China ist beim Thema Elektromobilität weiter als Europa – doch das kann sich in den kommenden Jahren ändern, hofft der Verband T&E.

China ist beim Thema Elektromobilität weiter als Europa – doch das kann sich in den kommenden Jahren ändern, hofft der Verband T&E.

Bild: © Robert/Adobe Stock

Europa steht bei der Elektromobilität an einem Wendepunkt. Eine Analyse des alternativen europäischen Mobliitätsverbands "Transport&Environment" (T&E) zeigt, dass die Europäische Union trotz eines Rückstands im globalen Wettbewerb um Batterie- und Elektroantriebstechnologien ihre Position stärken kann. Demnach liegt Europa beim Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge "nur noch drei Jahre hinter China zurück", lautet das Lob von T&E.

Aus Sicht des Verbands haben die nun wieder ambitionierteren europäischen CO₂‑Vorgaben für 2025 eine Aufholbewegung gegenüber China ausgelöst. "Wenn Europa an den Flottengrenzwerten festhält, können wir den Rückstand auf China noch vor 2030 aufholen und den Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch senken", heißt es bei T&E. Die Nachfrage nach E‑Autos in der EU werde überwiegend durch Fahrzeuge gedeckt, die in Europa gefertigt werden. Das schafft industrielle Stabilität in einem Markt, der stark von Importpreisrisiken geprägt ist.

Ölabhängigkeit macht Europa empfindlich gegenüber Preisschocks

Gleichzeitig zeigen sich strukturelle Defizite. Der Ölverbrauch des Verkehrssektors bleibt hoch und macht Europa empfindlich gegenüber globalen Preisschocks. Im vergangenen Jahr beliefen sich die EU‑Ausgaben für importiertes Rohöl auf mehr als 220 Milliarden Euro. Bei dauerhaft hohen Preisen könnte die Summe in diesem Jahr auf 300 Milliarden Euro steigen, warnt T&E.

In drei Jahren kann Europa China bei der Elektromobilität einholen, glaubt der Mobliitätsverband T&EGrafik: @ T&E

Trotz wachsender E‑Flotten stagnieren die Emissionen im EU‑Verkehr insgesamt: In Ländern mit hohen Verkaufszahlen batterieelektrischer Fahrzeuge, etwa Dänemark oder den Niederlanden, sinken die Emissionen zwar deutlich, aber andere Staaten, zum Beispiel Spanien, bleiben zurück, was die Fortschritte insgesamt schmälert.

Im Wettbewerb um Batterietechnologien bleibt China aber weiterhin führend. Das Land produziert 60 Prozent der weltweit verkauften Elektroautos und verfügt über eine zwanzigfach höhere Batteriezellproduktion als Europa. Dennoch zeigen europäische Industrieinitiativen Wirkung, lobt der Verband. Die Zahl geplanter und bestehender Gigafactories wächst, und die Vielfalt der beteiligten Unternehmen nimmt zu, was als notwendige Grundlage für eine widerstandsfähige Wertschöpfungskette gilt.

Allerdings werde Europa China in der Fertigungskapazität auf absehbare Zeit nicht einholen. Entscheidend sei daher, dass politische Instrumente wie der Industrial Accelerator Act (IAA) Investitionen in europäische Zell- und Modulproduktion stabilisieren und langfristig sichern.

Auch im Bereich der Nutzfahrzeuge zeigen sich dynamische Veränderungen. Während China mit knapp 15 Prozent weiterhin hohe Anteile bei elektrischen Lastwagen erzielt, holen einzelne EU‑Länder auf: Dänemark, die Niederlande und Schweden überschreiten bereits Anteile von 15 Prozent bei batterieelektrischen Lkw-Neuzulassungen. In der gesamten EU liegt der Wert aber deutlich niedriger bei 4,5 Prozent. Derweil notiert in den USA der Anteil im niedrigen Promille-Bereich.

Bei E-Schiffen liegt Europa vor China

Ein anderer Zukunftsmarkt, der über die Pkw‑Debatte hinaus an Bedeutung gewinnt, ist die Schifffahrt. Europa hat sich hier laut T&E zum führenden Markt für batterieelektrische Schiffe entwickelt und liegt beim Einsatz gemessen an der Tonnage sogar vor China. Die zunehmende Elektrifizierung von Häfen gilt als zentral für den weiteren Ausbau emissionsarmer maritimer Infrastruktur. Parallel wächst die Bedeutung nachhaltiger Flugkraftstoffe. Mehr als die Hälfte aller angekündigten Projekte für synthetisches Kerosin weltweit entfällt auf Europa.

Die Gesamtschau zeigt ein ambivalentes Bild: Europa ist verwundbar durch seine Abhängigkeit von fossilen Importen und dem weiterhin von Kerosin dominierten Luftverkehr. Der Kontinent verfügt aber über erhebliche industrielle Ressourcen, um im globalen Wettbewerb um Elektromobilität, Batterien und saubere Antriebstechnologien eine führende Rolle einzunehmen. Voraussetzung dafür ist jedoch laut T&E, dass politischer Gegenwind den Kurs nicht verwässert. Ambitionierte Regulierung bleibe das zentrale Instrument, um die Transformation zu beschleunigen und gleichzeitig die energiepolitische Sicherheit zu stärken.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper