So organisiert Duisburg die kommunale Wärmeplanung

Nicolas Löser ist Geschäftsfeldleiter Wärme der Stadtwerke Duisburg.
Bild: © Daniel Tomczak
Von Stadtwerken bis Handwerk – in Duisburg arbeiten alle Akteure an einer gemeinsamen Strategie für die Wärmewende. Katja Kleegräfe, Referentin für Unternehmensentwicklung bei der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV) und Nicolas Löser, Geschäftsfeldleiter Wärme bei Stadtwerke Duisburg berichten im Gespräch, welche Strukturen und Kompetenzen es dafür braucht.
Katja Kleegräfe ist Referentin Unternehmensentwicklung der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV).
Bild: © privat
Wer ist alles an der kommunalen Wärmeplanung in Duisburg beteiligt?
Katja Kleegräfe: In Duisburg ist die kommunale Wärmeplanung als strategisches Zukunftsprojekt aufgesetzt – mit klar verteilten Rollen: Die planungsverantwortliche Stelle ist die Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Duisburg. Die technische Umsetzung wurde an die DVV übertragen, innerhalb derer die Unternehmensentwicklung die Projektleitung übernommen hat.
Je nach Thema sind Tochterunternehmen wie Stadtwerke Duisburg, Netze Duisburg oder Fernwärme Duisburg eingebunden. Daneben arbeiten wir auch mit mehreren externen Partnern zusammen.
Ein Lenkungskreis unter Vorsitz des Oberbürgermeisters bündelt die zentralen Entscheidungen. Ergänzt wird er durch einen breit aufgestellten Beirat mit Vertreter:innen aus Wohnungswirtschaft, Handwerk, Industrie, Politik, Verbraucherschutz, IHK und Banken. Die operative Projektarbeit erfolgt in einem gemeinsamen Team von Stadt und DVV.
Wie definieren Sie Ihre Rolle im Prozess der kommunalen Wärmeplanung?
Nicolas Löser: Ich verstehe mich als technischer Dienstleister in der Wärmeplanung. Mein Team und ich bringen unser technisches Know-how in Analyse und Planung ein. Ebenso bringen wir einen Großteil der relevanten Daten für die Erstellung des digitalen Zwillings mit, die wir gesammelt, aufbereitet und validiert zur Verfügung stellen. Zudem treten wir als Gesicht des technischen Parts der Wärmeplanung gegenüber allen Akteuren auf.
"Entscheidungen entstehen im Konsens –
in Workshops, Arbeitsgruppen, Lenkungskreis und Beirat."
Kleegräfe: Ich sehe mich als Partnerin der Kommune und als Schnittstelle zwischen Stadt, Konzern und Stakeholdern. Wir sind fachliche Ansprechpartner, Wissensvermittler, Kontextgeber – und bringen unsere Perspektive gezielt in die Prozesse ein.
Wie haben Sie die Aufgaben personell im Team gelöst?
Löser: Wir konnten die Aufgaben mit dem vorhandenen Know-how im Konzern gut abbilden. Ergänzend haben wir gezielt Weiterbildungsangebote genutzt – zum Beispiel bei NRW Energy4Climate oder dem Fraunhofer Umsicht. Der Austausch mit anderen Stadtwerken und Kommunen war ebenfalls sehr wertvoll.
Wie erfolgt die Entscheidungsfindung – und wer legt Prioritäten fest?
Löser: Entscheidungen entstehen im Konsens – in Workshops, Arbeitsgruppen, Lenkungskreis und Beirat. Zudem haben wir das Feedback der Bürgerinnen und Bürger, mit denen wir uns im Rahmen von Bürgerdialogen intensiv ausgetauscht haben, in der Entscheidungsfindung berücksichtigt.
Wie läuft die Öffentlichkeitsarbeit?
Kleegräfe: Die Öffentlichkeitsarbeit haben wir zusammen mit externen Partnern konzipiert. Ein Stakeholderkonzept diente als Grundlage für Infoveranstaltungen, Bürgerrunden und zielgruppenspezifische Formate – etwa für Handwerk, IHK oder Mietervereine. Zusätzlich betreibt die Stadt unter du-heizt.de eine zentrale Anlaufstelle für Bürgeranfragen.
Wie wird die Umsetzung gestaltet – und wer ist beteiligt?
Löser: Die Umsetzung des Wärmeplans ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und liegt in der Verantwortung vieler Akteure: Private Hauseigentümer:innen und die Wohnungswirtschaft sorgen für Sanierung und Systemwechsel, Stadtwerke und Fernwärme Duisburg bauen Netze und Erzeugungsanlagen.
Die Stadt unterstützt mit Beratung, Fördermittelmanagement und Quartierskonzepten. Auch Handwerksbetriebe, Banken und die IHK leisten entscheidende Beiträge – von der praktischen Umsetzung bis zur Finanzierung und Qualifizierung.
Kleegräfe: Langfristig ist die Zusammenarbeit zwischen Stadt und DVV über den Lenkungskreis und Beirat angelegt. Die etablierten Abstimmungsformate sollen bestehen bleiben und um operative Kooperationen ergänzt werden.
"Es sollten Routinen und feste Strukturen geschaffen werden,
die für einen reibungslosen Projektablauf sorgen."
Welche Empfehlungen würden Sie anderen Kommunen geben, was die Kompetenzaufteilung betrifft?
Kleegräfe: Wir empfehlen, zu Beginn eine klare Projektdefinition mit gemeinsamen Zielen zu erarbeiten, um allen Beteiligten eine gemeinsame Orientierung zu geben. Ebenso sollte frühzeitig für eine eindeutige Rollenverteilung gesorgt werden, damit Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten jederzeit transparent sind.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die frühzeitige und regelmäßige Kommunikation im Projektteam. Parallel dazu sollten Routinen und feste Strukturen geschaffen werden, die für einen reibungslosen Projektablauf sorgen.
Das Projekt profitiert außerdem dann, wenn Verständnis für unterschiedliche Perspektiven gefördert wird – verschiedene Sichtweisen können wertvolle Impulse für die Projektentwicklung geben. Nicht zuletzt wird empfohlen, erfahrene Dienstleister an Bord zu holen, um von externem Fachwissen und Praxiserfahrung zu profitieren.
Das Interview führte Cristina Grüning. Sie arbeitet für Modul3 – eine Agentur für strategische Beratung. Die ZfK arbeitet seit November 2019 langfristig redaktionell mit Modul3 zusammen. Die Dortmunder entwickeln Marken und Strategien für Stadtwerke und Kommunen. Dazu gehören strategische Planung, Content Marketing und Umsetzung.
Der Beitrag ist zuvor in der September-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.


