Private Elektroautos können das Stromnetz stabilisieren, wenn sie intelligent geladen werden.

Private Elektroautos können das Stromnetz stabilisieren, wenn sie intelligent geladen werden.

Bild: © HerrLoeffler/Adobe Stock

Wie können private Elektroautos zuverlässig zur Stabilisierung der Stromnetze beitragen? Mit dieser Frage hat sich das Pilotprojekt "OctoFlexBW" von TransnetBW und Octopus Energy befasst. Mit dem Abschluss des Projekts stehe nun ein Ansatz bereit, der Redispatch-Leistungen künftig stärker auf marktliche Lösungen und dezentrale Flexibilitäten stützen könnte.

Im Projekt wurden über 700 Elektroautos aus privaten Haushalten eingebunden. Durch deren intelligente Steuerung war es möglich, täglich rund zwei Megawattstunden (MWh) an Flexibilität bereitzustellen. Hochgerechnet auf eine Million Fahrzeuge ergibt das eine mögliche Kapazität von etwa 3 GWh pro Tag.

Auch Wärmepumpen oder Speicher bieten Möglichkeiten

Laut Auswertung ließen sich damit bis zu 0,5 TWh Energie pro Jahr verschieben – genug, um drei bis fünf Prozent des aktuellen Redispatch-Bedarfs in Deutschland zu decken. Dieser Beitrag könne künftig helfen, Kosten zu senken und fossile Kraftwerke seltener hochzufahren.

Der Zeitpunkt ist günstig: Der Absatz von Elektroautos ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Ihr Anteil am gesamten Zulassungsvolumen lag bei 19,1 Prozent. Damit wächst auch das Potenzial, Flexibilität aus Fahrzeugbatterien systematisch zu nutzen. Weitere dezentrale Anwendungen wie Wärmepumpen, Heimspeicher oder Klimatechnik bieten zusätzliche Möglichkeiten, die in Zukunft stärker genutzt werden könnten.

Technisch setzt "OctoFlexBW" auf die Verbindung der Plattformen "DA/RE" von Transnet BW und "Kraken Flex" von Octopus Energy. Kraken Flex sammelt die Flexibilitätsdaten aus den Haushalten und verarbeitet Abrufsignale der Systemführung von Transnet BW. Wenn ein Netzengpass droht, wird die Ladestrategie automatisch angepasst. Die gesamte Prozesskette – von der Netzprognose bis zur Wallbox – wurde im Projekt vollständig automatisiert und erfolgreich getestet. Auch die Bilanzierung sei korrekt möglich.

Für die teilnehmenden Haushalte war die Steuerung kaum spürbar, teilen die beiden Unternehmen mit. Sie mussten lediglich angeben, wann ihr Fahrzeug wieder voll geladen sein sollte. Gleichzeitig profitierten sie von einem intelligenten Octopus-Tarif, der niedrigere Ladepreise bietet.

Auf Basis der Erfahrungen beginnt nun das Folgeprojekt "DataFleX". Dort sollen über 1000 Elektrofahrzeuge eingebunden werden, zusätzlich auch Heimspeicher. Ziel ist es, das System zu vergrößern, weitere Daten zu sammeln und die Abläufe weiter zu vereinfachen. Entscheidend bleibe jedoch ein klarer regulatorischer Rahmen, der Abrufkosten anerkennt und so den Einsatz haushaltsnaher Flexibilität ermöglicht. Nur so könne ein marktlicher Redispatch 3.0 entstehen, der langfristig zur Entlastung der Netzentgelte beiträgt.

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