Die Problematik der Alttextilsammlung spitzt sich weiter zu. In vielen Städten verschwinden Altkleidercontainer, soziale und gewerbliche Sammler ziehen sich zurück, während die Kommunen vor wachsenden Entsorgungsproblemen stehen. Vor diesem Hintergrund fordert der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), dass sich Produzenten von Fast Fashion künftig finanziell stärker an der Textilsammlung beteiligen müssen.
Angesichts der Novelle der EU-Abfallrahmenrichtlinien, in der das Europäische Parlament eine erweiterte Herstellerverantwortung für Textilien vorsieht, hat der VKU ein neues Rechtsgutachten vorgelegt. Das Dokument mit dem Titel "Die Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien in Deutschland unter Beachtung des besonderen Stellenwerts kommunaler und gemeinnütziger Sammelträger" wurde von Angela Dageförde und Andrea Vetter erstellt.
Kommunale Sammlung soll erhalten bleiben
In dem Gutachten wird betont, dass die Verantwortung für die Sammlung von Alttextilien weiterhin bei den Kommunen liegen müsse. Kommunale Entsorger sind demnach die einzigen Akteure, die ein flächendeckendes, verlässliches und sozial eingebettetes Sammelsystem sicherstellen können, bei dem auch gemeinnützige Träger wie die Caritas oder das Deutsche Rote Kreuz eingebunden sind. Diese Strukturen haben sich über Jahre bewährt und erfüllen neben der Entsorgung auch wichtige soziale Funktionen.
Inzwischen steht das bestehende Sammelsystem allerdings wirtschaftlich massiv unter Druck. Die Märkte für Alttextilien sind eingebrochen, da immer größere Mengen minderwertiger Fast-Fashion-Ware anfallen. Diese Textilien sind kaum noch verwertbar. Laut Einschätzung des VKU reichen die bisherigen Erlöse nicht mehr aus, um die Sammlung zu finanzieren – und das, obwohl das System organisatorisch nach wie vor gut funktioniert.
Wie kritisch die Lage ist, zeigt sich auch vor Ort. Laut verschiedenen dpa-Berichten ziehen sich soziale und gewerbliche Sammler zunehmend aus der Alttextilsammlung zurück und bauen ihre Container ab. Grund dafür ist vor allem die finanzielle Entwicklung: Während früher noch 250 bis 600 Euro für eine Tonne Altkleider bezahlt wurden, sind es aktuell nur noch zehn bis 30 Euro. Gleichzeitig steigt der Anteil unbrauchbarer Textilien, die verschmutzt oder beschädigt in den Containern landen.
Verursacherprinzip und Ökomodulation
Laut Gutachten ist eine langfristige Stabilisierung der Textilsammlung nur möglich, wenn die Hersteller verbindlich an den Kosten beteiligt werden. Ohne eine solche Beteiligung sei die Alttextil-Krise nicht zu lösen, so der VKU. Vizepräsident Uwe Feige sagt: "Wer immer schneller, immer mehr Billigware auf den Markt bringt, muss auch die Verantwortung für die Folgen übernehmen." Das sei konsequentes Verursacherprinzip.
Konkret setzt das Gutachten auf das Instrument der Ökomodulation. Künftig sollen Hersteller unterschiedlich hohe Beträge zahlen, die sich nach der Umweltwirkung ihrer Produkte richten. Langlebige, reparierbare oder gut verwertbare Textilien werden finanziell begünstigt, während schwer recycelbare Fast-Fashion-Produkte zu höheren Beiträgen führen. Das Ziel besteht darin, ökologische Lenkungswirkungen und das Verursacherprinzip zu verbinden, um die Ursache des Problems direkt anzugehen.
Grundlage für nationale Umsetzung
Mit dem Gutachten liefert der VKU eine fachliche Grundlage für die nationale Umsetzung der EU-Abfallrichtlinien. Es zeigt auf, wie bewährte kommunale und gemeinnützige Strukturen erhalten und gestärkt werden können und wie Hersteller künftig stärker in die finanzielle Verantwortung genommen werden müssen, um die Textilsammlung in Deutschland dauerhaft stabil und zukunftsfest aufzustellen.




