Der designierte EnBW-Vorstandsvorsitzende Andreas Schell

Der designierte EnBW-Vorstandsvorsitzende Andreas Schell

Bild: © EnBW/Catrin Moritz

Der neue starke Mann bei EnBW: Der Aufsichtsrat hat Georg Stamatelopoulos zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt.Bild: © Catrin Moritz/EnBW

Überraschender Wechsel an der Spitze des Karlsruher Energiekonzerns. Das Unternehmen begründet den sofortigen Wechsel unter anderem mit unterschiedlichen Auffassungen "in entscheidenden Fragen der strategischen Weiterentwicklung", teilte EnBW mit.

Als neuer EnBW-Vorstandsvorsitzender übernimmt ab sofort Georg Stamatelopoulos, der zuletzt im Vorstand als Chief Operating Officer das Ressort "Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur" leitete. Er sei bis zum Ablauf des 31. Mai 2029 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt, teilte EnBW mit. Als seinen Stellvertreter hat der Aufsichtsrat den Finanzvorstand Thomas Kusterer ernannt.

Erneuerbare und wasserstofffähige Gaskraftwerke

In den vergangenen 15 Jahren habe Stamatelopoulos bei EnBW den Umbau der Erzeugung in verschiedenen Positionen "äußerst erfolgreich vorangetrieben". Die strategischen Entscheidungen hin zum stärkeren Wind- und PV-Ausbau bei gleichzeitiger Planung wasserstofffähiger Gaskraftwerke würden "maßgeblich die Handschrift" des 54-Jährigen tragen.

EnBW mit guten Zahlen

Die jüngsten Geschäftszahlen dürften indes kein zentraler Auslöser für die Trennung von Schell gewesen sein. Denn das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag nach neun Monaten 2023 bei über 4,04 Mrd. Euro. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum lag das Ebit noch bei 333,5 Mio. Euro.

Auch das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und außerordentlichen Kosten und Erträgen (Adjusted Ebidta) erreichte nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2023 4,92 Mrd. Euro. Nach den ersten neun Monaten 2022 lag das Adjusted Ebitda von EnBW bei rund 3 Mrd. Euro. Bei der Prognose für das Gesamtjahr stellte der Konzern ebenfalls gute Zahlen in Aussicht. Die Bilanzpressekonferenz ist für den 27. März terminiert.

Andreas Schell kam am 7. April 2022 als Nachfolger von Frank Mastiaux  und trat am 15. November 2022 sein Amt mit einer Vertragslaufzeit von drei Jahren an. Nun endet sein Vertrag vorzeitig, und zwar ohne einer Strategie bis 2030, um die EnBW seit Monaten ringt. Dass EnBW einen deutlichen Handlungsbedarf bei seiner strategischen Ausrichtung sieht, wurde bereits eine Woche zuvor deutlich. Am 1. März stellte der Konzern die 44-jährige Regina Wilde als neue Strategiechefin vor. Stefan Webers, der "seit 2013 die strategische Ausrichtung der EnBW auf Nachhaltigkeit mitgestaltet hat", ging auf eigenen Wunsch. Wilde war zuletzt beim Chemiekonzern BASF als Vice President tätig und ist auf unter anderem auf Nachhaltigkeitstransformation und die Themen Energy und Climate Policy spezialisiert.

Klare Ausrichtung fehlte

Der neue starke Mann Stamatelopoulos soll als bisheriger Leiter des Nachhaltigkeitsressorts hier jetzt für neue Impulse sorgen und dem Unternehmen eine klarere Ausrichtung geben. Genau das vermisste man bei Schell nach seinen eineinhalb Jahren Amtszeit, hieß es im Unternehmensumfeld. Der ehemalige Chef des Motorenherstellers Rolls-Royce Power Systems sei immer noch nicht in seinem neuen Unternehmen angekommen und lasse eine klare strategische Ausrichtung vermissen.

"Die EnBW ist ein wichtiger Akteur der Energiewende in all ihren Facetten - von Strom über Wärme bis zur Mobilität. Wir müssen in allen diesen Bereichen das richtige Tempo beibehalten, die richtigen Maßnahmen ergreifen und in die richtigen Projekte investieren", sagte Stamatelopoulos bei seiner Bestellung als neuer Konzernchef. (am)

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