Von Daniel Zugehör
Der kommunale Energiedienstleister Enercity führt gemeinsam mit dem Start-up EV-Pay dynamische Preise beim sogenannten Ad-hoc-Laden von Elektroautos ein. Ab sofort könnten Fahrerinnen und Fahrer in einem Pilotprojekt ihre Fahrzeuge an zunächst zwölf Schnellladestationen am Cityring in Hannover zu variablen Preisen ohne Abo oder feste Vertragsbindung aufladen, teilte Enercity mit.
Bislang gab es in Deutschland zwar bereits dynamische Ladetarife für Kundinnen und Kunden mit festen Verträgen, nicht aber für spontane Ladevorgänge. Enercity ist damit nach eigenen Angaben der erste Anbieter, der die Strompreise vom Spotmarkt auch beim Ad-hoc-Laden berücksichtigt.
Die Kosten orientierten sich an den schwankenden Börsenstrompreisen, so das Unternehmen weiter. Kundinnen und Kunden sehen den jeweils gültigen Preis an der Ladesäule sowie online auf der Enercity-Website. Festgelegt würden die Werte immer am Vortag ab 13:30 Uhr. Die Preisspanne reicht demnach von 37 bis 67 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Bezahlt werden könne mit Giro- oder Kreditkarte, Apple Pay oder Google Pay.
Stabileres Netz, günstigere Preise
Der Ansatz soll mehrere Vorteile bringen: Autofahrerinnen und Autofahrer können zu Zeiten laden, in denen viel erneuerbare Energie im Netz ist und die Preise entsprechend niedrig sind. Gleichzeitig sollen Preissignale dazu beitragen, Lastspitzen im Stromnetz zu vermeiden und die Integration von Wind- und Solarstrom zu erleichtern. "Das Pilotprojekt zum dynamischen Laden ist ein strategischer Meilenstein auf dem Weg zu einer vernetzten, bezahlbaren und klimafreundlichen Mobilität", sagte Enercity-Chefin Aurélie Alemany.
Auch für Markus Dehn, Bereichsleiter E-Mobilität bei Enercity, ist das Modell ein Testballon: Die Erfahrungen aus Hannover sollen zeigen, wie das Angebot angenommen wird und welche Effekte es auf das Ladeverhalten hat. Bei positiver Resonanz will das Unternehmen das Modell auf weitere Standorte ausweiten.
Start-up als Partner
Technisch umgesetzt wird das Projekt gemeinsam mit dem jungen Unternehmen EV-Pay aus Freising (Bayern). Das Start-up wurde 2023 von Felix Blum und Dominik Freund gegründet. Mit dem neuen Angebot will Enercity nicht nur die eigene Ladeinfrastruktur attraktiver machen, sondern auch ein Signal für die Weiterentwicklung des Strommarktes geben.



