Das Bundesverkehrsministerium (BMDV), die Autobahn GmbH des Bundes und die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur haben offiziell das Vergabeverfahren zum Aufbau eines Lkw-Schnellladenetzes entlang der Autobahnen gestartet. Dabei geht es um Planung, Errichtung und Betrieb von Schnellladeinfrastruktur für Lastwagen und Busse auf rund 130 unbewirtschafteten Rastanlagen.
"Mit dem Lkw-Schnellladenetz bringen wir die Dekarbonisierung des Lkw-Verkehrs entscheidend voran", erklärt Bundesverkehrsminister Volker Wissing. "Wir schaffen eine verlässliche Ladeinfrastruktur für E-Lkw und Reisebusse an den Autobahnen und geben damit dem Industrie- und Transportgewerbe die notwendige Planungssicherheit bei ihrer Umstellung auf Elektromobilität. Das Lkw-Schnellladenetz ist maßgeblich, um den Standort Deutschland als Logistik-Drehscheibe in der Mitte Europas zukunftssicher zu machen."
Start mit Verspätung
Zeitlich verspätet
Der Zuschlag für die Ausschreibung ist für die zweite Jahreshälfte 2025 geplant. Die Ladeinfrastruktur soll sukzessive bis 2030 implementiert sein.
"Es ist gut, dass die Ausschreibungen nun gestartet sind", heißt es beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) – verbunden mit der Anmerkung, dass die Veröffentlichung der Ausschreibung eigentlich für das dritte Quartal des vergangenen Jahres geplant war.
An der Praxis vorbei
Aus Sicht des BDEW enthalten die Ausschreibungen jedoch zu viele detaillierte Vorgaben, "die aufgrund einer unzureichenden Branchenkonsultation an der Praxis vorbei entwickelt wurden". Dadurch bestehe die Gefahr, dass die Ausschreibung für die Lkw-Ladestandorte ähnlich langwierig werde wie der Ausschreibungsprozess für die e-Pkw im Deutschlandnetz.
Aus Sicht des Verbands wäre es sinnvoller gewesen, die Flächenbewirtschaftung für die Bundesflächen auszuschreiben. Über die Flächennutzungsverträge würde der Bund sogar Einnahmen erzielen können und gleichzeitig den flexiblen Entdeckungswettbewerb um die besten E-Lkw-Ladedienstleistungen stärken. Um den Ausbau der E-Lkw-Ladeinfrastruktur zu unterstützen, könnte die Bundesregierung wettbewerbsneutral einen Teil der Kosten der erforderlichen Netzanschlüsse für alle Ladestandorte übernehmen, anstatt nur für Standorte an den Bundesautobahnen.
VDA äußert sich wohlwollender
Deutlich wohlwollender äußert sich der Verband der Automobilindustrie (VDA). VDA-Chefin Hildegard Müller lobte das regulierte Infrastrukturentgelt sowie das Durchleitungsmodell beim Lkw-Laden. Diese Maßnahmen können laut VDA helfen, das Investitionsrisiko für den Ladepunktbetreiber zur reduzieren, Transparenz bei den Strompreisen zu schaffen und überhöhte Strompreise zu vermeiden.
Das Lkw-Schnellladenetz soll mit 350 Standorten an unbewirtschafteten und bewirtschafteten Rastanlagen den Weg zu einer flächendeckendenbLadeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge ebnen. Es soll rund 4200 Ladepunkte umfassen. (wa)



