"Der Ausbau der Ladeinfrastruktur kommt gut voran. Gerade in den letzten anderthalb Jahren hat der Zubau enorm an Fahrt aufgenommen", erklärte Andreae anlässlich der Ladeinfrastrukturkonferenz des BMDV am heutigen Mittwoch. Sie verwies darauf, dass die Zahl der öffentlichen Ladepunkt von 41.600 öffentliche Ladepunkte Anfang 2021 auf aktuell 62.000 anwuchs - ein Zuwachs um knapp 50 Prozent.
Auch bei der Flächendeckung sei viel erreicht worden: Die von der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität festgelegte Maximalabstand von 50 km zwischen Schnellladern entlang der Autobahn sei Deutschlandweit praktisch vollständig gegeben.
Leistungsfähigeres und dichteres Schnellladenetz
Hinzu komme ein großer Techniksprung bei der Ladeleistung: Waren bis vor einigen Jahren Ladesäulen mit maximal 50 kW die Regel, ist heute 150 kW beim Schnellladen Standard, manche laden sogar mit bis zu 350 kW. Das ist eine Verdreifachung der Ladeleistung innerhalb weniger Jahre.
Durch die höhere Ladeleistung an den Schnellladern werde die Ladedauer deutlich verkürzt und es können je Ladesäule mehr Fahrzeuge pro Tag geladen werden. Diese effizienteren Ladesäulen werden gerade verstärkt ausgebaut: Gab es im Januar 2021 noch 5.752 Schnellladepunkte seien es heute 9.395, ein Zuwachs von mehr als 60 Prozent.
Öffentliche Ladesäulen auf Liegenschaften des Bundes und Bahn-Parkplätzen?
"Die sehr dynamischen Entwicklungen beim Aufbau der öffentlichen Ladesäulen zeigten, dass der Markt funktioniert", unterstrich Andreae. Jetzt gehe es darum, diesen dynamischen Markt klug zu flankieren und so weitere private Investitionen zu beflügeln.
Eine der größten Herausforderungen für die Unternehmen sei die Verfügbarkeit geeigneter Flächen für öffentliche Ladesäulen. "Hier sind Bund, Länder und Kommunen gefragt - warum ist von den 19.000 Liegenschaften des Bundes keine einzige im FlächenTOOL der Leitstelle verzeichnet? Was ist mit den Parkplätzen der Bahn?" so Andreae.
Förderprogramme des Bundes zu kompliziert und langwierig
Zudem gehörten die Förderprogramme des Bundes auf den Prüfstein. Die Förderverfahren für öffentliche Ladeinfrastruktur seien zu kompliziert und zu langwierig. Sie verursachten bei den Antragsstellern einen großen bürokratischen Aufwand. Aus diesem Grund seien im letzten Jahr nur lediglich 12 Prozent der Mittel tatsächlich abgerufen worden. "Hier brauchen wir jetzt kluge und pragmatische Lösungen, die eine einfache und schnelle Förderung ermöglichen", so Andreae.
Ladeinfrastruktur allein mache aber noch keine Antriebswende. Der Erfolg der Elektromobilität brauche daher neben den Anstrengungen der Energiewirtschaft das Engagement aller Akteure: von der Bundesregierung und den Kommunen über die Immobilienwirtschaft bis selbstverständlich hin zur Automobilwirtschaft. "Wir brauchen daher einen regelmäßigen Austausch aller, die die neue Elektromobilitätswelt gestalten - eine regelmäßig tagende „Konzertierte Aktion Elektromobilität“, bei der alle Akteure zusammenkommen, um gemeinsam Lösungen zu finden", so Andreae. (hcn)



