ÖPNV

Fahrgastzahl in Bus und Bahn drastisch eingebrochen

Durch Schulschließungen, Home-Office und ausfallende Veranstaltungen bleiben die Nahverkehrsmittel meist leer. Das gefährdet die wirtschaftliche Situation der Branche.
23.12.2020

Dicht an dicht in Bus oder Bahn stehen? Für viele liegt diese Erfahrung mindestens zehn Monate zurück. (Symbolbild)

Jahrelang sind die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen stetig gestiegen - in diesem Jahr hat die Corona-Krise einen historischen Einbruch gebracht. Im Jahresdurchschnitt habe es nur noch 40 Prozent der üblichen Nachfrage gegeben, teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit.

Busse und Bahnen waren damit so leer wie nie seit der Wiedervereinigung, zumal das Angebot nahezu komplett aufrechterhalten wurde. Verbandspräsident Ingo Wortmann: "Sowohl die Fahrgastzahlen als auch die Einnahmen sind eingebrochen, weil die Menschen zu Hause geblieben sind und ihnen die Anlässe für die Fahrten gefehlt haben."

Fahrgastzahlen sollten weiter steigen

22 Jahre lang waren die Fahrgastzahlen ununterbrochen gestiegen. Immer mehr Erwerbstätige und immer mehr Einwohner in Großstädten brachten Busse und Bahnen mancherorts an die Kapazitätsgrenze. 10,4 Mrd. Kundenfahrten waren es 2019.

Und weil mehr Bus- und Bahnfahren als ein Weg zu mehr Klimaschutz in Deutschland gilt, sollen eigentlich bis 2030 noch einmal drei Mrd. hinzukommen. Das haben sich die Betreiber als Ziel gesetzt. Die Unternehmen haben Hoffnung, dass die Fahrgäste zurückkehren, wenn die Infektionszahlen sinken.

Auf Fahrtkartenverkauf angewiesen

Denn im August und September hatte die Nachfrage wieder 80 Prozent des Üblichen erreicht - davor und danach sackte sie zwischenzeitlich auf 20 bis 30 Prozent ab, wegen Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen und Kurzarbeit. Dazu arbeiteten mehr Menschen im Homeoffice, Touristen blieben weg und Großveranstaltungen fielen aus.

"Unser Ziel ist es natürlich, alle Fahrgäste schnellstmöglich zurückzugewinnen, um die Verkehrswende voranzubringen und die wirtschaftliche Situation der Branche zu verbessern", sagte Wortmann. Denn trotz staatlicher Unterstützung sind die Unternehmen darauf angewiesen, Fahrkarten zu verkaufen.

Leichter Anstieg bei Ticketpreisen

Diese wurden in diesem Jahr nur noch geringfügig teurer. Im Durchschnitt lag der Aufschlag nach Verbandsberechnung bei 1,3 Prozent nach 1,75 Prozent im Vorjahr. Die Erhöhungen waren in der Regel schon vor der Krise beschlossen worden, mancherorts wurden sie noch verschoben.

Ein Einzelticket kostet im bundesweiten Schnitt 2,70 Euro (+0,27 Prozent), ein Monatsticket 55,20 Euro (+1,38 Prozent). Fahrkarten seien eine wichtige Säule der Finanzierung und für den Angebotsausbau "angemessen weiterzuentwickeln", sagte Wortmann. "Jeder Euro, den die Unternehmen daraus erwirtschaften, wird direkt wieder in Betrieb und Angebot investiert."

Rettungsschirm angekündigt

Im vergangenen Jahr waren noch 13,3 Mrd. Euro an Fahrgeld-Einnahmen zusammengekommen. Gut 9,4 Mrd. Euro kamen zusätzlich von der öffentlichen Hand. Für dieses Jahr erwartet die Branche einen Rückgang der Fahrkarten-Einnahmen um 3,6 Mrd. Euro.

Auch 2021 werde man deutlich unter der üblichen Summe bleiben. Bund und Länder hatten zum Ausgleich in diesem Jahr einen Rettungsschirm von bis zu fünf Mrd. Euro in Aussicht gestellt. (dpa/jk)