EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp übernimmt die Verantwortung für jüngste Mängel im Kundenservice und verlässt den Oldenburger Energiekonzern vorzeitig zum Monatsende.
Wie aus einer Presseaussendung hervorgeht, habe der Manager selbst um eine Aufhebung des eigentlich bis Oktober 2023 laufenden Vertrags gebeten. Diesem Wunsch habe der Aufsichtsrat einvernehmlich zugestimmt.
"Servicequalität hat gelitten"
In seiner siebenjährigen Tätigkeit als Mitglied des Vorstands habe Heidkamp den Marktbereich des Konzerns "zukunftsorientiert" ausgebaut, wird EWE-Aufsichtsratsvorsitzender Bernhard Bramlage zitiert. Mit der Gründung von Glasfaser Nordwest, einem Joint Venture mit der Telekom Deutschland, der Mobilitätstochter EWE Go und dem Ausbau der Energiedienstleistungen habe er wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung des Unternehmens geschaffen.
"Leider hat jedoch im vergangenen Jahr die Servicequalität gelitten und die notwendigen Verbesserungen blieben bislang hinter den Erwartungen der Kunden und des Unternehmens zurück."
EWE selbstkritisch
Bereits im Mai hatte sich EWE auf ZfK-Nachfrage selbstkritisch gezeigt. "Der Service ist nicht auf dem Niveau, das unsere Kunden erwarten – und den wir auch von uns selbst erwarten", teilte damals ein Sprecher mit. "Aus oft unterschiedlichen Gründen sind viele Anfragen und Anliegen unserer Kundinnen und Kunden derzeit noch unbeantwortet."
Grund für die Probleme soll unter anderem eine Umstellung der Kundendatenbank gewesen sein, schrieb das Lokalblatt "Nordwest-Zeitung". Die Erreichbarkeit per Telefon habe zeitweise unter 20 Prozent gelegen. Demnach habe im November auch der Betriebsrat Alarm geschlagen und gewarnt, dass sich der Kundenservice "in einem beispiellosen Unwetter" befinde. Schon damals hatte der Konzern Gegenmaßnahmen angekündigt.
Kundenservice wird zunächst Chefsache
Weil die Probleme danach andauerten, hatte sich laut "Nordwest-Zeitung" der Aufsichtsrat des Unternehmens eingeschaltet und beschlossen, "dass mit einer externen Prüfung auch die Ursachen und Verantwortlichkeiten der gegenwärtigen Probleme geprüft werden, um eine ausreichende Grundlage für weitere Beratungen und Entscheidungen zu Konsequenzen zu erhalten."
Die EWE-Geschäftsführung will Heidkamps Verantwortungsbereich zunächst kommissarisch unter sich aufteilen. Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender des Konzerns, soll demnach ab sofort die Verantwortung für den Kundenservice übernehmen, bis die Nachfolge geklärt ist. (aba)



