Aus dem für Freitag angesetzten Pressetermin wurde Montag. Doch jetzt steht sie, die neue Förderung für neue Elektroautos, vorgestellt vom federführenden Bundesumweltminister Carsten Schneider. Er halte 2026 für den "Beginn des Durchbruchs für die Elektromobilität", sagte der SPD-Politiker.
Erste Adressaten sind nicht Stadtwerke oder andere Energieversorger, sondern Privatpersonen in unteren Einkommensklassen. Doch auch die Energiewirtschaft dürfte profitieren, da mehr Elektroautos die Ladequote an öffentlichen Ladesäulen steigern dürten. Ein Überblick:
Wie viel Geld gibt es beim Kauf reiner Elektroautos?
Die Fördergrenze liegt bei einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro. Das entspreche ungefähr einem monatlichen Nettoeinkommen von 4800 Euro bei Ledigen und 5400 Euro bei Paaren, so das Bundesumweltministerium. Die maximale Fördergrenze liegt bei 90.000 Euro Haushaltseinkommen, falls zwei Kinder vorhanden sind, durch die sich die Grenze um jeweils 5000 Euro nach oben verschiebt.
Die Basisförderung liegt für reine Elektroautos bei 3000 Euro. Für Haushalte mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro gibt es 4000 Euro, für Haushalte mit einem Maximal-Einkommen von 45.000 Euro 5000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um höchstens 1000 Euro. Wer Geld bekommen will, muss sein Fahrzeug ab Kauf mindestens drei Jahre behalten.
Gebrauchtwagen werden nicht gefördert. Die IG Metall und die Grünen-Fraktion forderten, dies noch zu ändern.
Was ist mit Autos, die nicht rein elektrisch betrieben werden?
Weniger Geld gibt es für sogenannte Plug-in-Hybride, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können. Für diese Autos und Fahrzeuge mit einem Range Extender liegt die Basisförderung bei 1500 Euro. Range Extender sind kleine Verbrennungsmotoren, die die Reichweite von Elektroautos erhöhen.
Damit Autos mit diesen Technologien förderfähig sind, dürfen sie nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen oder müssen eine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometern haben. Für die Zeit ab dem 1. Juli 2027 soll die Förderung auf den Prüfstand, angedacht sind dann Vorgaben, die sich stärker am CO2-Ausstoß im realen Betrieb orientieren.
Ab wann gilt die neue Förderung?
Wer sein Elektroauto oder bestimmte Plug-in-Hybride ab dem 1. Januar neu zugelassen hat, kann die Förderung beantragen. Das gilt sowohl für den Kauf als auch das Leasing. Beantragen kann man die neue Förderung voraussichtlich aber erst ab Mai, wenn das entsprechende Internetportal an den Start gehen soll.
Insgesamt drei Milliarden Euro sind für die Kaufprämie vorgesehen, was laut Ministerium für etwa 800.000 geförderte Fahrzeuge bis 2029 ausreichen soll.
Was erhofft sich die Energiewirtschaft?
"Wir begrüßen, dass die Bundesregierung Kauf und Leasing von E-Pkw für Privatpersonen mit einem Schwerpunkt auf die soziale Ausrichtung fördert", schreibt der Branchenverband BDEW. "Dies kann insbesondere den Absatz kleiner E-Fahrzeuge für den Massenmarkt unterstützen."
Nach BDEW-Auffassung hat die Energiebranche, darunter viele Stadtwerke, den Ladeausbau im vergangenen Jahr massiv vorangetrieben. Bundesweit stünden inzwischen mehr als 200.000 öffentliche Ladepunkte. Dies entspreche einer Ladeleistung von mehr als neun Gigawatt (GW).
Was die Branche allerdings bislang vermisste, waren Stromabnehmer. Die durchschnittliche Auslastung öffentlicher Ladepunkte liege weiterhin bei nur rund 15 Prozent, schreibt der BDEW. Das zeige: "Wir haben derzeit kein Angebots-, sondern ein Nachfragethema."
