22,8 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland werden von einer Frau geführt – das sind 664.000. Dies belegt eine aktuelle Studie der Creditreform Wirtschaftsforschung.
Die Untersuchung zeigt auch: Der Anteil weiblicher Führungskräfte unterscheidet sich kaum zwischen mittelständischen Unternehmen und Großunternehmen. Letztere mit einer Bilanzsumme über 43 Millionen Euro haben mit 21,8 Prozent einen nur leicht geringeren Frauenanteil.
Der Schwerpunkt der Untersuchung lag auf der Management- und Führungsstruktur - das Forschungsteam hat die "betriebsleitenden Personen" von 2,91 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen einbezogen.
Branchenunterschiede erkennbar- Energieversorger legen zu
Die einzelnen Wirtschaftszweige wurden genauer unter die Lupe genommen: Im Bereich „Energieversorgung“ stieg der Anteil weiblicher Führungskräfte in diesem Jahr auf 16,32 Prozent. In 2011 waren es noch 9,8 Prozent. Das ist eine signifikante Steigerung.
In anderen Sektoren haben sogar noch mehr Frauen das Sagen: Der Bereich "Gesundheits- und Sozialwesen" verzeichnet die höchste Quote mit 51,0 Prozent, gefolgt von „sonstigen Dienstleistungen“ wie Friseure, Optiker oder Interessenvertretungen (47,3 Prozent). Danach kommen die Wirtschaftsbereiche „Erziehung und Unterricht“ (36,7 Prozent) sowie „Gastgewerbe“ (30,4 Prozent). Vergleichsweise selten finden sich Frauen in den Führungsriegen der Bereiche „Baugewerbe“ (7,3 Prozent), „Information und Kommunikation“ (12,5 Prozent) sowie „Verarbeitendes Gewerbe“ (14,8 Prozent).
„Die Realität in den Wirtschaftsbereichen spiegelt oftmals noch die klassische Berufswahl der Geschlechter“, kommentiert Creditreform Sprecher Hantzsch die Auswertung. So sei die Übernahme von Führungsverantwortung in einer Branche häufig an den eigenen beruflichen Werdegang geknüpft.
Nicht mehr zu übersehen: Frauen führen
„In der obersten Chefetage von kleinen und mittleren Unternehmen sind Frauen signifikant häufiger anzutreffen als in den Vorjahren. Im Jahr 2011 lag der Anteil von Frauen in der Führungsspitze erst bei 18,9 Prozent“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.
„Ein Grund für diese Entwicklung ist der generelle Anstieg der Erwerbsbeteiligung von Frauen. Frauen gründen häufiger, wählen öfter den Weg in die Selbstständigkeit und das Unternehmertum“, so Hantzsch weiter.
„Unsere Zahlen zeigen, dass in rund 664.000 kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland eine Frau in der Unternehmensleitung tätig ist. Im Mittelstand ist ein weiblicher Chef keine Seltenheit mehr“, betont Hantzsch.
Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung
Es gibt regionale Unterschiede
Der Mittelstand in Ostdeutschland ist überdurchschnittlich häufig in Frauenhand - so in Sachsen-Anhalt (25,0 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (24,7 Prozent), gefolgt von Berlin (24,3 Prozent) und Sachsen (24,0 Prozent).
Leicht unterdurchschnittlich ist der Frauenanteil in Führungspositionen dagegen in Bremen (21,6 Prozent) und Bayern (21,7 Prozent). (bs)




