Eine neue Studie der Zeppelin-Universität und der Personalberatung LAB & Company liefert empirische Daten, wie hoch die Vergütungen in kommunalen Unternehmen sind. (Symbolbild)

Eine neue Studie der Zeppelin-Universität und der Personalberatung LAB & Company liefert empirische Daten, wie hoch die Vergütungen in kommunalen Unternehmen sind. (Symbolbild)

Bild: © jirsak/AdobeStock

Gastbeitrag von
Arne Sievert,
Senior Manager
Kienbaum Consultants International

Eric Steffen Keil,
Bereichsleiter Personal, Organisation, Finanzen und
stellvertretender Abteilungsleiter Zentralabteilung
Verband kommunaler Unternehmen (VKU)

Der VKU und Kienbaum Consultants führen jedes Jahr eine Befragung zu den Verdiensten im Topmanagement kommunaler Unternehmen durch. Die Erkenntnisse fließen in die Club-Vergütungsbenchmark Energie + Wasser + Entsorgung ein, die in seiner Art seit vielen Jahren zu den größten Untersuchungen auf dem deutschen Markt zählt.

In den Jahren 2022 und 2023 haben die Gehaltsentwicklungen an Dynamik gewonnen, als im Kontext des Krieges in der Ukraine die Inflation im Euro-Raum deutlich anzog. Dies erhöhte den Druck auf die Unternehmen, attraktive Vergütungsniveaus im tariflichen und außertariflichen Bereich bereitzustellen.

Da nun die Inflation wieder spürbar zurückgegangen ist und sich gesamtwirtschaftlich eine Eintrübung andeutet, stellt sich mit Blick auf die stattfindenden Gehaltsrunden und den weiterhin zunehmenden Fach- beziehungsweise Arbeitskräftemangel für viele Unternehmen die Frage, wo sich aktuelle Vergütungsniveaus einpendeln und ob der Pfad deutlicher Steigerungen fortgesetzt wird.

Die derzeitige Entwicklung fordert viele Unternehmen, genauer hinzusehen. Der Druck zur Vermeidung ungewollter Über- beziehungsweise Unterzahlung nimmt zu und wird zur Herausforderung für die HR-Politik.

Im diesjährigen Vergütungsbenchmark Energie + Wasser + Entsorgung, der gemeinsam vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Kienbaum Vergütungsberatung durchgeführt wurde, wurden die Vergütungen in Jobs der Branche erfasst und den Club-Teilnehmern auf einer neuen digitalen Club-Plattform zur Verfügung gestellt.

Durchschnittsgehälter für verschiedene Karrierestufen

Obwohl die Detailergebnisse vereinbarungsgemäß exklusiv den Teilnehmern zur Verfügung stehen, hier einige wesentliche Erkenntnisse im Überblick:

187.000 Euro beträgt das durchschnittliche Gehalt eines Geschäftsführers in einem kommunalen Ver-/Entsorgungsunternehmen, 117.000 Euro beträgt das durchschnittliche Gehalt von Führungskräften auf der oberen Führungsebene (Bereichsleiter), 92.000 Euro auf der mittleren Führungsebene (Abteilungsleiter) und 77.000 Euro auf der Fachebene der Referenten beziehungsweise Spezialisten.

Im Vergleich zur Privatwirtschaft zeigt sich, dass vor allem Geschäftsführungs- und Führungsfunktionen deutlich besser als vergleichbare Unternehmen der Ver- und Entsorgungswirtschaft bezahlt werden. Im Durchschnitt erhalten Geschäftsführungen in der Privatwirtschaft über alle Unternehmensgrößen hinweg betrachtet ein Gehalt, das fast dem Doppelten von Geschäftsführungsvergütungen in der kommunalen Ver- und Entsorgungswirtschaft entspricht.

Diese Unterschiede sinken zwar bei den nachfolgenden Führungsfunktionen, jedoch erhalten obere Führungsfunktionen der ersten Ebene unter der Geschäftsführung eine durchschnittliche Vergütung von 143.000 Euro und liegen damit etwa 25 Prozent über den Vergütungen vergleichbarer Positionen in der Ver- und Entsorgungswirtschaft.

Variable Gehaltsanteile auf dem Vormarsch

Die Aufteilung der Bezüge in feste Monatsgehälter und eine variable Jahresabschlusszahlung (zum Beispiel Bonus, Tantieme, Gratifikation) ist in den Unternehmen der Ver- und Entsorgungswirtschaft kein Neuland mehr. Dies gilt sowohl für die überwiegende Anzahl der teilnehmenden Stadtwerke, die bereits variable Vergütungssysteme praktizieren, als auch zu Teilen für die kommunalen Entsorgungsunternehmen, die über die leistungs- und erfolgsorientierte Komponente des § 18 TVöD variabel entlohnen, teilweise aber auch darüber hinausgehende Regelungen vorsehen.

