Wenn E-Autos zulegen, steigt die Ladestromnachfrage (Symbolbild).

Wenn E-Autos zulegen, steigt die Ladestromnachfrage (Symbolbild).

Bild: © Patrick Daxenbichler/Adobestock

Die Energiekrise beschleunigt den Hochlauf der Elektromobilität. Steigende Ölpreise und hohe Betriebskosten von Verbrennern treiben die Nachfrage nach Elektroautos spürbar an. Einer aktuellen Kurzstudie des Kreditversicherers Allianz Trade zufolge kann der Ladeinfrastrukturausbau jedoch zur Bremse werden.

Im ersten Quartal 2026 erreichte der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge (Battery Electric Vehicles; BEV) in der Europäischen Union (EU) laut dem belgischen Versicherer mit 19 Prozent einen neuen Höchststand. In Deutschland lag der BEV-Anteil laut Studie zuletzt bei 23 Prozent.

Bis zu siebenmal kostengünstiger als Verbrenner

Nach Berechnungen von Allianz Trade liegen die Energiekosten von Elektroautos derzeit fünf- bis siebenmal niedriger als die vergleichbarer Verbrenner. Angesichts von Kraftstoffpreisen von zeitweise mehr als zwei Euro pro Liter werde das Kostenargument für Verbraucherinnen und Verbaucher relevanter, heißt es in der Studie.

Zugleich sinken die Kosten für Lithium-Ionen-Batterien weiter deutlich. Demnach könnten Elektrofahrzeuge bis 2030 auch ohne staatliche Förderung günstiger werden als Verbrenner.

Nachholbedarf in Deutschland

Damit wachse der Druck auf Betreiber von Ladeinfrastruktur. Aktuell seien europaweit rund 1,1 Millionen Ladepunkte installiert – deutlich weniger als die von der EU-Kommission angestrebten 3,5 Millionen Ladepunkte bis 2030. Besonders kritisch: Nur 16 Prozent der bestehenden Infrastruktur entfallen auf Schnellladepunkte.

Während in Ballungsräumen der Ausbau vielerorts sichtbar voranschreitet, bestehen insbesondere im ländlichen Raum weiterhin erhebliche Versorgungslücken. Allianz Trade nennt Deutschland ausdrücklich als einen Markt mit Nachholbedarf außerhalb urbaner Zentren. Gerade für Stadtwerke und regionale Versorger eröffnet sich dadurch ein strategisches Wachstumsfeld.

Netzausbau wird zur Schlüsselfrage

Aber: Für die Branche verschiebt sich damit der Fokus zunehmend vom reinen Aufbau einzelner Ladepunkte hin zu einer systemischen Infrastrukturaufgabe. Neben der Flächenverfügbarkeit rücken Netzanschlüsse, Lastmanagement und der Ausbau der Verteilnetze in den Vordergrund.

Die Studie warnt zudem vor steigenden Konkurrenzsituationen um Netzkapazitäten. So könnte der Stromverbrauch durch KI-Rechenzentren in der EU bis 2030 um fast 65 Prozent steigen und damit zusätzliche Belastungen für die Stromnetze erzeugen.

Druck aus China

Hinzu kommt: Europas Automobilindustrie steht unter erheblichem Druck durch chinesische Hersteller, die ihren Marktanteil in Europa zuletzt auf rund sieben Prozent steigern konnten. Dadurch könnten günstigere und mehr Elektroautos entwickelt und verkauft werden. Die vollständige Studie von Allianz Trade ist online als PDF verfügbar (engl.).

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper