Welchen Anteil des Marktpotenzials können sich EVU jedoch erschließen? Um diese Frage zu beantworten, gilt es die unterschiedlichen Geschäftsmodelle entlang der Wertschöpfungskette für Ladelösungen zu betrachten.

Welchen Anteil des Marktpotenzials können sich EVU jedoch erschließen? Um diese Frage zu beantworten, gilt es die unterschiedlichen Geschäftsmodelle entlang der Wertschöpfungskette für Ladelösungen zu betrachten.

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Bild: © Arthur D. Little
Bild: © Arthur D. Little

Von:
Olaf Geyer (oberes Bild), Partner in der Energy Practice und

Alexander Krug, Partner in der Automotive Practice; beide bei Arthur D. Little

Nach Jahren in der Nische setzt die E-Mobilität in Europa nun zum Überholvorgang an. Analysen von Arthur D. Little gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 rund 61 Mio. E-Pkw und 560.000. E-Lkw in Europa unterwegs sein werden. Davon entfallen auf Deutschland zwölf Millionen E-Pkw und 100.000 E-Lkw. Daraus ergibt sich ein zusätzlicher Strombedarf von rund 144 TWh pro Jahr auf europäischer Ebene und für Deutschland 26 TWh pro Jahr. Diese Zahlen bedeuten zum einen eine erhebliche Mehrbelastung für die bestehende Infrastruktur, insbesondere Netze, zum anderen wird der enorme Hochlauf der eMobilität auch mit einem steigenden Bedarf an privaten und öffentlichen Ladesäulen einhergehen.

Aus dem rasanten Hochlauf entsteht ein Marktpotenzial für Ladelösungen von rund 50 Mrd. Euro allein für E-Pkw in Europa und rund 3,6 Mrd. € in Deutschland in 2030. Für Energieversorger stellt sich die Frage, mit welchen Geschäftsmodellen sie an diesem Marktpotenzial partizipieren können. Der schnell wachsende und profitable Markt ruft jedoch auch Wettbewerber auf den Plan – von den Ölriesen bis hin zu Autoherstellern werden Weichen gestellt, um wichtige Rollen im Charging-Ökosystem von morgen zu spielen.

Quelle: Arthur D. Little Hinweis: Die Analyse bezieht sich nur auf PKW und berücksichtigt Umsatzpools auf der Grundlage von Bottom-up-Prognosen (ohne Steuern) 1) umfasst Erfüllungsdienstleistungen (Planung Installation); 2) EU27 3

Engagement mit Potentialen

Für EVU gibt es zahlreiche Argumente, die für eine verstärkte Aktivität im Bereich Ladelösungen sprechen:

o    Erschließung neuer Value Pools und Cross Selling
o    Absatzsteigerung
o    Kundenbindung
o    Stärkung der Positionierung als regionaler Infrastrukturdienstleister
o    Image durch Adressierung des Megatrends Nachhaltigkeit

Welchen Anteil des Marktpotenzials können sich EVU jedoch erschließen? Um diese Frage zu beantworten, gilt es die unterschiedlichen Geschäftsmodelle entlang der Wertschöpfungskette für Ladelösungen zu betrachten.

Angebote der Energieversorger

So ist davon auszugehen, dass die Bereitstellung der bloßen Hardware-Umsätze von 22,6 Mrd. Euro ermöglicht. Neben diesen Einmalerlösen fallen bis 2030 jährlich wiederkehrende Umsätze – etwa für Betrieb von Pattformen, Stromlieferung, Netznutzung etc. – von 27,2 Mrd. Euro pro Jahr an.
Zentraler Erfolgsfaktor für den Aufbau eines zukunftsfähigen Geschäfts mit Elektromobilität ist die Generierung von wiederkehrenden Umsätzen. Einmalumsätze (z.B. durch die Vermittlung und Installation von Ladeinfrastruktur) sind margenschwach und werden umkämpft bleiben.

