Bafa-Chefin Mandy Pastohr (Archivbild) im Interview

Bafa-Chefin Mandy Pastohr (Archivbild) im Interview

Bild: © Bafa

Energieeffizienz ist nicht länger nur eine Baustelle der Zukunft, sie ist Gegenstand höchster Dringlichkeit, wenn Versorgungssicherheit und Klimaziele Bestand haben sollen. Mandy Pastohr, Präsidentin des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), gewährt im Gespräch Einblicke in Fortschritte und Hemmnisse der Förderpraxis, den Einsatz von Digitalisierung und KI sowie den Anspruch, Förderverfahren praxisnäher zu gestalten. Ein offenes Wort der Behörde gegenüber Energieversorgern und erste Signale für kommende Erleichterungen.

Frau Pastohr, Sie haben bei der Eröffnung des Bafa-Energietages betont, dass Energieeffizienz wichtiger denn je sei. Woher diese Einschätzung? 

Das hat sehr viel mit eigener Erfahrung zu tun. Ich habe den großen Blackout in Spanien live miterlebt – man kann sich nicht vorstellen, was es bedeutet, plötzlich ohne Energie, Handy und Informationen dazustehen. Das waren sehr eindrückliche zwölf Stunden für mich. Es hat mir vor Augen geführt, wie abhängig jeder Einzelne von Energie ist. Mein Rückschluss daraus ist: Energie ist ein sehr wertvolles Gut. Daher ist Energiesicherheit enorm wichtig. Je effizienter wir mit Energie umgehen, desto weniger Druck ist auf unserer Energieversorgung.

Was heißt "Energiesicherheit" konkret?  

Wir dürfen bei der Energie nicht von Autokraten oder Oligarchen abhängig sein. Der Krieg in der Ukraine, die Angriffe auf kritische Infrastruktur und die Zuspitzung handelspolitischer Konflikte führen uns die Verwundbarkeit fast täglich vor Augen. Wenn wir effizienter werden bei der Energienutzung, bei Gebäuden, bei Netzen und in der Erzeugung, dann werden wir auch resilienter.

Ihrem Haus kommt bei dem Thema eine wichtige Rolle zu. Sie bearbeiten die Förderanträge zu BEG und BEW. Wie zufrieden sind Sie mit dem Hochlauf? 

Wir sind sehr zufrieden mit beiden Programmen, die wir für das BMWE administrieren. Die aktuellen Zahlen zeigen, warum: Bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) haben wir allein in diesem Jahr (bis zum 1. September) bereits 138.000 Anträge erhalten. Die meisten davon entfallen auf Maßnahmen der Gebäudehülle, also Fenster, Dämmung oder Dächer. Insgesamt sind es über den gesamten Zeitraum bereits 1,76 Millionen Anträge und 13,6 Milliarden Euro, die wir ausgezahlt haben.

Bei der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) haben wir allein dieses Jahr etwa 900 Anträge erhalten. Die meisten in Modul eins, für Machbarkeitsstudien und Transformationspläne. Insgesamt haben wir bei der BEW nach bearbeiteten 2800 Anträgen bereits 3,5 Milliarden Euro bewilligt.  

Was läuft besonders gut im Antragsprozess und wo sehen Sie Verbesserungsbedarf? 

Unser Digitalisierungsgrad ist bei unseren Antragsprozessen seit Jahren schon sehr hoch. Bei der BEG benötigen wir beispielsweise keine Dokumente mehr in Papierform. Außerdem kann der Bearbeitungsstatus in einigen Förderprogrammen über ein Portal eingesehen werden. Die gesamte Kommunikation läuft dabei digital. Das beschleunigt die Verfahren sehr.

Die Wärmenetze-Förderung ist eine sehr komplexe Fördermaßnahme. Die Vorhaben sind verglichen mit der Gebäudeförderung viel schwieriger. Das liegt nun mal in der Sache begründet. Wenn ich ein Wärmenetz für eine Millionenstadt plane, ist das etwas ganz anderes als ein Fenstereinbau. Entsprechend sind die Antragsverfahren komplexer und wir müssen häufig Rückfragen stellen. Man stellt einen Antrag für ein Wärmenetz ja auch nur einmal und hat nicht die Routine wie bei anderen Maßnahmen. Dennoch arbeiten wir daran, es so einfach wie möglich zu halten.  

Wie blicken Sie auf die Zukunft der Antragszahlen? 

Das ist schwer zu sagen und hängt von vielen Faktoren ab – von der Gestaltung der Förderkulisse, der Mittelausstattung, aber auch von medialer Berichterstattung. Manchmal gehen die Antragszahlen durch Presseberichte sehr unerwartet nach oben oder unten. Es hängt auch von der Wirtschaftsentwicklung und der Kaufkraft ab. Aber ich bin optimistisch, dass es zumindest so bleibt.  

