Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bild: © fottoo/AdobeStock

Mit dem derzeit verfügbaren Modellangebot in Deutschland ist ein schneller Markthochlauf der Elektromobilität nur schwer realisierbar. Davon ist das Forschungsinstitut Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch-Gladbach überzeugt. Als Gründe nennt das CAM unter anderem den Trend zu SUVs und Geländewagen sowie der deutliche Anstieg der durchschnittlichen Anschaffungspreise für Autos.

Studienleiter Stefan Bratzel: „Während sich die Reichweite und Ladeleistung von Elektromodellen relativ gut entwickeln, krankt der Markthochlauf der Elektromobilität wesentlich an wettbewerbsfähigen Anschaffungspreisen im Vergleich zu Verbrennern. Der weitere Preisanstieg von Elektromodellen ist Gift für die neue Marktphase der Elektromobilität, bei der nach den technikaffinen Early Adoptern nunmehr Kundensegmente mit kleinerem Geldbeutel adressiert werden müssen.“

Trend zum SUV bei Elektroautos stärker als bei Verbrennern

SUVs und Geländewagen spielen in der Elektromobilität eine stärkere Rolle als bei anderen Antrieben. Während im gesamten Antriebsmix etwa 41 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland zwischen Januar und November 2023 auf diese Fahrzeugklassen entfiel, sind es unter den vollelektrischen Kraftfahrzeugen rund 53 Prozent. Steigende Zulassungszahlen bei SUVs können auch auf ein größeres Modellangebot zurückgeführt werden, so das CAM. Unter den 105 Fahrzeugmodellen mit Neuzulassungen zwischen Januar und November 2023 befinden sich 48 SUVs.

Auch in der Kompaktklasse nimmt das Produktangebot mit vier neuen Modellen zu, während in der Oberen Mittelklasse und Oberklasse jeweils drei neue Modelle hinzukamen. Doch es gibt einen Bedeutungsverlust von Kleinwagen und Minis, heißt es beim CAM. Der spiegelt sich in einer Reduzierung des Fahrzeugangebots wider. So befinden sich mittlerweile nur noch sieben Kleinwagen (2022: acht) und fünf Minis (2022: sechs) in der Neuzulassungsstatistik. Doch selbst von dieser ausgedünnten Palette sind noch weniger Modelle tatsächlich konfigurier- und bestellbar. In der Auswertung berücksichtigte Fahrzeuge wie der VW e-up!, der Smart fortwo oder der Honda e werden zwar noch zugelassen, aber nicht mehr auf den Herstellerseiten angeboten.

Mehr als acht Prozent teurer als im Vorjahr

Die Verdichtung der Modellpalette mit SUVs und Fahrzeugen der Oberen Mittelklasse und Oberklasse sowie die Ausdünnung des Angebots bei Kleinwagen und Minis führe zu einem Anstieg der durchschnittlichen Anschaffungspreise für E-Autos. Der mittlere Fahrzeugpreis ohne Sonderausstattung liege im Erhebungszeitraum, gewichtet an den Neuzulassungen, bei 52.693 Euro ohne Abzug der Förderung. Dies entspricht laut CAM einer Preissteigerung um gut 4000 Euro oder 8,3 Prozent im Vergleich zum Gesamtjahr 2022.

Der Preisanstieg ziehe sich fast durch alle Fahrzeugsegmente und wirke kontraproduktiv für den Hochlauf der Elektromobilität. Kostete beispielsweise ein VW ID.3 im Jahr 2022 noch 38.060 Euro in der Basis, so sind es mittlerweile 39.995 Euro. Auch in der teuersten Ausstattungslinie ergibt sich eine Preiserhöhung von 43.720 auf 47.595 Euro. Damit ist das Modell noch immer deutlich teurer als ein vergleichbarer VW Golf, dessen Startpreis bei 29.275 Euro liegt.

Mangel in den unteren Klassen

Das CAM geht davon aus, dass insbesondere in den unteren Fahrzeugklassen weiterhin ein großer Mangel an wettbewerbsfähigen Elektrofahrzeugen bestehen wird. Hieran werden auch die neuen chinesischen Importeure kurzfristig kaum etwas ändern. Erst ab 2025 sei mit einem verstärkten Angebot kostengünstiger und ausreichend wettbewerbsfähiger E-Autos zu rechnen (Tesla-Kompaktmodell, Renault Twingo, VW ID.2), die den Markthochlauf signifikant beschleunigen werden. Für 2024 prognostiziert das CAM circa 600.000 BEV-Neuzulassungen (+15 Prozent zu 2023), während im Folgejahr 2025 von etwa 750.000 Einheiten (+25 Prozent zu 2024) ausgegangen wird.

Laut Bratzel wird die Reduzierung der Herstellkosten von Elektrofahrzeugen ein zentraler Erfolgsfaktor für Autohersteller, zumal die globalen Marktführer Tesla und BYD bereits auf einer deutlich besseren Kostenbasis agieren. „Die Reduzierung oder der mögliche Wegfall des Kaufzuschusses wäre für den weiteren dynamischen Markthochlauf in den nächsten zwei bis drei Jahren kritisch.“ (wa)

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