Obwohl variable Vergütungsbestandteile in den teilnehmenden Unternehmen auf den Führungsebenen bereits stärker verbreitet sind, haben diese immer noch eine geringere Bedeutung als in der Privatwirtschaft. Angesicht vieler Jahre, in denen sich insbesondere die Versorgungswirtschaft im Wettbewerb befindet, scheinen die öffentlichen Einflüsse immer noch prägend für dieses Bild zu sein.

Im Vergleich zu anderen Industrien und Dienstleistungszweigen zeigen insbesondere die Höhe und Ausgestaltung der variablen Vergütung Handlungsbedarf.

Strategische Weiterentwicklung der Bonussysteme

Weit verbreitet sind zielorientierte Bonussysteme. Häufig sind diese mit den Instrumenten der Zielvereinbarung und Leistungsbeurteilung verknüpft. Nicht selten sind diese inhaltlich seit ihrer Ersteinführung in den Unternehmen kaum oder nur wenig weiterentwickelt worden. Defizite, wie die mangelnde Anbindung an die strategischen Themen, eine nur schwach ausgeprägte Performance-Orientierung oder die mangelnde Entwicklungsorientierung in den Systemen sind nur einige Problemfelder, die in der Praxis zu einem negativen Image führen und die Potenziale liegen lassen.

Dabei hat es gerade in den vergangenen Jahren im Bereich des Performance-Managements viele Entwicklungen gegeben, die diese Defizite aufgreifen und in der Privatwirtschaft schon häufig ihre Umsetzung gefunden haben. Hierzu zählen beispielsweise die Stärkung der übergreifenden Zusammenarbeit und die Kollektivierung in der Performance-Steuerung bis zu Erfolgsbeteiligungen oder auch die konsequent strategische Anbindung der Performance-Systeme bei gleichzeitiger Stärkung einer qualitativen Ausrichtung (nicht nur das Was, sondern auch das Wie ist von Bedeutung). Insgesamt ist auch ein Trend in die Richtung von mehr Einfachheit und Verständlichkeit spürbar: weg von zu viel Komplexität, Fokussierung auf das Wesentliche und Vergütung als Ausdruck von Strategie, Kultur und Werten.

Prognosen für das kommende Jahr

Der Mangel an gut qualifiziertem Personal bleibt ein zentraler Faktor, der die Gehaltsentwicklungen in Deutschland mitbestimmt. Wie werden sich vor diesem Hintergrund die Gehälter in der Energiewirtschaft 2025 entwickeln?

Aus der Untersuchung des Club-Benchmarks Energie + Wasser + Entsorgung sowie des Branchen-Cuts der Kienbaum-Gehaltsentwicklungsprognose, an der über 1250 Unternehmen teilgenommen haben, lässt sich für 2025 eine Gehaltssteigerung in Deutschland von durchschnittlich 3,8 Prozent prognostizieren. Dies entspricht auch dem Niveau des Gesamtmarktes. Dennoch bleibt der Druck auf die Gehälter hoch, vor allem in Berufsfeldern, die im Markt seltener beziehungsweise schwerer zu finden sind.

Aus der Untersuchung ging außerdem hervor, dass rund 25 Prozent der Unternehmen der Energiewirtschaft berichten, dass die Stellenbesetzung einfacher wird. Doch: Die Gehaltsforderungen der Bewerbenden bleiben hoch. Lediglich vier Prozent der Unternehmen verzeichnen sinkende Erwartungen.

Die geschilderten Erkenntnisse kommen aus dem Club-Vergütungsbenchmark Energie + Wasser + Entsorgung, der in seiner Art seit vielen Jahren zu den Größten auf dem deutschen Markt zählt. Die Untersuchung wird auch 2024 wieder als geschlossener Kreis von Kienbaum und dem VKU durchgeführt; d. h., die Ergebnisse stehen den Teilnehmern exklusiv zur Verfügung.

Darüber hinaus werden voraussichtlich im Februar 2025 zentrale Ergebnisse des Vergütungsbenchmarks sowie das Tool anhand von Live-Beispielen im VKU-Personalnetzwerk vorgestellt. Anmeldungen für das digitale Treffen bitte per E-Mail an zentralabteilung@vku.de.

Arne Sievert,  Senior Manager bei Kienbaum Consultants International GmbH | E-Mail: Arne.Sievert@kienbaum.de | Tel.: +49 221 801 72-731
Alexandra Papic | Verband kommunaler Unternehmen e.V. | E-Mail: papic@vku.de | Tel.: +49 30 585 80-211
 

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