Jedenfalls zeigte das Fachgespräch der Grünen, dass eine differenziertere Diskussion über die Notwendigkeit der Spitzenglättung, wie es der von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zurückgezogene Entwurf eines Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetzes (SteuVerG) vorsah, wichtig ist und weiterhelfen kann.
Denn so weit sind die Positionen von Energiewirtschaft und Automobilindustrie sowie Verbraucherschützern hierbei nicht auseinander. Einig waren sich jedenfalls Kerstin Andreae, Chefin des BDEW und Erik Landeck, Geschäftsführer von Stromnetz Berlin mit Hildegard Müller, Präsidentin des VDA und Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbands (VZBV) darin, dass der Markthochlauf der E-Mobilität mit einer intelligenten Netzsteuerung und dem Netzausbau unter einen Hut gebracht werden muss.
Es geht nicht um das Abdrehen des Stroms, sondern Drosselung der Ladeleistung
Doch der Weg dahin ist immer noch strittig. VDA und VZBV fordern hierfür stärker marktliche Anreize sprich flexible Stromtarife, sowie intelligente Ladetechnik ein, und Spitzenglättung nur im Ausnahmefall. BDEW und Stromnetz Berlin dagegen sehen die im Entwurf des SteuVerG vorgesehene Spitzenglättung bei Netzengpässen mit einer Opt-Out-Option für Verbraucher als zielführend an, sowie auch intelligente Ladetechnik.
Wobei Kerstin Andreae auf eine hochgeheizte öffentliche Diskussion bei der in dem Gesetzentwurf vorgesehenen Spitzenglättung verwies. Hierbei gehe es nicht um das Abdrehen des Stroms für E-Autofahrer, sondern um eine Drosselung der Ladeleistung auf maximal 50 Prozent für maximal zwei Stunden. Hierdurch solle ja auch verhindert werden, dass E-Autofahrer monatelang oder gar länger auf einen Netzanschluss ihrer Ladestationen warten müssten oder im schlimmsten Fall der Oma nebenan der Strom ausfalle, wenn alle E-Automobilisten auf einmal laden wollen, so Landeck.
"Niemand möchte ein System, das Blackouts in Kauf nehmen würde"
Zudem biete die in dem Gesetzentwurf vorgesehene Opt-Out Option aus der Spitzenglättung ja auch preisliche Anreize, indem eine ungesteuerte Lademöglichkeit teurer ist als eine gesteuerte, so Andreae. Für die Verbraucher zu abschreckend und zu teuer, halten VDA und VBV dagegen. Nötig seien flexible Stromtarife, welche das Laden außerhalb von Spitzenzeiten anreizten, eine Steuerung der Ladeleistung durch die Netzbetreiber dagegen nur im Notfall.
Doch "niemand aus der Automobilindustrie möchte ein System, das Blackouts in Kauf nehmen würde", unterstrich Hildegard Müller, man dürfe jedoch E-Automobilisten nicht mit der Keule der möglichen Beschränkung der Ladefreiheit vor den Kopf stoßen. "Wir werden uns etwas übergreifender mit der Frage eines adäquaten Stromnetzausbaus mit Blick auf die Energiewende befassen müssen", unterstrich sie jedoch gleichzeitig.
Intelligente Ladetechnik künftig überall als Standard
Bei diesem Punkt waren sich dann alle in der Runde wieder einig, und auch bei der Forderung von Hildegard Müller, dass intelligente Ladesäulen künftig überall Standard sein sollten. Konsens zeigte sich auch bei der Forderung, die Netze umfassender zu digitalisieren und den Rollout intelligenter Messsysteme stärker voranzubringen, auch als Grundlage für die Einführung flexibler Stromtarife und intelligenter Steuerung sowie für mehr Transparenz.
Es besteht also durchaus Hoffnung, dass in den laufenden Gesprächen der Verbände und Unternehmen mit Wirtschaftsminister Altmaier eine Kompromisslösung über die Spitzenglättung und eine Verabschiedung des SteuVerG noch vor der Sommerpause gefunden werden kann. (hcn)