Das Angebot von Energieversorgern ist bis dato sehr heterogen, White-Label-Lösungen mit geringer eigenen Wertschöpfung sind die Regel:

  • Privates Laden: Sehr häufig bieten EVU Vermittlung von Ladeinfrastruktur, Netzanschluss und Stromlieferung
  • Gewerbliches und halböffentliches Laden: Nur wenige EVU bieten Komplettlösungen für Unternehmen und bspw. den Handel an
  • Öffentliches Laden: Hier engagieren sich EVUs nur bedingt, da Investitionen hoch sind und der wirtschaftliche Erfolg schwer prognostizierbar bleibt

Welches Geschäftsmodell für das einzelne EVU erfolgreich ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Hierbei müssen viele Faktoren wie Größe des oft regionalen Marktes, Kooperationsmöglichkeiten, Wettbewerbssituation, finanzielle Ausstattung aber auch die Fähigkeit, ein kleinteiliges und digitales Lösungsgeschäft zu etablieren, betrachtet werden. Für ein erfolgreiches Engagement gilt es jedoch, das Angebot über den reinen Netzanschluss und die Stromlieferung entlang der Wertschöpfungskette zu erweitern und integrierte Lösungen anzubieten. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Herausforderungen werden wir auch zahlreiche Kooperationen zwischen EVU aber auch mit anderen Playern des Ökosystems sehen.

Netze – Technologieschub gegen den Blackout

Damit die Netze mit den zunehmenden Anforderungen umgehen können, sehen wir die folgenden Trends und Technologien, um die Auswirkungen auf die Netze zu reduzieren:

  • Weitere Digitalisierung des Netzes, etwa automatisierte Steuerung der Netze zum Ausgleich der bi-direktionalen Energieflüsse
  • Smarte Ladeinfrastruktur, zum Beispiel durch dynamisches Lademanagement
  • Autarkie und Verbrauchsverhalten der Haushalte; wie Förderung von Nachfrageverlagerung und durch Peak Shaving durch neue Tarifmodelle, PV- und Speichertechnologien und Energiesysteme
  • Industrielle Lösungen, beispielsweise dezentrale Erzeugungseinheiten und Batterielösungen (u.a. second-life battery solutions) zur Netzstabilisierung

Gäbe es allein die neuen Anforderungen aus der Elektromobilität, könnten die Netze den Anstieg durch die oben genannten Punkte sowie einen punktuellen Ausbau stemmen. Arthur D. Little geht jedoch davon aus, dass sich der Stromverbrauch in Deutschland bis 2030 annähernd verdoppeln wird. Haupttreiber dafür sind die Digitalisierung und die Dekarbonisierung. Hierfür sind enorme Investitionen in Verteil- und Transportnetze erforderlich. Die Bundesnetzagentur beziffert die Investitionen in die Stromnetze an Land bis 2030 auf bis zu 102 Mrd. Euro wovon rund die Hälfte auf das Verteilnetz entfallen.

Fazit und Ausblick

Das Geschäft rund um Ladelösungen ist ein lukrativer Multimilliarden-Markt, jedoch ist dieser fragmentiert und zeichnet sich durch eine komplexe Wertschöpfungskette aus. Wir erwarten Konsolidierungen, da einige Player Marktanteile und die geographische Abdeckung ausweiten wollen.

Der Markt ist jedoch groß genug: er bietet auch lokalen Playern wie EVU Chancen. Schließlich gilt: das Geschäft mit Ladelösungen adressiert das Kerngeschäft der Energieversorger –Infrastruktur und Versorgung mit Strom und Services.

Für ein erfolgreiches Engagement ist es erforderlich, das Angebot entlang der Wertschöpfungskette zu erweitern und integrierte Lösungen anzubieten. Hierbei werden wir eine Vielzahl von Zusammenschlüssen und Kooperationen sehen. Netzbetreiber stehen jedoch vor erheblichen Herausforderungen die Transformation der Netze, nicht zuletzt durch die Elektromobilität, zu leisten. (sg)

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