Das ZfK-Frauennetzwerk setzt sich gemeinsam mit starken Stimmen aus der Kommunalwirtschaft für mehr Sichtbarkeit, Vernetzung und Chancengleichheit von Frauen ein. Netzwerk-Managerin Laura Partikel zog beim jüngsten Treffen ein ganz besonderes Ass aus dem Ärmel: Zu Gast war Susanna Zapreva, seit dem Vorjahr Chefin des österreichischen Versorgers Verbund und davor Vorstandsvorsitzende der Enercity aus Hannover.
Zapreva wurde 1973 in Wien geboren, studierte Elektrotechnik und promovierte in diesem Fach. Ergänzend absolvierte sie ein Diplom in Betriebswirtschaft sowie eine Leadership-Ausbildung an der Said Business School in Oxford. Sie wurde Geschäftsführerin bei Wien Energie, wechselte später nach Deutschland als Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Hannover (Enercity) und kehrte schließlich 2024 nach Österreich zurück, wo sie die Leitung beim Verbund übernahm.
"Einmal mehr aufstehen als die anderen, dann hat man gewonnen"
Zapreva schilderte ihren Weg in die Energiewirtschaft. Auslöser war der Reaktorunfall von Tschernobyl, der sie bereits als Schülerin für Energietechnik sensibilisierte. Ursprünglich schwankte sie zwischen einem Medizinstudium und Elektrotechnik, entschied sich aber nach einem prägenden Erlebnis an der Technischen Universität Wien für die Technik. Sie betonte, dass diese Entscheidung ihr den Weg in eine Branche eröffnete, die heute von großer Bedeutung für die Zukunft ist.
"Unter 700 Studenten, die damals begonnen haben, waren sieben Frauen. 25 haben dann tatsächlich den Abschluss gemacht, ich war die einzige Frau."
Ein zentrales Thema ist für Zapreva der Umgang mit männerdominierten Umfeldern. Als eine von nur sieben Frauen unter 700 Elektrotechnik-Studierenden lernte sie früh, dass Sichtbarkeit auch Vorteile haben kann. Statt sich von der Minderheitenrolle einschüchtern zu lassen, nutzte sie nach eigenen Angaben die Aufmerksamkeit, um positiv aufzufallen. Ihr Rat: Frauen sollten sich nicht von der Tatsache entmutigen lassen, dass sie oft die Einzigen sind. Entscheidend ist, Leistung zu zeigen, mutig aufzutreten und sich kommunikativ einzubringen. Denn langfristig setze sich Qualität durch – unabhängig vom Geschlecht.
Besonders betont die Verbund-Chefin die Bedeutung von Ausdauer. "Einmal mehr aufstehen als die anderen, dann hat man gewonnen", fasst sie ihre Haltung zusammen. Rückschläge gehören dazu, doch wer konsequent an seinen Zielen festhält, werde sich durchsetzen. Frauen sollten sich daher nicht von kritischen Stimmen oder abwertenden Kommentaren bremsen lassen, sondern ihren eigenen Weg gehen.
"Netzwerken ist nicht, jemanden zu kennen, netzwerken ist, jemandem zu helfen."
Ein weiterer Karrieretipp betrifft den Aufbau von Netzwerken. Zapreva versteht Netzwerken nicht als reines Kontakte-Sammeln, sondern als gegenseitige Unterstützung. Beziehungen entstehen, wenn man offen auf Menschen zugeht, unterschiedliche Perspektiven zulässt und bereit ist, anderen zu helfen. Gerade Frauen sollten hier aktiver werden, denn sie habe beobachtet, dass Männer sich oft besser gegenseitig fördern. Frauen hingegen neigen manchmal dazu, Konkurrentinnen auszubremsen. Das müsse sich ändern: Nur wenn Frauen einander bewusst unterstützen, können sie gemeinsam die Kultur in Organisationen verändern. Zaprevas Erfahrung: Erst wenn mindestens 30 Prozent Frauen in einem Umfeld vertreten sind, verändert sich die Kultur spürbar. Deshalb sei es wichtig, dass Frauen nicht nur für sich selbst den Weg ebnen, sondern auch anderen Frauen die Tür öffnen.
Eine einschneidende Erfahrung an der Universität
Im Anschluss präsentierte Zapreva die Strategie des Verbunds. Das Unternehmen ist Österreichs größter Energieversorger und einer der führenden Wasserkraftproduzenten Europas. Mit 51 Prozent Staatsanteil betreibt das Unternehmen auch die Übertragungsnetze für Strom und Gas in Österreich. Strategisch konzentriert sich das Unternehmen auf drei Felder: integrierte Energiedienstleistungen in Österreich und Deutschland, Ausbau erneuerbarer Energien in Europa sowie Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft. Wichtige Märkte sind Spanien, Deutschland und Italien, daneben kleinere Märkte wie Rumänien und Albanien. Besonders Albanien sei interessant, da dort günstige Produktionskosten mit hohen Strompreisen in Italien verbunden werden könnten.
Und warum ist Zapreva nun nicht Medizinerin geworden?
Dann gab es einen entscheidenden Tag in meinem Leben. Das Medizinstudium war extrem überfüllt. Für eine Laborübung, die um 8 Uhr morgens begann, musste ich im Winter ab 4 Uhr in der Kälte anstehen. Den Platz habe ich bekommen, bin aber am gleichen Tag an die Technische Universität gefahren, wo alles ganz anders war. Es gab nur wenige Menschen dort. Und Siemens hatte einen Stand aufgebaut, um Studenten an sich zu binden. Völlig durchgefroren vom vierstündigen Warten habe ich dort einen warmen Kaffee, ein Croissant und ein Buch bekommen, das ich fürs Studium gebraucht habe. Da habe ich gedacht: ‘Die rollen Dir einen roten Teppich aus, während die Mediziner Dich vier Stunden in der Kälte warten lassen’. So war die Entscheidung getroffen, ich bleibe bei der Technik."
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