Von Jürgen Walk
Der Bundestag hat zentrale gesetzliche Weichen gestellt, um bidirektionales Laden und speziell Vehicle-to-Grid (V2G) wirtschaftlich nutzbar zu machen. Mit einer Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes sowie Anpassungen im Stromsteuerrecht entfällt ab 2026 die bislang bestehende Doppelbelastung beim Rückspeisen von Strom aus Fahrzeugbatterien.
Bisher mussten Elektrofahrzeuge sowohl beim Laden als auch bei der späteren Einspeisung Netzentgelte zahlen, was die Technologie ausbremste. Künftig werden bidirektional ladende Autos anderen Energiespeichern gleichgestellt – ein Schritt, den Branchenvertreter seit Langem gefordert hatten.
Autobranche sieht sich vorbereitet
Nach Einschätzung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) schafft die Reform eine Grundvoraussetzung für den Markthochlauf der Technologie. VDA-Geschäftsführer Marcus Bollig bezeichnete das bidirektionale Laden als Schlüsseltechnologie für ein flexibles Energiesystem und die Attraktivität der Elektromobilität. Kritisch äußerte er sich jedoch zur Entscheidung, steuerliche Entlastungen beim V2G zunächst nur für Nutzer mit eigener Photovoltaikanlage zu gewähren.
Technologisch sieht die Automobilindustrie sich vorbereitet: Mehr als zwanzig in Deutschland verfügbare batterieelektrische Modelle ermöglichen bereits heute die Rückspeisung von Energie ins Haus oder ins Netz, heißt es beim VDA. Alle deutschen Hersteller haben demnach entsprechende Fahrzeuge im Angebot. Für einen flächendeckenden Einsatz seien jedoch weitere regulatorische Anpassungen nötig, etwa vereinfachte Mess- und Zählkonzepte, um zwischen Fahrstrom und zwischengespeicherten Strommengen klar unterscheiden zu können. Auch einkommensteuerliche Vereinfachungen stehen aus Sicht der Industrie noch aus.
Ohne Smart Meter geht nichts
Parallel dazu vereinfacht die Bundesnetzagentur ab April 2026 mit der "MiSpeL"-Regelung die Abläufe für V2G. Sie ermöglicht die Nutzung ohne zweiten Stromzähler und reduziert technische Hürden. Netzbetreiber benötigen anschließend mehrere Monate, um ihre Systeme anzupassen, sodass ein schrittweiser Markteintritt ab 2026 erwartet wird, prognostiziert das Münchner Unternehmen The Mobility House. Voraussetzung für eine breite Anwendung bleibt allerdings der zügige Ausbau moderner Smart-Meter-Infrastrukturen.
Unternehmen aus dem Energiesektor bereiten sich bereits auf die neuen Rahmenbedingungen vor. Sie verweisen auf langjährige Praxiserfahrungen mit V2G-Projekten und entwickeln Lösungen, um bidirektionales Laden in Kooperation mit Fahrzeugherstellern in den Massenmarkt zu bringen. The Mobility House etwa bietet in Zusammenarbeit mit Renault und Mobilize bereits ein bidirektionales Ladesystem in Frankreich an. Eon hatte im September ein gemeinsames Angebot mit BMW für 2026 angekündigt.
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