Kevin Hähnlein ist seit knapp fünf Jahren in der Welt des Digitalen Arbeitsplatzes tätig, in seiner Studienzeit arbeitete er als Consultant bei T-Systems, inzwischen ist er bei Unily als Sales Engineer für die DACH-Region verantwortlich. Das Software-Unternehmen hat sich auf Cloud-Intranet-Lösungen spezialisiert und betreut namhafte Kunden wie McDonalds, Shell oder Canon.

Kevin Hähnlein ist seit knapp fünf Jahren in der Welt des Digitalen Arbeitsplatzes tätig, in seiner Studienzeit arbeitete er als Consultant bei T-Systems, inzwischen ist er bei Unily als Sales Engineer für die DACH-Region verantwortlich. Das Software-Unternehmen hat sich auf Cloud-Intranet-Lösungen spezialisiert und betreut namhafte Kunden wie McDonalds, Shell oder Canon.

Bild: © Unily

Kein Ende des Homeoffice in Sicht: Herr Hähnlein, wie verändert die Pandemie unsere Bürokultur?
Kevin Hähnlein, Sales Engineer für die DACH-Region bei Unily: Unsere Bürokultur musste sich zwangsweise digitalisieren. Je nach Branche ersetzen virtuelle Meetings den Büroalltag und viele Berufstätige arbeiten schon seit über einem Jahr aus dem Homeoffice. Aktuelle Studien zeigen, dass es, bezogen auf den Arbeitsalltag, sowohl Vor- als auch Nachteile hinsichtlich der Produktivität oder der psychischen Gesundheit von Arbeitnehmer:innen gibt.

Jedenfalls hat sich gezeigt, dass es sich lohnt, eine langfristige Strategie für den hybriden Arbeitsalltag zu entwickeln und Beschäftigten zu ermöglichen, ihre Arbeitszeiten zwischen dem Büro und dem Homeoffice flexibel aufzuteilen. Eine ortsunabhängige Zusammenarbeit muss dafür natürlich möglich sein. Dies klingt im ersten Schritt simpel und viele Unternehmen haben die rein technologische Hürde durch die Einführung von verschiedenen Tools überwinden können. Jedoch haben die vergangenen Monate gezeigt, dass es jede Menge Übung erfordert, die digitale Zusammenarbeit langfristig und vor allem erfolgreich umzusetzen. Tools, die den vorherigen Modus Operandi bloß digitalisieren, reichen hier nicht aus.
 

Was wünschen sich Mitarbeitende aktuell und künftig von der internen Kommunikation?
Mitarbeitende wollen in erster Linie stets umfassend informiert sein, ohne dabei von für sie irrelevanten Nachrichten überschwemmt zu werden. Ob auf dem Laptop, Tablet und Smartphone der Mitarbeiter:innen oder auf Bildschirmen in der Caféteria – die wichtigsten Informationen und aktuellen Kampagnen müssen omnipräsent sein und zielgruppenspezifisch ausgespielt werden.

Zudem ist es wichtig, Formen der Teilhabe zu ermöglichen. Interne Kommunikation ist heute mehr als eine – digitale – Unternehmenszeitung. Der Anspruch an entsprechende Employee Experience-Plattformen geht zunehmend über einen einseitigen Top-Down-Kommunikationskanal hinaus, über den die Geschäftsleitung Inhalte an die Beschäftigten heranträgt. Intranets können heute zur tragenden Säule des hybriden Arbeitsalltags werden und der Belegschaft ermöglichen, sich aktiv an der Unternehmenskommunikation zu beteiligen: Dies ist zum Beispiel in Form von Blogbeiträgen, Umfragen, internen Ideenportalen oder mit Gamification-Funktionen möglich.  

Was fördert kontinuierlich eine Weiterentwicklung der Firmenkultur, wenn die Belegschaft aus dem Homeoffice arbeitet?
Genau diese Elemente der Teilhabe sind es, die Zusammenhalt und Kreativität, aber auch Dankbarkeit und Anerkennung digital ermöglichen. Wer ohne Pause von Webkonferenz zu Webkonferenz eilt und dabei womöglich sogar das Mittagessen vergisst, wird nach nicht allzu langer Zeit ausgebrannt sein. Es ist absolut essenziell, dass sich Arbeitgeber:innen aktiv um die psychische Gesundheit aller Mitarbeitenden sowie die langfristige Identifikation mit dem Unternehmen bemühen.

Hierfür können über ein Intranet verschiedene kleine Kampagnen bereits große Wirkung erzielen: Regelmäßige Umfragen, offene Managementkommunikation, Feedbackmöglichkeiten sowie transparente Anerkennung für gute Leistungen sind ein erster Schritt zur Weiterentwicklung der Firmenkultur trotz Homeoffice.

Wie kann virtuell eine Dynamik entstehen, die mit der des analogen Büros mithalten kann?
Die Dynamik des analogen Büros zu virtualisieren ist schwer. Wichtig ist, dass Unternehmen hierfür einen ausgewogenen Mix aus kreativen Methoden, Tools und kontinuierlichem Enabling einsetzen und diverse Stakeholder in die Verantwortung nehmen. Virtuelle Kaffeerunden mit zufällig ausgewählten Kolleg:innen oder eine Videobotschaft der Geschäftsführung sind gute Instrumente.

Letztendlich sind aber vor allem Führungskräfte gefragt, um die individuellen Bedürfnisse von Mitarbeiter:innen zu identifizieren und darauf einzugehen, wie für alle eine funktionierende Balance zwischen Arbeit und Privatleben ermöglicht werden kann. Insbesondere ist es wichtig, auf transparente Kommunikation zu setzen und Wissensaustausch aktiv einzufordern. Nur, wenn weiterhin über gut und schlecht funktionierende Abläufe gesprochen wird, können alle gemeinsam lernen und die Dynamik des analogen Büros aufrechterhalten.

Wie bauen Unternehmen bei Mitarbeiter:innen weiterhin ein Gefühl der Zugehörigkeit zum Unternehmen auf?
Employer Branding erlangt einen immer höheren Stellenwert und ist umso wichtiger, wenn Mitarbeiter:innen weniger physische Touchpoints mit ihrem Unternehmen haben. Ich glaube, dass jede Organisation dies zunächst erkennen und dann konkrete Stellen für diese Aufgabe schaffen sollte.

Um ein Gefühl der Zugehörigkeit zu erzeugen, sollte schließlich auf möglichst kreative Kampagnen und unerwartete Dinge gesetzt werden, die die Einzigartigkeit des Unternehmens hervorheben. Mit dem bereits erwähnten Mix aus Tools und Methoden sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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