Auch Deutschlands größter Energieversorger Eon meldete sich zu Wort. Er begrüßte, dass insbesondere auch Familien dabei unterstützt würden, ihre Mobilität umweltfreundlich zu gestalten. "Fahrerinnen und Fahrer elektrischer Autos können ihre Mobilitätskosten zudem durch intelligente Ladetarife und das Verkaufen der THG-Quote um rund 500 Euro jährlich senken", teilte Filip Thon, Chef der Eon-Vertriebstochter Eon Energie Deutschland, mit.
Manche Stadtwerke hatten sich bereits im Vorfeld verhalten optimistisch gezeigt, wie eine ZfK-Umfrage ergab. E-Mobilität werde sich fraglos durchsetzen, so ein Sprecher der Stadtwerke Münster – mit der entsprechenden Nachfrage nach Lademöglichkeiten. Er betont: Der Ausbau werde weitergehen, "dies auch unabhängig von eher kurzfristigen politischen Zielen".
Wie will die Bundesregierung den Hochlauf des Ladesäulenmarkts beschleunigen?
Schneider fordert eine Ladesäulen-Pflicht für Tankstellen und Supermärkte. Insbesondere die innerstädtische Ladeinfrastruktur müsse verstärkt werden, sagte der Minister. Dass bei kommunalen Wohnungsneubauten für 200 Menschen kein einziger Ladepunkt mitgeplant werde, "geht nicht".
Das neue Gebäudeenergie- oder Gebäudemodernisierungsgesetz könnte hier Gesetzesänderungen bringen. Die EU-Gebäuderichtlinie sieht umfangreiche neue Lademöglichkeiten, unter anderem auf Handelsparkplätzen vor. Die Bundesregierung werde diese Richtlinie "anwendungs- und bedarfsgerecht" umsetzen, heißt es dazu im Masterplan Ladeinfrastruktur 2030.
Kleinere und mittlere Kommunen sollen zudem vom Bund beim Ausbau der Ladeinfrastruktur unterstützt werden. "Ziel ist, praxisnahe Unterstützungsprodukte anzubieten, die zum raschen Aufbau von Ladeinfrastruktur vor Ort genutzt werden können", heißt es dazu im Masterplan Ladeinfrastruktur 2030. "Dazu entwickelt die Leitstelle modulare und anlassbezogene Produkte wie Ausschreibungs- und Verfahrensmuster, Leitlinien, FAQs, Checklisten oder Factsheets und vermittelt diese im direkten Austausch vor Ort und in Zusammenarbeit mit den Bundesländern und den Landesagenturen."
Im Bundeshaushalt für dieses Jahr stehen zudem für Zuschüsse zur Errichtung von Tank- und Ladeinfrastruktur rund 1,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Das ist etwas mehr als im Vorjahr.
Was ist sonst mit den Stromkosten?
Nach Einschätzung des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer wären günstigerer Ladestrom und niedrigere Lohnnebenkosten sinnvoller, um den Absatz von Elektroautos anzuschieben. Umweltminister Schneider räumte ein, dass Elektroautofahrer hohe Preise zahlen könnten, wenn sie ihr Auto nicht zu Hause laden können und kein Abonnement haben. Er rechne aber mit mehr Wettbewerb und sinkenden Preisen beim Laden an öffentlichen Ladesäulen. "Noch sehe ich dort Senkungspotenzial."
Eine Senkung der Stromsteuer für Ladestrom bereits für dieses Jahr scheiterte aus Budgetzwängen. Teile der Union und SPD drängen allerdings auf eine Senkung im kommenden Jahr. Finanzielle Entlastung schuf der Bundestag im vergangenen Jahr unter anderem mit der Überarbeitung des Energiewirtschaftsgesetzes. In der Folge entfällt seit diesem Jahr die zuvor bestehende Netzentgelt-Doppelbelastung beim Rückspeisen von Strom aus Fahrzeugbatterien. Das hilft beim bidirektionalen Laden.






