Das EHI informiert den Einzelhandel zu Zukunftsthemen wie Elektromobilität.

Das EHI informiert den Einzelhandel zu Zukunftsthemen wie Elektromobilität.

Bild: © Jesstudio/stock.adobe.com

Von Daniel Zugehör

In Deutschland steigt die Zahl der bidirektional ladefähigen Elektroautos. Bisher seien mehr als 225.000 der zugelassenen E-Autos technisch dazu fähig, zeigt eine aktuelle Datenanalyse des Eon-Konzerns. "Das Potenzial der Batterien als Stromspeicher ist enorm", sagt Filip Thon, CEO von Eon Energie Deutschland.

Wenn 60 Prozent der Batteriekapazität nachts flexibel genutzt würden, stünden fast 8000 Megawattstunden Energie zur Verfügung, so Thon weiter. Dies sei genug, um zweieinhalb Millionen Haushalte von 17:30 Uhr abends bis 5:30 Uhr morgens zu versorgen.

Leistung mehrerer Gaskraftwerke

Bei voller Nutzung wäre die Energieversorgung am Abend sogar für bis zu 4,2 Millionen Haushalte möglich, schreibt Eon. Diese Leistung entspreche fünfeinhalb großen Gaskraftwerken. Die Akkus der mehr als 200.000 E-Autos verfügen demnach im Schnitt über jeweils knapp 65 Kilowattstunden. Theoretisch könne ein einzelnes von ihnen über Nacht elf Durchschnitts-Haushalte mit Strom versorgen.

Damit könnten Bidi-ready-Fahrzeuge als flexible Speicher in einem zunehmend volatilen Energiesystem in Zukunft – bei entsprechenden monetären Anreizen – nicht nur zur Versorgungssicherheit beitragen, sondern auch CO2 sparen helfen: Würde die derzeitige Flotte 200 Mal im Jahr teilweise entladen, könnten rund 238 Millionen Kubikmeter Erdgas oder mehr als 500.000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden, heißt es in der Analyse.

NRW hat die meisten

Am größten sei das Potenzial momentan in Nordrhein-Westfalen (NRW), Bayern und Niedersachsen. NRW führe mit mehr als 46.000 bidirektionalen E-Autos, deren Energie über Nacht mehr als 517.000 Haushalte versorgen könnte. Bayern folge mit gut 38.000 Fahrzeugen (430.000 Haushalte), Niedersachsen mit knapp 33.000 Autos (367.000 Haushalte).

Bidirektionale Elektroautos, sogenannte Bidi-ready-Fahrzeuge, können Strom nicht nur aufnehmen, sondern ihn bei Bedarf auch wieder in den Haushalt oder ins Stromnetz zurückspeisen. Große Autobauer wie Hyundai, Nissan, Toyota, Volkswagen und BMW bieten bereits Elektroautos an, die bidirektionales Laden unterstützen oder dafür vorbereitet sind. Im Vorfeld der Automesse "IAA Mobility" hat auch Mercedes-Benz angekündigt, ab 2026 mit neuen Elektrofahrzeugen ein vollintegriertes Angebot für bidirektionales Laden zu starten.

Stand der Regulierung

Was technisch schon länger möglich wäre, trifft bislang aber auf regulatorische Hürden, weshalb die Technologie noch nicht flächendeckend umgesetzt wird. Stand jetzt ist bidirektionales Laden in Deutschland technisch möglich, aber noch nicht vollständig geregelt. Es fehlen einheitliche Standards und gesetzliche Rahmenbedingungen. Gesetze wie EnWG und EEG erkennen E-Autos als mobile Speicher noch nicht klar an. Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE FNN) hat Anfang des Jahres erste Anschlussregeln veröffentlicht, die aber noch nicht verbindlich sind.

Aber: Pilotprojekte in NRW, Bayern und Niedersachsen laufen und die Bundesregierung plant noch dieses Jahr marktfähige Anwendungen für Vehicle-to-Home (V2H) und Vehicle-to-Grid (V2G). Für die Analyse hat Eon nach eigenen Angaben Daten der Hersteller, des ADAC und des Kraftfahrtbundesamtes ausgewertet. Auf dieser Basis sei dann die durchschnittliche Batteriekapazität sowie die potenziell verfügbare Strommenge errechnet worden. Mehr Daten zum Thema hat der Konzern auch in seinem online verfügbaren "Energieatlas" aufbereitet.

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