Im Februar 2021 wechselte Udo Engel von Neuwied nach Bad Säckingen. Zum Jahresende legt er sein Amt aus persönlichen Gründen nieder (Symbolbild).

Im Februar 2021 wechselte Udo Engel von Neuwied nach Bad Säckingen. Zum Jahresende legt er sein Amt aus persönlichen Gründen nieder (Symbolbild).

Bild: © slexp880/Adobestock

Die Stadtwerke Bad Säckingen erleben aktuell ein Wechselbad der Gefühle. Nachdem der Gemeinderat erst kürzlich dem Rettungspaket für das finanziell angeschlagene Unternehmen zustimmte, wird nun Geschäftsführer Udo Engel sein Amt aus persönlichen Gründen zum Jahresende niederlegen. Der Diplom-Ingenieur war vor eineinhalb Jahren von den Stadtwerken Neuwied an die Spitze der des mehrheitlich kommunalen Versorgers im baden-württembergischen Landkreis Waldshut gewechselt.

Alexander Guhl, Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens und Bürgermeister der Stadt, bedauert die Entscheidung laut Pressemitteilung sehr. „Gerade jetzt wäre Kontinuität gefragt gewesen, um die Stadtwerke gut aus ihrer aktuell finanziell schwierigen Situation zu führen“, sagte er.

"Engel hat das Unternehmen besonnen geführt"

Der Aufsichtsratsvorsitzende dankte dem scheidenden Geschäftsführer für seine Souveränität in der Krise: „Udo Engel hat das Unternehmen auch in dieser angespannten Phase besonnen geführt und den Mitarbeitenden Sicherheit vermittelt.“ Dieser Einschätzung schließe sich die Mitgesellschafterin, die Energiedienst Holding AG an. Die Stadt Bad Säckingen hält 73,7 Prozent der Anteile am Unternehmen, Energiedienst 26,3 Prozent.

Das Unternehmen mit über 60 Mitarbeitenden hatte im vergangenen Jahr aufgrund einer offensiveren Beschaffungsstrategie größere Mengen Gas zu sehr hohen Preisen nachkaufen müssen. Daraus resultieren Verluste von über 3,2 Mio. Euro. Das noch nicht testierte Defizit trifft das Unternehmen umso schwerer, weil es massiv unterkapitalisiert ist.

Fortführungsprognose ist an Finanzspritze gekoppelt

Hintergrund ist, dass bis 2020 über einen Gewinnabführungsvertrag nahezu sämtliche Einnahmen an die Gesellschafter ausgeschüttet wurden. Um das Unternehmen zu stabilisieren wollen die Gemeinde und Energiedienst 15 Mio. Euro an frischem Eigenkapital in das Unternehmen einbringen. 11 Mio. davon soll die Stadt über Kredite aufbringen, die Kommunalaufsicht muss noch zustimmen. Die positive Fortführungsprognose für das Unternehmen ist an die Umsetzung der Kapitalspritze gekoppelt.

Die offensivere Beschaffungsstrategie mit höheren Spotmarktanteilen soll nach ZfK-Informationen schon vor Engels Amtsantritt bestanden haben und von diesem entsprechend korrigiert worden sein. Deshalb hatte Bürgermeister Guhl erst vor kurzem noch betont, dass Engel sein „uneingeschränktes Vertrauen“ genieße.

Ermittlungen gegen Engels Vorgänger wegen Verdachts auf Untreue laufen noch

Ob ein Zusammenhang zwischen den erwarteten Verlusten und den Ermittlungen gegen den Vorgänger von Engel und ehemaligen Stadtwerke-Geschäftsführer Martin Ritter wegen Verdachts auf Untreue besteht, wollte sich Bürgermeister Guhl mit Verweis auf das laufende Verfahren vor einigen Wochen nicht äußern.

Udo Engel betont in der offiziellen Pressemitteilung, dass er sich in Bad Säckingen stets wohl gefühlt habe: Das Vertrauen, das ihm die Gesellschafterinnen, die Belegschaft und Arbeitnehmervertretung von Anfang an entgegengebracht hätten, wisse er sehr zu schätzen. „Ich hoffe auf Verständnis für meine Entscheidung, auch zu diesem Zeitpunkt“, sagte er. (hoe)

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