Von Jürgen Walk
Um intelligent zu laden, brauchen Elektroautofahrer nicht unbedingt dynamische Tarife oder neue Zähler. Ein Pilotprojekt von Transnet BW, Audi und dem Beratungsunternehmen IE2S hat gezeigt, dass eine effiziente Integration dezentraler Flexibilität in die Energiemärkte möglich ist, ohne auf Smart Meter oder dynamische Stromtarife angewiesen zu sein. Durch intelligentes Laden im Standardlastprofil lassen sich Potenziale erschließen, überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien effizient zu nutzen. Doch dabei gibt es regulatorische Hürden – zumindest für Übertragungsnetzbetreiber.
Haushalte mit flexiblen Verbrauchseinrichtungen können demnach bis zu 50 Prozent ihres Stromverbrauchs flexibilisieren, wobei Elektrofahrzeuge den größten Beitrag leisten. Durch intelligentes Laden lassen sich nach Angaben der Projektpartner die Stromkosten um 62 Prozent und die CO2-Emissionen um 36 Prozent senken.
Die Lösung sei skalierbar
Das Projekt umfasste Simulationen mit 800 digitalen Elektrofahrzeugen sowie einen erfolgreichen Test mit 20 realen Audi-Fahrzeugen. Auf Grundlage der einzelnen Nutzungsprofile der Fahrzeuge eines Pools entscheidet das zugrundeliegende System darüber, welche Flexibilität zur Verfügung steht.
Basierend auf den Stromgroßhandelspreisen wird das Laden der einzelnen Fahrzeuge optimiert. Die Flexibilität wiederum wird am kontinuierlichen Intraday-Markt angeboten. Zusätzlich werden die Veränderungen des Stromverbrauchs der Marktlokationen im Vergleich zum Standardlastprofil aufgrund des veränderten Ladeverhaltens in den Differenzbilanzkreisen der jeweiligen Netzbetreiber bilanziert. Während eines Feldtests sei diese alternative Bilanzierung in Kooperation mit örtlichen Netzbetreibern erfolgreich umgesetzt worden.
Die Lösung sei nicht nur technisch machbar, sondern auch schnell skalierbar. Möglich sei eine nahtlose Integration in den Alltag der Nutzer ohne zusätzliche Systeme oder intelligente Messeinrichtungen. Das Problem liege woanders: Nötig sei eine gesetzliche Verankerung, da die Handelstätigkeit der Übertragungsnetzbetreiber außerhalb ihrer bisherigen Aufgaben im aktuellen rechtlichen Rahmen nicht vorgesehen ist.
Der regulatorisch-rechtliche Rahmen erlaubt es Verteilnetzbetreibern, nicht aber den Übertragungsnetzbetreibern, dezentrale Flexibilitäten zu bilanzieren und zu bewirtschaften. Das im Projekt erprobte System zur Messung, Steuerung und Prognose der Flexibilität könne hierbei eine wichtige Rolle einnehmen. "Es besteht jedoch die Frage, ob alle Verteilnetzbetreiber diese Aufgabe vorübergehend übernehmen können und wollen, bis der flächendeckende Smart-Meter-Rollout erfolgt ist", heißt es in der Pressemitteilung der Projektpartner. Für Übertragungsnetzbetreiber sei zwar der Aufwand gering, aber es fehlten eben die regulatorischen Rahmenbedingungen.
Derzeit ist intelligentes Laden von Elektrofahrzeugen ohne ein intelligentes Messsystem sowie einen intelligenten oder dynamischen Stromtarif nicht möglich. Die Verschiebung eines Ladevorgangs in Zeiten mit niedrigen Strompreisen kann in diesem Fall weder gemessen noch bilanziert und abgerechnet werden. Damit haben private Elektrofahrzeugbesitzerinnen und -besitzer zu Hause weder die Möglichkeit noch den Anreiz, von günstigen Strompreisen zu profitieren.



