennt, stößt man sowohl fossiles als auch biogenes CO2 aus, die Aufteilung beträgt mehr oder weniger 50/50. Wenn wir also die Hälfte davon auffangen und speichern könnten, wären wir CO2-neutral. Das bedeutet aber auch, dass wir tatsächlich CO2-negativ werden könnten, wenn wir noch mehr auffangen.

Wie sieht die aktuelle Debatte um Carbon Capture in Dänemark aus?

In Dänemark wollen wir Carbon Capture im Großformat aufziehen, hoffentlich ist es bald soweit. Wir haben schon ein Pilotprojekt in unserer Anlage, aber uns fehlen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Wir können die Kosten für die Technologie nicht auf die Heizungskunden oder die Abfallerzeuger umlagern.

Staatliche Subventionen wären auch denkbar oder höhere CO2-Steuern oder Preise im europäischem Emissionshandel. Wenn der Strom preiswerter wäre, würde es das Geschäft auch attraktiver machen.

Die dänische Regierung will die Abfallmenge reduzieren, die verbrannt wird. Wie sehen sie das?

Der nationale Plan ist, die Kapazität in Dänemark auf etwa 30 Prozent zu begrenzen. Ist das ein guter Plan? Wenn Sie mich fragen: Das ist nicht clever. Abfall ist die preiswerteste Energiequelle für Fernwärme und in Dänemark sind 66 Prozent der Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen; die Netze werden auch noch weiter ausgebaut.

In Europa gibt es eine Menge Abfall, der auf Mülldeponien entsorgt werden muss, er ist ein Umweltproblem. Es ist also viel besser, wenn wir diesen Abfall importieren und gute, nachhaltige Fernwärmeenergie für die Dänen erzeugen, anstatt dass die Italiener oder die Briten ein Umweltproblem haben.

Wie viel Abfall importieren sie momentan?

Wir importieren ungefähr 200.000 Tonnen, das ist etwa ein Drittel unserer Kapazität. Wir müssen in Zukunft Ausschreibungen für den Abfall machen, es kann sich also ändern. Aktuell kommen die Importe aus Großbritannien, Irland und viel aus Italien. Wir hatten auch einen kleinen Teil aus Deutschland, etwa nach der Flutkatastrophe im Ahrtal.

Setzten Sie also darauf, dass andere Länder nicht so stark in der Wärmegewinnung bei der Abfallverbrennung sind?

Wir haben in Dänemark eine höhere Energieeffizienz als Sie, weil wir über größere Fernwärmenetze verfügen. Die gesamte Energie, die wir aus Abfall erzeugen können, kann also tatsächlich ins Fernwärmenetz gespeist werden. An manchen Orten in Deutschland ist das auch möglich. Aber wenn man weiter in den Süden Deutschlands schaut, wird aus Abfall hauptsächlich Strom oder Dampf für industrielle Zwecke. Die Energieeffizienz ist dabei nicht die gleiche.

In Frankreich oder Italien dient Abfall höchstens der Stromproduktion. Das ist wiederum weniger effizient. Es liegt also nicht daran, dass wir schlauer sind, sondern daran, dass wir Glück mit dem Fernwärmesystem haben.

Haben Sie Ratschläge für deutsche Fernwärmenetzbetreiber?

Das Fernwärmnetz entsteht nicht von alleine. Es ist eine riesige Investition und dauert lange. Es ist viel Arbeit. Für uns Dänen war es in den 70er Jahren der einzige Weg, um Öl und Gas zu verdrängen. Es war also eine politische Priorität, die Fernwärme groß auszubauen. Das wichtigstes Erfolgskriterium ist somit das politische Engagement.

Das Gespräch führte Pauline Faust.
Transparenzhinweis: Dieses Interview entstand während einer Pressereise auf Einladung der dänischen Botschaft in Berlin.

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