Wird im Juni BDEW-Präsidentin: Entega-Chefin Marie-Luise Wolff.

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Bild: © Entega

In die E-Mobilität sind die Stadtwerke Tübingen bereits eingestiegen, haben Ladesäulen aufgestellt und Ende 2019 erstmals einen Elektrobus im ÖPNV eingesetzt. Jetzt wagen sie sich auch in den Schienenverkehr.

Zusammen mit der Schweizer Firma Furrer+Frey, einem Spezialisten im Oberleitungsbau, haben sie eine Schnellladestation namens Voltap für Elektrozüge entwickelt. Die Station soll es batteriegetriebenen Bahnen ermöglichen, betrieblich notwendige Stand- und Haltezeiten zum Laden zu nutzen. Das könnte die Einsatzmöglichkeiten und Reichweiten der Züge erheblich vergrößern.

Batterie- statt Dieselzüge

Nach Angaben des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene sind aktuell etwa 40 Prozent des deutschen Schienennetzes nicht elektrifiziert. Dort setzen Eisenbahnunternehmen nach wie vor auf Dieselzüge.

Die Stadtwerke Tübingen wittern offenbar ihre Chance. Denn auf nicht elektrifizierten Strecken könnten sich aus ihrer Sicht auch Elektrozüge anbieten, deren Batterien eine Reichweitenverlängerung von 60 bis 80 Kilometer ermöglichten. Damit die Batterien selbst bei längeren Strecken nicht leer werden, könnten Schnellladestationen wie Voltap helfen.

Herausforderung Netzspannung

Als "Bahnstrom-Pionier der ersten Stunde" habe die Stadtwerke ein umfangreiches Know-how im technischen Strombereich, erklärt Geschäftsführer Ortwin Wiebecke. Zudem wolle sein Unternehmen ein Wegbereiter der Energiewende sein. "Unsere neue Schnellladestation soll damit der Dekarbonisierung im Eisenbahnverkehr einen Schub geben."

Die Schnellladestation soll mit einigen technischen Raffinessen aufwarten. Beispiel Netzspannung: Während das allgemeine Stromnetz mit einer Frequenz von 50 Hertz arbeitet, kommt beim Bahnstrom bislang eine Frequenz von 16,7 Hertz zum Einsatz. Das Gleichrichten der Wechselspannung zur Aufladung der Batterien übernimmt dann die Leistungselektronik des Zuges.

Herausforderung Ladezeit

Moderne Batteriezüge allerdings kämen dank ihrer Grundauslegung auch mit 50 Hertz zurecht, heißt es. Eine Umwandlung der Frequenz wäre dann gegebenenfalls nicht mehr notwendig. Damit könnten Züge direkt geladen werden.

Auch das schnelle Aufladen leistungsstarker Batterien, wie sie in Batteriezügen zum Einsatz kommen, könnte zu Problemen im Netz führen. Die Stadtwerke Tübingen aber beruhigen: Mit der Schnellladestation ließen sich Batteriezüge mit Leistungen von bis zu 1,2 Megawatt je Zugeinheit netzverträglich aufladen.

Zwei Jahre Entwicklungsarbeit

Nach Angaben der Stadtwerke stecken zwei Jahre Entwicklungsarbeit in der Schnellladestation. Dabei wurde die Ladestation mehrfach in Tübingen getestet. Nun wollen die beiden Unternehmen ihre Erfindung an die Schiene bringen, um die Praxistauglichkeit mit entsprechenden Batteriezügen nachzuweisen. (ab)

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