Winterliche Idylle in Oslo – darauf hoffte der Verkehrsverbund Ruter im vergangenen Jahr vergeblich.

Winterliche Idylle in Oslo – darauf hoffte der Verkehrsverbund Ruter im vergangenen Jahr vergeblich.

Bild: © alexey_fedoren / Adobe Stock

Von Jürgen Walk

Norwegen gilt als elektromobiles Vorzeigeland. Da ist die Häme der Anderen nicht weit, falls es mal nicht so gut läuft. So war es im vergangenen Winter, als es Störungen in Oslos Busverkehr gab, der mittlerweile fast komplett elektrifiziert ist. Doch Norwegens Hauptstadt hat aus den Schwierigkeiten gelernt.

Was war passiert? "Wir hatten einen sehr harten Winter", berichtet Jon Stenslet vom Osloer Verkehrsverbund Ruter auf der Fachkonferenz klimaneutrale Busse des Bundesverkehrsministeriums. Schneechaos wechselte sich mehrfach ab mit Temperaturen bis minus 22 Grad Celsius, um dann wieder in Tauwetter überzugehen. Dabei kam es zu größeren Ausfällen im bereits fast vollständig auf Elektromobilität umgestellten Osloer Busverkehr. Der internationale Boulevardjournalismus reagierte mit unverhohlener Schadenfreude, aber auch seriösere Medien griffen das Thema der "liegengebliebenen Elektrobusse" auf.

Die Busse selbst waren nicht das Problem

Was dabei allerdings unterging: Schwierigkeiten machten weniger die Elektrobusse selber. Dass die Reichweite der Fahrzeuge im Winter geringer ist, ist in den Einsatzplänen natürlich berücksichtigt. Stattdessen drehte sich ein großer Teil der Probleme um Fehler in der Ladeausrüstung. "Der erste große Fehler im Ladenetz trat bei rund minus 14 Grad auf", berichtet Stenslet. "Bei diesen Temperaturen dachten die Ladesysteme, sie seien zu heiß. Es gab einen Sensorfehler. Also funktionierte die Ladeinfrastruktur plötzlich nicht mehr, als es wirklich kalt war."

Aus Stenslets Sicht ist das ein klarer Fehler der Ladesäulen-Hersteller, die ihre Produkte nicht ausreichend auf Kältebeständigkeit getestet hätten. Zudem sei Schnee in die Ladeinfrastruktur gedrungen und habe dort immer wieder Kurzschlüsse verursacht.

Hinzu kamen die völlig vereisten Straßen, bei denen die Busse keine Traktion aufbauen konnten. Und schließlich waren kurz vorher noch Verträge mit neuen Busbetreibern in Kraft getreten.

Robust für den Winter planen

Die wichtigste Erkenntnis für Oslos Verkehrsverbund aus dem Winterchaos: Ein System, das vollständig auf Elektrobusse umgerüstet ist, ist zunächst weniger robust. Wenn eine Komponente ausfällt, können die Folgen erheblich sein. Also müssen die Planungen für den Fahrzeugeinsatz im Winter deutlich angepasst werden. Außerdem müssen Fahrer besser auf winterliche Verkehrsverhältnisse geschult werden.

Der Energiebedarf der Busse sei falsch berechnet worden – Hauptproblem war der massive Energieverlust beim häufigen Öffnen und Schließen der Türen an den Haltestellen. Vor jedem Fahrtantritt werden die Busse künftig zwischen 30 und 60 Minuten lang vorgeheizt. Mittlerweile sind auch die Ladegeräte auf deutlich niedrigere Temperaturen, bis zu minus 30 Grad, eingerichtet.

Die positive Nachricht: "Alle Herausforderungen lassen sich lösen: Batterie, Heizung, Ladeinfrastruktur – bauen Sie in der Anlaufphase mehr Back-up und Robustheit ein", ist Stenslets Empfehlung. War Oslos Weg, bis Ende 2024 den Busbetrieb vollständig auf Elektromobilität umzustellen, also falsch? "Ich denke, Elektrobusse sind die Zukunft, sowohl für das Klima als auch für das Wohlbefinden in unserer Umgebung. Und wir können den Unterschied auch hören. Die Stadt ist ruhiger und das ist eine ganz nette Abwechslung", merkt Stenslet an.

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