Das renommierte Analysehaus Aurora Energy Research hat in einer neuen Studie berechnet, zu welchen regionalen Preissignalen die Teilung der bundeseinheitlichen 'Strompreiszone in eine Nord- und Südzone führen könnte. Demnach könnte im Jahr 2030 Strom im Süden fünf Euro pro MWh mehr kosten als im Norden. Bis 2045 könnte der Preisunterschied auf neun Euro steigen.
Die Debatte um eine mögliche Spaltung der Strompreiszone hatte in den vergangenen Monaten weiter an Fahrt gewonnen. Derzeit werden Stromprodukte bundesweit einheitlich gehandelt. Befürworter einer Teilung erhoffen sich, dass sich Markt und physikalische Bedingungen vor Ort wieder stärker angleichen.
Norden gegen Süden
Der schleppende Netzausbau der vergangenen Jahre führt nämlich aktuell dazu, dass erneuerbar erzeugter Wind- und Solarstrom oft nicht in den Süden transportiert werden kann, wo ein großer Teil der deutschen Industrie angesiedelt ist. Zudem sind die Netzentgelte dort, wo besonders viel erneuerbare Erzeugungsanlagen errichtet werden, höher als dort, wo dies nicht der Fall ist. Denn Verteilnetzbetreiber müssen entstandene Ausbaukosten auf Kunden in ihrem eigenen Netzgebiet umlegen.
Norddeutsche Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen befürworten eine Teilung der Strompreiszonen. Dagegen sprechen sich etwa die bevölkerungsreichen und wirtschaftsstarken Länder Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg aus.
EEX-Chef warnt vor Spaltung
Auch Handelsexperten warnten vor einer Spaltung. Peter Reitz, Vorstandsvorsitzender der Leipziger Strombörse EEX, etwa verwies auf die Gefahr, dass die kleineren Märkte auch illiquider werden würden. Das wäre beispielsweise für Industrieunternehmen mit zusätzlichen Kosten bei der Strombeschaffung verbunden.
"Deswegen sollte man sogar eher darüber nachdenken, Preiszonen mittelfristig zu vergrößern, statt sie aufzuteilen", sagte er im ZfK-Interview.
Unsicherheiten bei Netzausbau
Die Aurora-Experten haben eine Aufteilung in eine Nord- und Südzone als wahrscheinlichste Option angenommen. Dabei haben sie mehrere Szenarien durchgespielt.
Unsicherheiten sehen sie vor allem beim Netzausbau. Verzögere sich dieser deutlich, könnte der Preisunterschied zwischen Nord und Süd im Jahr 2030 auf 13 Euro pro MWh wachsen, heißt es. Im Jahr 2024 könnte die Differenz bereits 24 Euro pro MWh betragen.
Elektrolyseure mit lindernder Wirkung
Ein stärkerer Ausbau von Elektrolyseuren im Norden könnte demgegenüber den Preisunterschied langfristig dämpfen. Würden Elektrolyseure mit einer Leistung von vier Gigawatt im Norden statt im Süden angesiedelt werden, lägen demnach nur noch sechs Euro pro MWh zwischen den Großhandelsstrompreisen. (aba)



