Bei der Frage nach den Kosten des Tarifabschlusses im Öffentlichen Dienst wurde Guntram Pehlke emotional. „Das ist der falsche Ansatz. Wir können nicht auf der einen Seite unsere Busfahrer und Krankenschwestern beklatschen, weil sie während der gesamten Coronapandemie durchgearbeitet haben, in Dortmund sogar mit einem größeren ÖPNV-Angebot als vorher, und dann sagen: Ihr seid zu teuer“, antwortete der scheidende Vorstandsvorsitzende der Dortmunder Stadtwerke (DSW21) und VKU-Vizepräsident auf Anfrage der ZfK bei einer Journalistenrunde.
Die Gewerkschaft Verdi fordert für den öffentlichen Dienst eine Erhöhung der Löhne um 10,5 Prozent, die Tabellenentgelte sollen aus Sicht der Gewerkschaft um mindestens 500 Euro steigen. Seit Monaten verhandeln die Gewerkschaften mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) über den Lohn von über 2,4 Mio. Tarifbeschäftigten. Auch Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) unterstützt die Gewerkschaftsforderungen. Allein bei der DSW21 sind von dem Abschluss rund 2000 Mitarbeitende betroffen.
Pehlke bezog deutlich Stellung. „Wir können nicht den kommunalen Verhandlungsführern hinterherlaufen, die immer ihre Haushalte an erster Stelle sehen und nicht ihr Personal“, betonte er.
"Können uns keine langfristigen Streiks erlauben"
Jetzt müsse das Personal mal in den Blickpunkt rücken, „das brauchen wir einfach in den Abschlüssen“. Natürlich werde das auch DSW21 belasten, „aber es ist zu stemmen, und wir müssen jetzt dem Personal gegenüber endlich mal ehrlich werden“.
„Es ist mir unverständlich, wieso die Bundesinnenministerin und die Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen (Anmerkung der Redaktion: sie ist Chefverhandlerin der kommunalen Arbeitgeber) die Tarifverhandlungen für drei Wochen unterbrochen haben“, kritisierte Pehlke weiter. Allein bei DSW21 in Dortmund gab es seit Jahresbeginn, den 27. März eingerechnet, fünf Warnstreiktage. „Das ist absolut verheerend, wir können uns keine langfristigen Streiks erlauben. Am Ende muss ein Tarifabschluss stehen, der unsere Arbeitsplätze, die in den Krankenhäusern und in den anderen Berufen im öffentlichen Dienst attraktiv erhält“, stellte der DSW21-Chef klar.
"Wir erwarten, dass man sich zeitnah einigt"
Am Montag, 27. März, werden die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen. „Wir erwarten, dass man sich dann in dieser und in der Woche darauf einigt“, so Pehlke. Die geplanten bundesweiten Arbeitsniederlegungen am Montag im Schienenverkehr, bei den Verkehrsunternehmen und auch bei den Autobahngesellschaften seien volkswirtschaftlich eigentlich untragbar. (hoe)



