Wie werden Frauen in der Kommunalwirtschaft sichtbarer? Die Teilnehmerinen der Netzwerkveranstaltungen hatten viele Ideen.

Wie werden Frauen in der Kommunalwirtschaft sichtbarer? Die Teilnehmerinen der Netzwerkveranstaltungen hatten viele Ideen.

Bild: © Screenshot VKU Verlag

Frauen in Führungspositionen sind in der Kommunalwirtschaft immer noch deutlich in der Minderheit – und das nicht nur in den technischen Berufen. Warum ist das so? Wie können Frauen sich intern besser positionieren und in einer Männerdomäne sichtbarer werden? Wichtige Impulse gab das erste digitale Treffen des neuen Netzwerks„Frauen in der Kommunalwirtschaft - powered by ZfK“, das am Donnerstagabend stattfand. Teilnehmerinnen aus kommunalen Unternehmen aller Sparten und aus ganz Deutschland gaben Einblicke in ihren persönlichen Werdegang.

Schnell wurde klar: Frauen sind oft viel zu zögerlich, wenn es darum geht, die eigenen Leistungen ins rechte Licht zu rücken. „Viele Frauen denken, dass der Chef es schon merken wird, wenn man ein Projekt gut umgesetzt hat“, sagte die Kommunikations-, Positionierungs- und Netzwerkexpertin Christiane Wolff. Männer seien da viel offensiver und würden ihre Erfolge offensiv hervorheben. Nach Überzeugung von Nicole Kremer, Managing Director von Zoom Consulting, nicht der falsche Ansatz: „Klappern gehört zum Handwerk. Man muss schon selbst dafür Sorgen, dass die Vorgesetzten einen auch auf dem Radar hat.“

Licht nicht unter den Scheffel stellen

Sie empfahl den Teilnehmerinnen der Runde, ein Erfolgstagebuch zu führen und sich detailliert zu notieren, was man im Unternehmen vorangebracht hat. Regelmäßige Treffen mit den Chefinnen und Chefs – etwa in Form eines Jour Fixe - sollten dann von den Frauen gezielt genutzt werden, um zu zeigen, was erreicht wurde. „Ganz wichtig ist, dass Frauen dabei auch mal das Wort Ich benutzen“, betonte Kremer. Teamarbeit sei wichtig, aber es gebe keinen Grund, die eigenen Leistungen hinter einem anonymen Wir zu verstecken. „Wir Frauen haben die Bescheidenheit mit der Muttermilch eingeflößt bekommen. Männer sprechen viel selbstverständlicher über ihre Leistungen.“

Wichtig sei auch, sich zu überlegen, welche Meilensteine man wann im Berufsleben erreichen will. „Am Anfang der Karriere ist es völlig in Ordnung, sich treiben zu lassen. Aber ab Mitte 40 stagniert die Karriere oft. Da ist es dann wichtig, größer zu denken und zu sagen: Ich will Führungskraft werden.“

Die eigenen Ziele klären

Aber muss überhaupt jede Frau das Ziel haben, Personalverantwortung zu tragen und Chefin zu werden? Nein, waren sich die Teilnehmerinnen einig. „Natürlich muss nicht jede Frau Geschäftsführerin werden“, sagte Nicole Kremer. Der einen Frau sei es wichtig, Verantwortung für Menschen zu übernehmen, der anderen komme es in erster Linie darauf an, anerkannte Expertin für ein bestimmtes Thema zu sein und diese voranzutreiben. Kommunale Unternehmen seien gut beraten, beide Arten von Karriere möglich zu machen, gab Nadine Horn, Bereichsleiterin Personal bei der Stadtwerke Jena Gruppe, zu bedenken. Insbesondere jüngere Mitarbeiter seien häufig an der Übernahme von „Expertenrollen“ interessiert und weniger an „klassischen“ Führungsrollen, so ihr Eindruck.

Das bestätigte sich im Gespräch mit den Teilnehmerinnen der Veranstaltung. Viele Frauen führten aus, dass es ihnen bei der Übernahme von Führung darauf ankomme, Dinge mitgestalten zu können. Es sei ihnen wichtig, eine sinnstiftende Arbeit zu machen, die dann idealerweise auch wertgeschätzt wird. Aber es kann auch ganz andere Gründe für den Aufstieg geben: „Ich habe mir gedacht: Ehe du einen doofen Chef bekommst, machst du das lieber selbst“, berichtete eine Teilnehmerin, die nach eigenen Angaben eigentlich nie vorhatte, Geschäftsführerin zu werden.

Social Media nutzen

Nicole Kremer legte den Netzwerk-Mitgliedern ans Herz, die Sozialen Netzwerke zu nutzen, um sich zu positionieren und die eigenen Kernbotschaften zu vermitteln. Mittagessen mit Vorgesetzten, aber auch anderen Menschen, die wichtig für das eigene Fortkommen sind, seien ebenfalls ein wichtiger Schritt. „Never lunch alone“, müsse das Motto sein.

Vor welchen besonderen Herausforderungen Frauen in MINT-Berufen stehen, wird das Thema des nächsten digitalen Treffens der „kommunalen Frauen“ sein. Es findet am 14. Dezember statt. Zu den Gastgeberinnen gehört Christine Mesek, Verbandsvorsteherin des Abwasser-Zweckverbands Südholstein. Interessentinnen können sich hier kostenlos registrieren. Miriam Kruszczynski, eine der Mitgründerinnen des Frauen-Netzwerkes des VKU Verlages, freut sich über Input. Sie ist hier erreichbar. (amo)

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