Peter Grabowsky wird neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Oranienburg in Brandenburg. Im April übernimmt er von Vertriebsleiter André Gerisch, der das vollständig kommunale Unternehmen vor den Toren Berlins seit dem Weggang des schillernden, aber auch umstrittenen Langzeitchefs Alireza Assadi übergangsweise führt.
Oranienburg eist Grabowsky von den Stadtwerken Iserlohn in Nordrhein-Westfalen los, wo dieser derzeit noch Vertriebs- und Beschaffungsleiter ist. Anders als vor elf Jahren also setzt die Stadt damit auf einen Manager, dem das kommunale Umfeld wohl vertraut ist.
Assadi richtete Stadtwerke neu aus
Assadi war vor seinem Engagement in Oranienburg ausschließlich in der Privatwirtschaft unterwegs gewesen. Unter anderem hatte er im Vorstand des bundesweiten Stromanbieters Teldafax gearbeitet und frühzeitig auf finanzielle Schwierigkeiten des inzwischen insolventen Unternehmens aufmerksam gemacht, weshalb er gehen musste und bundesweit bekannt wurde. Über die Neuanstellung in Oranienburg berichtete damals sogar das "Handelsblatt".
Assadi richtete die Stadtwerke Oranienburg neu aus. Das Unternehmen stieg in der Folge in den bundesweiten Strom- und Gasvertrieb ein und erwirtschaftete im Jahr 2021 nach eigenen Angaben einen Gewinn von rund zwei Mio. Euro. Der Jahresumsatz betrug demnach zuletzt 91 Mio. Euro.
Personalunion aufgelöst
Assadis Bestreben, eine Holding für alle Oranienburger Tochterunternehmen zu gründen und sich selbst zum Geschäftsführer zu machen, war der Anfang vom Ende der insgesamt zehnjährigen Amtszeit. Der selbstbewusste Manager überwarf sich mit Teilen der Stadtverordnetenversammlung und musste im September vorzeitig gehen.
In der Folge entschied die Stadt, die Personalunion an der Spitze der Oranienburg Holding und der Stadtwerke aufzulösen. Chef der Dachgesellschaft wird von Februar an der langjährige Eon-Manager Olaf Lüke. (Die ZfK berichtete.)
Zukunft des bundesweiten Vertriebs
Grabowsky übernimmt die Stadtwerke mitten in einer historischen Energiekrise. Die bundesweite Neukundenakquise hat der Versorger seit Beginn der Energiekrise überwiegend ausgesetzt. Auch am Dienstagnachmittag ließen sich für Berliner Interessenten auf der entsprechenden Plattform weder Strom- noch Gasverträge abschließen.
Kurz vor seinem Abschied Ende September hatte Assadi im ZfK-Interview gesagt, dass die Stadtwerke nicht an eine Aufgabe des bundesweiten Vertriebs denken würden. "Sollte sich die Lage an den Energiemärkten aber weiter zuspitzen, könnte dies auch in Oranienburg in Erwägung gezogen werden." (aba)