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen sich bei Ihnen mit der Antragsbearbeitung? 

In der Gebäudeförderung haben wir etwas mehr als 200 Mitarbeitende, da ist auch ein großes Info-Center dabei. Bürgerinnen und Bürger können dort anrufen und sich bei der Antragsstellung helfen lassen. In der Wärmenetze-Förderung ist aktuell ein erfahrenes Team von mehr als 25 Mitarbeitenden im Einsatz.

Hört man Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu, ist oft die Rede von einer Verschlankung bei den Behörden – es sollen also Stellen gestrichen werden. Könnten Sie Stellen einsparen oder brauchen sie eher mehr?  

Gerade bei der sehr komplexen Wärmenetze-Förderung ist eine komplette Digitalisierung des Prozesses schwierig. Wir sind dran, verbessern uns an der Stelle auch, aber Einsparpotenzial sehe ich nicht. Bei der Gebäudeförderung, die so facettenreich ist, sehe ich das eigentlich auch nicht.  

Ich glaube, dass wir mit unseren Ressourcen aktuell sehr gut hinkommen. Dennoch wollen wir alles, was digital geht, auch digital gestalten.  

Aus der Branche gibt es Kritik an langen Bearbeitungszeiten. Wie gehen Sie damit um? 

Wir haben ein sehr differenziertes Controlling und erheben Kennzahlen. Wie viele Anträge gehen pro Woche ein, Verwendungsnachweise, Bearbeitungszeiten. Das schauen wir uns jede Woche genau an. Bei unerwarteten Spitzen setzen wir unsere sogenannten Feuerwehr-Trupps ein. Das heißt, wir nehmen Mitarbeiter aus anderen Bereichen dazu, die beim Abbau von Rückstaus helfen. 

Es ist in fast jedem Förderprogramm so, dass sich die Antragstellungen dynamisch entwickeln. Wir versuchen uns an diese anzupassen, um ebenso flexibel reagieren zu können. An der Stelle sind wir bereits bedeutend besser geworden.  

Versorger kritisieren oft die Komplexität der Antragstellung. Gibt es konkrete Vereinfachungsmaßnahmen? 

Derzeit bereiten wir in der Wärmenetze-Förderung die Einführung einer neuen internen Software vor. Dabei analysieren und hinterfragen wir sämtliche Prozesse kritisch. Also alles, was wir abfragen. Was brauchen wir wirklich und was nicht? Das machen wir auch in anderen Programmen. Außerdem sind wir im stetigen Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium und überlegen gemeinsam, wie man Förderrichtlinien so aufstellen kann, dass die Verfahren vereinfacht werden.  

Die Regierung will in Zukunft stärker auf künstliche Intelligenz setzen. Wo setzen Sie bereits KI ein? 

Wir verwenden KI an verschiedenen Stellen – für Übersetzungsleistungen, in der Öffentlichkeitsarbeit, bei E-Mail-Anfragen. Im Servicecenter für Energie haben wir mehrere hunderttausend Anfragen pro Jahr, da hilft intelligente Software. Wir haben auch KI-Systeme bei Anrufen im Einsatz, sogenannte Chatbots. Aber die Technik hat auch Grenzen. Bei komplexen Förderverfahren brauchen wir weiterhin unsere Expertinnen und Experten. Dennoch wollen wir mit vorne dabei sein. Wir sehen ja im Alltag, welche Sprünge beim Thema KI möglich sind.  

Was wünschen Sie sich von der Energiebranche? 

Der Austausch ist uns extrem wichtig. Wir sind eine Verwaltung und wollen wissen, wie unsere Förderprogramme bei den Energieversorgern ankommen. Wir sind über jede Anregung und Idee für Verfahrensverbesserungen sehr dankbar. Die Branche wird auch bei Förderrichtlinien im Vorlauf angehört, aber oft merkt man erst in der Umsetzung, wo es knirscht. Wir sind über jeden Impuls aus der Branche dankbar.  

Markus Söder kritisiert die Bundesförderung für effiziente Gebäude immer wieder und fordert Verschlankung. Wie blicken Sie darauf? 

Wenn Förderrichtlinien angepasst werden oder neue Programme entstehen, müssen wir das digital abbilden und die Mitarbeitenden entsprechend vorbereiten. Dass sich Richtlinien ändern, gehört aber zu unserem Alltag. Es ist ein dynamischer Prozess: Wenn in einem Förderprogramm weniger Mitarbeiter gebraucht werden, aber an anderer Stelle Not am Menschen ist, müssen wir das ausgleichen.

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